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„Umfragen hauen uns nicht aus der Kurve“

„Umfragen hauen uns nicht aus der Kurve“

Mit 600 Gästen hat die Saar-SPD am Samstag ihr 110-jähriges Bestehen gefeiert. Ehrengast war die Generalsekretärin der Bundespartei, Andrea Nahles. Vor der Wahl rief sie die Genossen zu Zuversicht und Kampfeswillen auf.

Mit einem Festakt und einer Ehrung ihrer langjährigen Mitglieder hat die saarländische SPD am Samstag ihr 110-jähriges Bestehen gefeiert. Gemeinsame Erfahrungen und Werte hätten die Partei im Laufe ihrer Geschichte gestärkt und "im Handeln gefestigt", sagte SPD-Landeschef Heiko Maas vor knapp 600 Gästen hat in der Saarbrücker Congresshalle. "Wir haben sie immer im Rucksack dabei und sie helfen uns bei den Herausforderungen von heute und morgen", sagte er. Zu den aktuellen Herausforderungen gehörten das Eintreten für ein gerechteres Steuersystem, ein gesetzlicher Mindestlohn und Bildungs- und Aufstiegschancen, unabhängig von der sozialen Herkunft, sagte Maas - und verband damit Feierlichkeiten und Bundestagswahlkampf.

Auch die Generalsekretärin der Bundes-SPD, Andrea Nahles, verknüpfte drei Wochen vor der Bundestagswahl in ihrer Rede Lobesworte mit Wahlkampfrhetorik. Die SPD habe sich in ihrer Vergangenheit Unterdrückung, Restriktionen und Verboten entgegenstellen müssen, sagte Nahles. Dennoch habe sie seit ihrem Bestehen an wichtigen gesellschaftlichen Veränderungen und nach dem Zweiten Weltkrieg am Aufbau eines demokratischen Staates mitgewirkt. "Das sind Erfahrungen", betonte Nahles. "Und deswegen hauen uns auch Umfragen nicht so schnell aus der Kurve", ergänzte sie in Anspielung auf aktuelle Ergebnisse der Meinungsforschung, laut der die SPD bei der Bundestagswahl am 22. September nur auf etwa 26 Prozent der Wählerstimmen kommen würde.

"Wir erleben doch, dass es möglich ist: durch Kampf zum Spiel zum Sieg!", rief sie ihre Genossen zu Zuversicht und Kampfeswillen auf.

Die Bundes-SPD feiert in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag. Im Saarland fand sich erst 1872 mit dem Ortsverein St. Johann der erste SPD-Ortsverein der Region zusammen. 31 Jahre danach, am 16. August 1903, begann mit der Gründung des "Agitationskomitees für das preußische Saarrevier, die bayerische Saarpfalz und den Wahlkreis Saargemünd mit Sitz in Saarbrücken" der landesweite Aufbau einer Parteiorganisation an der Saar. Im Dritten Reich wurde die Partei verboten. Nach dem Untergang des Hitler-Regimes gründete sie sich 1945 auch im Saarland wieder neu.

Aktuell zählt die saarländische SPD noch vier Mitglieder aus dem Jahr ihrer Wiedergründung, darunter der 86-jährige Karl Batsch aus Saarbrücken. Mit anderen langjährigen Parteimitgliedern wurde er bei dem Festakt für seine lange Mitgliedschaft geehrt. Schon sein Vater sei Sozialdemokrat gewesen, erzählte Batsch der SZ. Nach dem Krieg, als 18-Jähriger, sei auch er im Dezember 1945 der SPD beigetreten. Sein altes Parteibuch besitze er noch.

Als "dienstälteste" Sozialdemokratin ehrte die Saar-SPD die 83-jährige Ingeborg Diehl, die seit 67 Jahren ein Parteibuch besitzt. Ihre Mutter und ihr Vater seien schon in der Weimarer Republik Sozialdemokraten gewesen, erzählte Diehl. Da habe sie "ein Gefühl für die Idee" bekommen.