Ein Fotograf und seine Schätze

Als der Vater von Helmut Kiefer auf den Auslöser drückte, hieß das Staatstheater noch „Gautheater Saarpfalz“. Doch Kiefer hatte nicht nur die Bilder seines Vaters geerbt, sondern auch sein Geschäft übernommen, in dem ein berühmter Unternehmer in den 1950er-Jahren mal Praktikant war.

Das kleine Schwarzweißfoto zeigt einen Mann, der auf dem Dach des noch im Bau befindlichen Saarbrücker Theaters steht und in die Ferne schaut. Der Blick geht über die Dächer von Saarbrücken. Das Foto, auf dem Emil Kiefer zu sehen ist, gehört dessen Sohn Helmut Kiefer. Er besitzt viele solcher Schätze, denn sein Vater hat im Jahr 1939 das Fotogeschäft Kiefer in der Viktoriastraße gegründet.

Unzählige Fotografien, Werbeanzeigen durch die Jahrzehnte, Unterlagen des Geschäfts, aber auch Fotoalben und alte Fotokameras hat Helmut Kiefer als Erinnerungsstücke behalten. Darunter befindet sich auch die Broschüre des heutigen Staatstheaters, damals "Gautheater Saarpfalz", aus der Spielzeit 1938/1939. Die Abbildungen in der Broschüre stammen von den Aufführungen "Zar und Zimmermann", "Aida" oder "Die Weltkonferenz". Aufgenommen wurden sie von Emil Kiefer, der in dem Jahr den Auftrag hatte, die Theaterstücke abzulichten.

"Leider weiß ich gar nicht, wie lange mein Vater diesen Auftrag hatte, aber ich glaube, nicht lange. Denn dann war ja bald Krieg", erzählt Helmut Kiefer aus dem Leben seines Vaters. Im Jahr 1939 hat sein Vater Emil das Fotogeschäft Birk übernommen, um sein eigenes Fotostudio zu gründen. Viele Jahre und Jahrzehnte bestand das Fotostudio Kiefer in der Viktoriastraße, war eine Institution in Saarbrücken und darüber hinaus. Man hatte Filialen in Bübingen, Saarlouis, in Dudweiler und im Saar-Basar. "Mein Vater hatte tolle Ideen. So stammte von ihm der Einfall, einen Selbstbedienungsschalter einzurichten. Die Kunden fuhren mit ihren Autos direkt an das Fenster des Büros und übergaben den Angestellten die Filme zum Entwickeln", erinnert sich Helmut Kiefer.

Eine andere Anekdote ist, dass in den 1960er-Jahren ein junger Mann im Fotostudio Kiefer ein Praktikum absolvierte. Dieser Praktikant, Götz Werner, gründete später die DM-Märkte. Helmut Kiefer stieg Anfang der 50er Jahre ebenfalls in das Geschäft seines Vaters ein, erlernte auch den Beruf des Fotokaufmanns. "Das war damals der Beruf, der die technische Seite der Fotografie abgedeckt hat", erläutert er.

Neben der kaufmännischen Ausbildung lernte man auch, Fotografien im Labor zu entwickeln und mit der Technik der Kameras umzugehen. Über das Fotostudio des Vaters lernte Helmut Kiefer auch seine Ehefrau Ingrid kennen, zuerst als Angestellte der Konkurrenz, dann als Kollegin. Mitte der 70er Jahre setzte sich Emil Kiefer zur Ruhe, Sohn Helmut führte mit seiner Frau das Geschäft weiter, bis die letzte Filiale in Dudweiler vor 15 Jahren verkauft wurde. Während der Vater Emil gerne fotografierte, versteht Helmut Kiefer viel von alten Fotokameras.

Fast 150 Apparate hat er im Laufe der Jahre gesammelt, der älteste ist über 100 Jahre alt. "Die meisten Kameras funktionieren aber nicht mehr. Ihre Reparatur wäre zu teuer geworden, und so haben die Kunden sie mir überlassen", erzählt Helmut Kiefer über die vielen beeindruckenden Erinnerungsstücke aus der Zeit des Fotostudios Kiefer.