Das Sparen liegt weiter im Trend

Regionalbanken leben vom Zinsgeschäft. Auch die Kreissparkasse St. Wendel. Die Zinsen aber sind historisch niedrig. Trotzdem ist die Sparkasse mit dem Geschäftsjahr 2015 zufrieden. In den kommenden Jahren rechnet die Bank mit Ergebnisrückgängen. Ab September führt das Institut zwei neue Giromodelle ein, erhöht nach zwölf Jahren erstmals die Gebühren.

"Unter dem Vorzeichen des niedrigen Zinsniveaus sind wir mit dem Jahr 2015 zufrieden", sagt der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse St. Wendel , Klaus-Dieter Schmitt, im Bilanzpressegespräch. Getragen worden sei das Geschäft im vergangenen Jahre von der guten Kreditnachfrage. "Diese liegt deutlich über dem Schnitt", so Schmitt. So ist das Kundenkreditvolumen um rund 60 Millionen Euro auf 840 Millionen Euro gestiegen, ein Plus von 7,5 Prozent. Privatleute investieren in Wohnungen und Häuser, kaufen und modernisieren. Ein Schwerpunkt im gewerblichen Bereich seien Investitionen in erneuerbare Energien.

Aber auch die "Sparer legen nach wie vor Geld auf die Seite", so Schmitt. Trotz der niedrigen Zinsen. Die Kasse verzeichnete 2015 mehr als 17 Millionen Euro neue Spareinlagen. Diese erhöhten sich auf nunmehr 882 Millionen Euro , plus zwei Prozent. Insgesamt betrug die Bilanzsumme der Sparkasse 1,126 Milliarden Euro (plus 3,6 Prozent).

Die anhaltende Niedrigzinsphase und die steigenden Kosten für so genannte Regulierungsaufwendungen verlangten der Sparkasse viel ab. Da das Betriebsergebnis bei Regionalbanken vor allem vom Zinsgeschäft abhänge, sei deren Quasi-Abschaffung für die Sparkasse ebenso nachteilig wie für die Kunden. Trotzdem sei der Jahresüberschuss von 2,2 Millionen Euro zufriedenstellend. Dieses Geld fließt in die Erhöhung des Eigenkapitals.

Ihr gesellschaftliches Engagement ließ sich die Sparkasse eine halbe Million Euro kosten. Davon profitierten Vereine, Institutionen und gemeinnützige Projekte im St. Wendeler Land. 800 000 Euro zahlte die Kasse an Gewerbesteuer in den Kommunen der Region.

Der Blick in die Zukunft fällt nicht so positiv aus. In den kommenden Jahren rechnet die Sparkasse wegen des anhaltenden niedrigen Zinsniveaus und der Regulierungsflut mit Ertragsrückgängen. Unter der Regulatorik verstehen die Experten zunehmende Verwaltungsaufgaben, die von den Aufsichtsbehörden bis auf EU-Ebene vorgegeben werden. "Dabei müssen wir die gleichen Aufwendungen betreiben wie die Großbanken", erklärt der Vorstandsvorsitzende. Schmitt: "Diese Anforderungen werden noch steigen."

Die Sparkasse hat im vergangenen Jahr kleinere Geschäftsstellen geschlossen, was im Kreis zu heftigen Diskussionen geführt hatte. "Wenn wir dies nicht getan hätten, hätten wir deutlich höhere Kosten", so Schmitt.

Gut angenommen werden die gemeinsam betriebenen Geldautomaten von Volksbank und Sparkasse, die seit einigen Wochen freigeschaltet sind. Trotz des Spardrucks werde es weiterhin keine betriebsbedingten Kündigungen geben, versichert der Vorstandsvorsitzende. Zurzeit habe die Kasse mit den Auszubildenden 302 Mitarbeiter. Man werde nach wie vor ausbilden und die Azubis auch übernehmen, kündigte Schmitt an.

Zum ersten Mal seit zwölf Jahren erhöht die Sparkasse zum 1. September ihre Gebühren. Darüber sind die Kunden in den vergangenen Tagen informiert worden. Statt bisher vier Giro-Konto-Modellen wird es künftig nur noch zwei geben (siehe eigenen Text).

Zwischen zwei Giro-Konto-Modellen können die Sparkassen-Kunden ab September wählen. Beim Modell "Giro individual" erhöht sich der monatliche Grundpreis von 2,50 Euro auf drei Euro . Überweisungen, Buchungen, egal ob übers Internet, am Telefon oder am Terminal, kosten je 30 Cent. Zuvor gab es unterschiedliche Gebühren.

Das Modell "Giro Komfort" kostet sieben statt bisher sechs Euro im Monat. Weitere Dienstleistungen sind hier kostenfrei.

Die größte Veränderung gibt es für reine Online-Kunden, denn das Online-Giro-Konto fällt weg. Dafür waren bisher zwei Euro Grundpreis im Monat fällig. Allerdings mussten diese Kunden einige Leistungen extra zahlen. Den "Onlinern" empfiehlt die Bank den Umstieg auf das Modell Giro-Komfort. Damit der Sprung auf sieben Euro Grundpreis nicht zu hoch ausfällt, müssen diese zwei Jahre lang nur 3,50 Euro zahlen. Für junge Erwachsene bis zum 25. Geburtstag bleibt das Giro-Konto gebührenfrei, bis 29 Jahre zahlen diese bei Giro-Komfort 3,50 Euro im Monat.

Die Sparkasse habe ihr Leistungsangebot rund ums Online-Girokonto in den vergangenen Jahren permanent weiterentwickelt, sagt Vorstandsmitglied Marc Klein im Bilanz-Pressegespräch, sei es das Klicksparen, der Kontowecker oder die Wunsch-Pin. Klein: "Seit zwölf Jahren hat die Sparkasse ihre Kontenmodelle nicht verändert. Zugleich haben die Leistungen deutlich zugenommen." Jede Leistung habe ihren Wert und ihren Preis. Aus diesem Grund sei mit der Einführung der Modelle auch die "moderate" Preisanpassung verbunden.

"Mit dieser Anpassung liegen wir immer noch im unteren Drittel der Kreditinstitute im Land und sind günstiger als die meisten Mitbewerber vor Ort", erklärt Vorstandsvorsitzender Klaus-Dieter Schmitt. Die Gebührenmodelle seien transparent, es gebe keine versteckten Kosten.