Enzweilers Papierwelten

Durch seine spezielle Technik der Papierbearbeitung mit Schnitten und Rissen schafft Jo Enz-weiler einzigartige Werke, die sowohl einzeln „funktionieren“, als auch im Zusammenklang.

"Es ist einfach eine Möglichkeit des Ausdrucks und immer wieder eine Entwicklung", fasste Künstler Jo Enzweiler den Schaffensprozess seiner Werke zusammen. Seit 1956 hat sich der Saarbrücker der Malerei verschrieben. In seiner aktuellen Ausstellung "Bilderpaare - Bilderfolgen" im Museum St. Wendel im Mia-Münster-Haus präsentiert er 68 Karton-Collagen, die mit ihren klaren Linien, geometrischen Formen und Strukturen die rund 65 Besucher der Ausstellungseröffnung in ihren Bann zogen.

Individuelle Technik

Die Arbeiten entstanden aus mehrschichtigem Karton auf unterschiedlich großen Platten. Oberfläche und Farbe der einzelnen Schichten sind oft unterschiedlich. Je nach Intention werden dann eine oder mehrere Streifen in der immer gleichen Bewegung und Richtung abgerissen. "So entsteht eine Vielzahl ähnlicher Reißspuren, die zu einer Collage geordnet zu einem Gesamtklang zusammenwachsen", beschrieb Autor Michael Jähne die Arbeiten Enz-weilers. Manche Bilder wirken beim Betrachter meditativ und erwecken den Eindruck abstrakter Landschaftsszenen oder Gebäude. "Durch seine Arbeitsweise werden unzählige Variationen erzeugt, die Jo Enzweiler auch oft in Bildern zusammenpackt. So entsteht eine Reihung innerhalb eines Bildes, oder auch eine Paarung von mehreren Bildern. Die einzelnen Fragmente formen eine wiederkehrende Melodie, die sich aber nie genau wiederholt", schwärmte die Leiterin des Museums St. Wendel , Cornelieke Lagerwaard und erklärte damit auch die Idee der Namensgebung "Bilderpaare - Bilderfolgen".

Beeindruckt zeigten sich die Besucher auch von Enzweilers Lebenslauf. 1934 in Merzig-Büdingen geboren, widmete er sich nach der Schule von 1954 bis 1956 erst einmal dem Studium der Rechtswissenschaft. Doch das erfüllte ihn nicht. "1956 habe ich daher ein Studium der Malerei , Kunsterziehung und Französisch an der Akademie der Bildenden Künste München begonnen", so der Maler. Es folgten zahlreiche weitere Tätigkeiten, darunter auch 1979 die Professur an der Fachhochschule des Saarlandes Fachbereich Design oder von 1989 bis 1999 Professur für Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. 1999 erhielt Enzweiler den Saarländischen Verdienstorden, 2008/2009 den Albert-Weisgerber-Preis der Stadt St. Ingbert. "Die Arbeiten Enzweilers sind einfach faszinierend", lobte Lagerwaard abschließend.

Zum Thema:

Die Leiterin des Museums St. Wendel, Cornelieke Lagerwaard, Jo Enzweiler und Maria Bruch vom Vorstand der Stiftung Dr. Walter Bruch (von links).

AUF EINEN BLICK Die Ausstellung "Bilderpaare - Bilderfolgen" ist noch bis Sonntag, 21. August, zu sehen. Öffnungszeiten sind dienstags, mittwochs und freitags, jeweils von 10 bis 16.30 Uhr, donnerstags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 14 bis 16.30 Uhr sowie sonn- und feiertags, jeweils von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der vom Museum St. Wendel / Stiftung Dr. Walter Bruch herausgegeben wurde und in Zusammenarbeit mit dem Laboratorium Institut für aktuelle Kunst im Saarland an der Hochschule der Bildenden Künste Saar Saarlouis entstand und durch das Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes und der Union Stiftung Saarbrücken gefördert wurde. evr