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Basketball-Damen aus Saarlouis wollen wieder nach oben

Basketball : Die Zuversicht nach dem Abstieg ist groß

Die Basketballerinnen der Saarlouis Royals sind sportlich abgestiegen. Das letzte Spiel aber macht Hoffnung – und Corona auch.

50 Sekunden sind in der Saarlouiser Stadtgartenhalle noch zu spielen, als sich die Besucher im letzten Heimspiel der Basketballerinnen der Saarlouis Royals von den Sitzen erheben. Die Stimmung ist am Endpunkt einer ernüchternden Saison in der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) nochmal ausgelassen: Die Fans feiern die Royals für ihren 80:66 (43:31)-Erfolg über den Herner TC, seines Zeichens deutscher Meister und Pokalsieger. „Hätten sie immer so gespielt, wären sie sicher nicht abgestiegen“, ist Royals-Anhänger Hans-Günther Heysel aus Völklingen überzeugt. Seit 2007 begleite er die Entwicklung des Teams, sei regelmäßig auch bei den Auswärtspartien dabei, sagt der 76-Jährige.

Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Es war die (vorerst) letzte Bundesliga-Partie der Royals überhaupt. Das letzte Auswärtsspiel des bereits feststehenden Absteigers Saarlouis beim klaren Spitzenreiter Rutronik Stars Keltern wurde wegen der Corona-Krise bereits abgesagt.

Dort, wo Keltern steht, standen die Royals vor nicht allzu langer Zeit noch selbst: 2009 und 2010 waren sie deutscher Meister, von 2008 bis 2010 drei Mal Pokalsieger, dazu Europapokal-Halbfinalist. Es waren glorreiche Zeiten, die nun mit dem Abstieg in die 2. Bundesliga in ganz weite Ferne rücken.

„Wir sind natürlich traurig“, sagt Irene Kasper aus St. Wendel, seit mehr als 20 Jahren Royals-Fan. „Wenn einige Spielerinnen nur annähernd so wie heute zusammengespielt hätten, wäre das nicht passiert. Das sind alles gute Einzelspielerinnen, aber es war eben keine Einheit“, findet die 75-Jährige und kritisiert die Einkaufspolitik.

Bleibt nur die Hoffnung, dass Letztere nächstes Mal besser ausfällt – denn es wird in Liga zwei Veränderungen geben. Wie groß sie ausfallen und wen sie betreffen, da lässt sich Manager Sascha Schmidt noch nicht in die Karten schauen: „Es muss Veränderungen geben. Wie tiefgreifend, das wird sich aber erst noch zeigen“, sagt er: „Wir können noch nichts vermelden.“ Wobei dieses „können“ eher ein „wollen“ ist.

Immerhin ergänzt Schmidt: „Es werden auch Spielerinnen bleiben – wer und wie lange, teilen wir später mit.“ Bleiben soll auch Trainer Marc Hahnemann, vertraglich fixiert ist jedoch noch nichts: „Wir wollen weiter zusammenarbeiten. Es gibt aber noch Details zu klären“, sagt der Manager der Royals.

Zu einer möglichen Kooperation mit dem aktuellen Zweitligisten Saarlouis/Dillingen Diamonds wollte sich Schmidt zunächst nicht detailliert äußern, auf Nachfrage ließ er sich zumindest dies entlocken: „Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, dass es zwei Vereine gibt, die in Saarlouis professionell Basketball spielen wollen. Wenn man Kräfte bündeln kann, sollte man immer drüber nachdenken. Aber ob es klappt, weiß ich nicht.“

Keinen Hehl macht der Manager aus der Zielsetzung für die kommende Zweitliga-Saison. „Der Anspruch kann nur sein, direkt wieder aufzusteigen“, betont Schmidt und erläutert: „Wir versuchen, beim Budget so wenig Einbußen wie möglich zu haben, um mit einer vernünftigen Struktur und Basis die Rückkehr zu schaffen. Mein Wunsch wäre es natürlich, einen Kader zu haben, der im Falle des Aufstiegs nicht mehr zu sehr verändert werden müsste.“ So oder so brauche man für das Ziel Aufstieg „Spielerinnen mit Erstliga-Niveau“.

Das war im aktuellen Kader nicht immer gegeben, sonst wäre es nicht zum zweiten sportlichen Abstieg in Folge (2019 profitierte Saarlouis vom Rückzug von Eintracht Braunschweig) gekommen. Für viele Anhänger trägt nicht zuletzt Hahnemann-Vorgänger Ondrej Sykora eine Mitschuld: „Ich hätte den schon früher entlassen. Danach konnte man keine Wunderdinge mehr erwarten“, sieht Irene Kasper eine verfehlte Personalpolitik – ähnlich wie Heysel: „Wenn Hahnemann von Anfang an da gewesen wäre, hätten wir die Liga eher gehalten. Der neue Trainer hat Ahnung von Basketball“, sagt der eingefleischte Royals-Fan, der dem Team auch eine Liga tiefer treu bleiben wird: „Es ist vielleicht gar nicht schlecht, dass wir in Liga zwei nochmal neu anfangen“, ergänzt er.

So, wie es schon nach dem Abstieg 2012 der Fall war. Damals erholte sich Saarlouis rasch und meldete sich nach dem direkten Wiederaufstieg zeitnah mit zwei Vize-Titeln (2015, 2016) zurück.

Einen kleinen Funken Hoffnung, dem Abstieg doch noch zu entgehen, gibt es übrigens: Nach dem Abbruch der Saison ist es denkbar, dass es in diesem Jahr keine Absteiger geben wird. Darüber berät die Liga derzeit – und damit würde Saarlouis, wie im vergangenen Jahr, am Grünen Tisch den Klassenverbleib schaffen.

Nach dem erfreulichen Sieg im letzten Erstliga-Heimspiel stellte sich ohnehin Hoffnung ein, dass es auch nach einem Abstieg mit dem Verein wieder aufwärts geht. „Wir kommen wieder“, kündigte Kasper an. Und Heike Schmidt betont: „Wir Fans halten den Royals auch in der zweiten Liga die Treue.“