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Als Belohnung zu McDonald'sFreispruch für positiv getesteten Cielo schockt Steffen und Co.

Als Belohnung zu McDonald'sFreispruch für positiv getesteten Cielo schockt Steffen und Co.

Schanghai. Trainer, Mannschaftskollegen und Funktionäre hielten die Siegerehrung für den ersten deutschen Goldmedaillen-Gewinner in der Hitze Schanghais mit ihren Handys und Kameras fest. Zehnter WM-Titel für Thomas Lurz, über fünf Kilometer zum siebten Mal nacheinander

Schanghai. Trainer, Mannschaftskollegen und Funktionäre hielten die Siegerehrung für den ersten deutschen Goldmedaillen-Gewinner in der Hitze Schanghais mit ihren Handys und Kameras fest. Zehnter WM-Titel für Thomas Lurz, über fünf Kilometer zum siebten Mal nacheinander. Statt in überschäumenden Jubel auszubrechen, nahm der Freiwasserschwimmer die nächste Karrierebestmarke gewohnt sachlich zur Kenntnis. "Ich freue mich schon, was soll ich sagen. Man muss nicht irgendwie den großen Affen machen und sich auf die Leine setzen", sagte der 31-Jährige. Nach der insgesamt 16. WM-Medaille freute sich der Würzburger, für den erstmal eine Dose Cola gab, auf den Lohn der besonderen Art: "McDonald's."Nach zwei silbernen und drei bronzenen Medaillen bei der Weltmeisterschaft in Shanghai durfte der Deutsche Schwimm-Verband am Jinshan-Strand über das erste Gold jubeln. Leistungssportdirektor Lutz Buschkow ließ bei Lurz' packendem Zielsprint und dem Erfolg in 56:16,6 Minuten vor Zehn-Kilometer-Weltmeister Spyros Giannotis (Griechenland/+ 0,8 Sekunden) und dem Russen Jewgeni Drattsew einen Freudenschrei los. Nach Silber und Bronze von Lurz und Co. war der befreiende Sieg da.

Wieder einmal war auf Lurz Verlass. Irgendwie sind Erfolge des Dauerbrenners zur Gewohnheit geworden. "Es klingt zwar ein bisschen blöd, aber manchmal erwartet man, auch ich selber, von Thomas eine Goldmedaille", sagte Bruder und Trainer Stefan Lurz, der die Ehrung fürs Familienarchiv filmte: "Gold kann nicht immer funktionieren, aber auch der Silbermedaillen-Platz über zehn Kilometer war ein Riesending und vielleicht sogar noch wichtiger als jetzt das Gold hier." Denn der mit Rang zwei gesicherte Qualifikationsplatz bringt Lurz zu Olympia nach London - genauso wie den Saarbrücker Andreas Waschburger, der Zehnter geworden war (wir berichteten). "Olympia ist jetzt erstmal das ganz große Ziel", sagte Thomas Lurz. Dann soll er für seinen Bruder wieder in einem Sieger-Film die Hauptrolle spielen. "Wir wollen versuchen eine ganz große Nummer zu machen und die Goldmedaille aus dem Wasser zu fischen", sagte Stefan Lurz, der das Erfolgsrezept preisgab: "Thomas ist ein akribischer Arbeiter, trainiert so gut wie fast niemand auf der Welt. Er trainiert sehr viel und vor allem sehr intensiv, und das jeden Tag stundenlang." dpa

Schanghai. Gut gelaunt absolvierte Britta Steffen ihre ersten Bahnen im Wettkampf-Becken von Schanghai. Nur einmal verfinsterte sich ihre Miene. Dass der positiv getestete Freistil-Olympiasieger Cesar Cielo bei der Schwimm-WM starten darf, schlägt hohe Wellen. Nicht nur bei Steffen und den anderen Deutschen. "Krass. Wozu macht man dann überhaupt noch Doping-Kontrollen? So kann jeder machen, was er will. Das ist traurig, bitter zu hören", sagte die Doppel-Weltmeisterin am Freitag.

Zwei Tage vor Beginn der Becken-Wettbewerbe war der Freispruch durch den Internationalen Gerichtshof (Cas) das Thema beim Training in der Wettkampfhalle des "Oriental Sports Centre". "Das war ein guter Tag", kommentierte Marco di Carli die überraschende Entscheidung ironisch. Der Frankfurter ist über 100 Meter Freistil Weltjahresbester vor Cielo und wird an diesem Sonntag in der Staffel erstmals auf den Brasilianer treffen. Das Gericht hatte Cielos Erklärung akzeptiert, das Mittel, welches bei ihm festgestellt wurde, stamme von verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln. Eine Urteilsbegründung soll in erst einigen Wochen vorliegen.

Markus Deibler, dessen Bruder über 50 Meter Schmetterling auf Cielo trifft, wollte nicht ausschließen, dass der Brasilianer unverschuldet positiv getestet wurde. Trotzdem müsse gleiches Recht für alle herrschen. "Es kann keine Rücksicht auf Einzelfälle geben. Anscheinend werden Olympiasieger und große Namen anders behandelt. Sie können sich erlauben, was sie wollen", erklärte der Hamburger achselzuckend. dpa

Auf Einen Blick

Die deutschen Wasserballer haben bei der Weltmeisterschaft in Schanghai den Gruppensieg und damit den direkten Viertelfinal-Einzug verpasst. Sie müssen den Umweg über das Achtelfinale gehen. Die Mannschaft von Bundestrainer Hagen Stamm verlor am Freitag gegen Italien ihr drittes Gruppenspiel nach einem 6:4-Vorsprung noch mit 6:7.

"Ich bin auf 180", sagte Stamm. Kapitän Marc Politze meinte: "Die Italiener wurden künstlich am Leben gehalten von den Schiedsrichtern." Torhüter Alexandr Tchigir musste mit einer Adduktoren-Verletzung ausgewechselt werden.

Das Achtelfinal-Spiel gegen Japan findet an diesem Sonntag um 15 Uhr statt. dpa