Im Alltag fehlt es ihm an nichts

Im Alltag fehlt es ihm an nichts

Ein Leben ohne den Klebereiweiß Gluten – das kennt Stefan Hobinder quasi von Geburt an. Ab dem Teenageralter konnte sich der heute 30-Jährige wieder normal ernähren. Bis ihn die Krankheit Zöliakie vor zwei Jahren wieder einholte.

Kein leckerer Burger aus dem Fast-Food-Restaurant und kein Stück Torte beim Kindergeburtstag - damit ist Stefan Hobinder aus Gronig aufgewachsen. Der heute 30-Jährige erkrankte kurz nach seiner Geburt an Zöliakie, einer chronischen Entzündung des Dünndarms. Deshalb durfte er keine Lebensmittel zu sich nehmen, die Gluten enthalten. Das Klebereiweiß ist Bestandteil der Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen und Hafer. "Die glutenfreien Produkte haben damals nicht gut geschmeckt", erinnert sich Stefan Hobinder zurück. Mit zirka zwölf Jahren beginnt er, wieder normal zu essen. Und das mit Erfolg. Er hatte keinerlei Beschwerden.

Bis vor zwei Jahren. "Ich hatte plötzlich Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Beschwerden in der Herzgegend", sagt Hobinder. Der aktive Fußballer und Trainer der SG Gronig-Oberthal fühlte sich schlapp, hatte kaum noch Energie beim Kicken. "Ich kam dann für eineinhalb Wochen ins Krankenhaus", erzählt der 30-Jährige. Dort stellten die Ärzte fest, dass er quasi kein Eisen mehr im Blut hatte. Aber was war die Ursache dafür? Eine innere Blutung war die erste Vermutung. "Dann stand plötzlich die Ärztin, die Leukämie-Patienten betreut, an meinem Bett." Ein Moment, den Stefan Hobinder nicht vergessen wird. "Die letztendliche Diagnose Zöliakie war eine Erleicherung", so der 30-Jährige. Die Krankheit aus Kindertagen hatte der Fußballer komplett verdrängt. Ein Antikörper-Bluttest gab schließlich den Hinweis auf die Dünndarmentzündung.

Sein Leben wieder komplett glutenfrei zu gestalten, war eine große Umstellung. Jeden Morgen packt sich Hobinder eine Kühltasche mit Essen. Da der 30-Jährige beruflich viel unterwegs ist, muss er sich mit ausreichend Proviant versorgen. "Denn unterwegs mal schnell an der Bäckerei halten und sich ein Brötchen kaufen, geht nicht mehr", sagt Hobinder. Auch Weizenbier ist für den 30-Jährigen jetzt nicht mehr erlaubt. "Zum Glück war ich nie der große Biertrinker", sagt der Fußballer und lächelt. Wenn er heute Lust auf ein Feierabendbierchen hat, greift er zu einer glutenfreien Variante. "Die schmeckt ganz gut", sagt Hobinder und gesteht nach einer kurzen Pause. "Aber so ab und zu ein Weizenbier wäre schön."

Doch der 30-Jährige ist konsequent in seiner glutenfreien Ernährung. Nicht, weil er Symptome wie Bauchschmerzen fürchtet, sondern, weil er kein zusätzliches Risiko in Sachen Krebs eingehen möchte. Denn Zöliakie-Patienten haben ein 20 Prozent höheres Risiko an Darmkrebs zu erkranken.

Stefan Hobinder ist zufrieden mit der Auswahl an glutenfreien Produkten. Nur der höhere Preis störe ihn. Er hat ein Brot für sich gefunden, das dem "normalen" geschmacklich sehr nahe kommt. Im Alltag fehle es ihm an nichts. "Ich weiß auch schon gar nicht mehr, wie normale Nudeln schmecken", sagt er lächelnd. Er hat sich arrangiert mit seiner Krankheit. Und kann der neuen Lebensweise auch Positives abgewinnen. "Ich ernähre mich jetzt gesünder. Greife nicht mehr ständig zur Tiefkühlpizza", so der 30-Jährige. Außerdem mache es ihm Spaß, selbst zu kochen und immer wieder neue Gerichte auszuprobieren.

Auch das Essen im Restaurant funktioniere ganz gut. "Ich rede meist mit dem Koch und erkläre ihm, dass ich glutenfrei leben muss." Das funktioniere meist. Aber nicht immer. So erinnert er sich an eine Dienstreise. Beim Frühstück im Hotel machte er auf seine Zöliakie aufmerksam. Daraufhin habe man ihm ein Bio-Weizen-Brötchen gebracht. Solche Situationen nimmt der 30-Jährige mit Humor. Was den Urlaub betrifft, so steige er häufig in Riu-Hotels ab. Die seien auf glutenfreie Mahlzeiten vorbereitet.

Bei Stadtfesten bleibt Stefan Hobinder oft nur der Verzicht aufs Essen. Dafür aber sorgen sein Verein, seine Verwandte und Freunde dafür, dass bei gemeinsamen Festen und Feiern immer etwas für ihn dabei ist. "Es wird oft nachgefragt, was genau ich jetzt essen darf."

Glutenfreie Ernährung sei zwar immer öfter im Gespräch, aber es gebe bei vielen Menschen immer noch Unsicherheiten.