Ein Kraftwerk unter Volldampf

Sie könnten in alle Haushalte im St. Wendeler Land Strom liefern. Und darüber hinaus. Tatsächlich aber versorgen sie das St. Wendeler Werk von Fresenius Medical Care mit Energie. Die Rede ist von den beiden Gasturbinen des Werkes, die seit zweieinhalb Jahren Strom und Wärme produzieren. Das firmeneigene Kraftwerk ist einzigartig in der Region.

Wer das Blockheizkraftwerk im Werk von Fresenius in St. Wendel betritt, sieht rot. Die beiden Turbinen und dazugehörige Maschinen sind hinter rot gestrichenen Wänden aus Metall verschwunden. Mehrere Fenster erlauben den Blick ins Gehäuse. Aber auch dann kann der Betrachter nur erahnen, was sich im Inneren der Kraftwerke abspielt.

Mit 13 000 Umdrehungen in der Minute rotieren jeweils die beiden Gasturbinen, genauso wie die Turbinen eines Flugzeuges. Sie treiben zwei Generatoren an, die Strom erzeugen. Dabei fällt Wärme an, die zur Dampferzeugung genutzt wird. Der Experte spricht von Kraftwärmekopplung. Je die Hälfte der Energie wird zu Strom und Wärme umgewandelt.

Seit zweieinhalb Jahren läuft das firmeneigene Gaskraftwerk von Fresenius in St. Wendel rund. Rund im Wortsinn. "Die Anlage muss 8200 Stunden im Jahr laufen", erklärt Jürgen Groß, Leiter der Zentralen Technik. Wartungszeiten werden so kurz wie möglich gehalten. Das ist für Fresenius wichtig. Denn die Gasturbinen liefern 90 Prozent des Stromes und des Dampfes, den das Unternehmen braucht. Die Zahlen sind enorm. Jede Turbine kann 7,4 Megawatt Strom erzeugen. Das entspricht 127 800 Megawattstunden Strom im Jahr. So viel Strom, wie 32 000 vierköpfige Haushalte verbrauchen. "Wir könnten also die Haushalte im Landkreis mit Energie versorgen", so Groß.

Damit aber nicht genug. Denn jede der beiden Turbinen erzeugt auch 17,5 Tonnen Dampf in der Stunde, macht 290 000 Tonnen im Jahr. 500 Grad ist dieser Dampf heiß, Fresenius braucht diesen für die Produkte, die im Werk hergestellt werden.

Weitere Wärmetauscher ermöglichen es, auch die restliche Wärme zu nutzen und die Effektivität noch einmal zu erhöhen. Treibstoff der beiden Turbinen ist Gas. Jede braucht 2250 Kubikmeter in der Stunde. Gegenüber konventionellen Kraftwerken reduziert die Fresenius-Anlage den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid um 20 000 Tonnen im Jahr.

"Wir benötigen eine relativ konstant hohe Menge an Strom und Wärme", erklärt Groß: "Das ist ein ideales Einsatzgebiet für die Gasturbine und die Kraft-Wärme-Kopplung ." Früher lieferte ein Kesselhaus mit fünf Anlagen den notwendigen Dampf, der Strom wurde von außen eingekauft.

Jetzt liefert die Kraft-Wärme-Kopplung 90 Prozent der Energie, die das Werk braucht. "Was die Eigenerzeugung in dieser Größenordnung angeht, sind wir Vorreiter im Landkreis", sagt Jürgen Groß. Etwa zwölf Millionen Euro investierte das Unternehmen in das Kraftwerk.

500 Grad heißer Dampf heizt das Wasser in riesigen Kesseln auf.

Fresenius beschäftigt in St. Wendel aktuell rund 1850 Mitarbeiter. Das Werk besteht seit mehr als 40 Jahren. Es ist eines der weltweit größten Produktionsstandorte für Dialysatoren und exportiert diese in die ganze Welt. Zusammen mit den anderen Standorten von Fresenius wurden so inzwischen mehr als eine Milliarde Dialysatoren hergestellt. Darüber hinaus ist St. Wendel auch Entwicklungsstandort für neue Produkte und Produktionsverfahren.