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Das Christkind überwindet auch geschlossene Türen

Das Christkind überwindet auch geschlossene Türen

Neunkirchen. Weihnachten stand wieder mal vor der Tür und unsere drei Kinder waren voller Vorfreude und gespannter Erwartung auf die Bescherung am Heiligen Abend. Aber zum ersten Mal stellte sich die Sache mit dem Christkind als Problem dar. Während Rebecca mit neun Jahren noch immer fest daran glaubte, hatte der zwei Jahre jüngere Roland bereits Zweifel daran

Neunkirchen. Weihnachten stand wieder mal vor der Tür und unsere drei Kinder waren voller Vorfreude und gespannter Erwartung auf die Bescherung am Heiligen Abend. Aber zum ersten Mal stellte sich die Sache mit dem Christkind als Problem dar. Während Rebecca mit neun Jahren noch immer fest daran glaubte, hatte der zwei Jahre jüngere Roland bereits Zweifel daran. "Das Christkind gibt es doch gar nicht, Papa", sagte er zu mir, ausgerechnet im Beisein von Melanie und Rebecca, "und die Geschenke legst du ganz bestimmt unter den Christbaum, wenn wir mit Mama in die Kirche gehen, nicht wahr?" Eine schwierige Situation für uns Eltern. Ihn zu belügen war vielleicht nicht richtig, aber wenn ich ihm die Wahrheit gesagt hätte, wäre der Zauber der Heiligen Nacht auch für Rebecca und vor allen Dingen für die nur knapp drei Jahre alte Melanie mit einem Schlag zu Ende gewesen. Das schien mir noch entschieden zu früh zu sein. Und so entschloss ich mich, beim Beweis für die Existenz des Christkindes etwas nachzuhelfen. "Ich mache dir einen Vorschlag, Roland. Bevor ihr mit Mama am Heiligen Abend in die Kirche geht, sperren wir einfach das Wohnzimmer ab und du nimmst den Schlüssel mit in die Kirche. Dann kann ja wohl keiner außer dem Christkind ins Wohnzimmer kommen, und das Christkind braucht dafür ganz bestimmt keinen Schlüssel", sagte ich. Am Heiligen Abend, vor dem Gang zur Kirche, waren die Kinder noch ein bisschen aufgeregter als sonst. Ob das Christkind die Hürde mit der verschlossenen Tür überwinden würde? Wie vereinbart sperrte ich die Wohnzimmertür ab und steckte den Schlüssel in die Hosentasche. "Ach ja", sagte ich dann. "Roland sollte den Schlüssel ja in die Kirche mitnehmen." Ich nahm den Schlüssel wieder heraus und gab ihn Roland. Natürlich hatte ich ihn in der Hosentasche vorher mit einem anderen Schlüssel vertauscht. Nachdem Rosi mit den Kindern weg war, sperrte ich die Tür auf und legte die Geschenke für die Kinder unter den Christbaum. Dann nahm ich an der Stereoanlage das obligatorische Glöckchen auf Kassette auf, mit dem wir immer die Bescherung einläuteten. Nachdem die elektrische Beleuchtung am Christbaum eingeschaltet war, schaltete ich die Sicherung aus und schloss das dunkle Zimmer wieder ab. Als die drei mit ihrer Mama aus der Kirche zurückkamen, waren sie schon ganz aufgeregt. "Hast du etwas gesehen oder gehört, Papa?", fragten sie mich. "Nein, keinen Mucks, Kinder, aber ihr könnt ja mal nachschauen. Gib mir bitte den Schlüssel, Roland, dann sperre ich euch die Tür auf", sagte ich. Als er mir seinen Schlüssel gab, vertauschte ich ihn wieder unbemerkt mit dem richtigen Wohnzimmerschlüssel und sperrte die Tür auf. In dem Augenblick, als die drei ins Wohnzimmer stürmten, schaltete ich die Sicherung wieder ein und wie von Geisterhand betätigt, ertönte auf einmal das Glöckchen, die Christbaumbeleuchtung erstrahlte. Die Kinder waren wie vom Donner gerührt und stürzten sich jubelnd auf die Geschenke. Spät abends, als wir die Kinder ins Bett brachten, schaute mich Roland sehr nachdenklich an. "Du, Papa", sagte er zu mir, "ich wollte dir noch etwas sagen. Ich ... äh, ich glaube jetzt doch, dass es das Christkind gibt, Papa, aber ..." - "Was aber, Roland?", fragte ich ihn. "... aber den Osterhasen, Papa, den gibt es ganz bestimmt nicht." Erzählen Sie uns doch, liebe Leserinnen und Leser, auch Ihre schönste Weihnachtsgeschichte. Rufen Sie uns an, mailen Sie uns oder kommen Sie einfach vorbei (Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr). Die schönsten Geschichten werden wir - gerne auch mit Foto - veröffentlichen. Unsere Adresse: Saarbrücker Zeitung, Redaktion, Bahnhofstraße 50, 66538 Neunkirchen; Tel. (06821) 904 64 50; E-Mail: rednk@sz-sb.de.