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Shanty-Chor aus dem Saarland: Die „Bisttalmöwen“ fliegen in Burbach ein

Shanty-Chor von der Saar : Die „Bisttalmöwen“ fliegen in Burbach ein

Der saarländische Shanty-Chor freut sich auf sein Heimspiel: Am 11. Mai richtet er ein Festival in der Landeshauptstadt aus.

Die „Bisttalmöwen“ sind grau geworden, manche sogar schlohweiß. „Das Durchschnittsalter unserer 32 Sänger liegt bei knapp unter 70 Jahren“, sagt Peter Mögling, 79, Sprecher des bekannten saarländischen Shanty-Chors, und lacht. Denn die grau-schlohweißen Haare zieren auch sein Haupt und – was fast noch wichtiger ist für einen Sänger von Seemannsliedern – auch der Vollbart ist ergraut. Dabei sind diese deutlichen Anzeichen von Alter und Würde zwar gut für das Image eines klassischen Shanty-Chors, wie es die „Bisttalmöwen“ im Saarland, mindestens 400 Kilometer vom nächsten Meeresufer entfernt, sind. Aber beim Können und Repertoire heben sich die Saarländer nach Möglings Überzeugung deutlich von anderen Shanty-Chören ab. „Wir singen flotter als andere. Und haben mit irischen Traditionals wie ‚Whiskey in the jar’, mit Liedern, die wir auf Plattdeutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch singen, ein sehr weitgefächertes Angebot“, betont der 79-jährige Mögling, der einst Personalchef beim Entsorgungsverband Saar war und heutzutage vor allem Touristen, die Saarbrücken besuchen, als Stadtführer bekannt ist. So zähle auch der „Bananaboat-Song“ von Harry Belafonte zum Programm der „Bisttalmöwen“.

Zudem seien die „Bisttalmöwen“, die einst in Differten gegründet worden waren und wöchentlich einmal im „Gasthaus Beck“ in Wadgassen-Hostenbach proben, „international“ besetzt, wie Mögling augenzwinkernd erklärt. „Wir haben drei Lothringer, einen Bremer und einen Ostfriesen in unseren Reihen“, sagt Mögling und schiebt seine Schiffermütze, an der ein FC-St. Pauli-Sticker prangt, ein wenig aus der Stirn. Mit dem Ostfriesen ist er selbst gemeint, stammt er doch aus Leer, wo Mögling gemeinsam mit dem Fernsehmoderator und Komiker Karl Dall die Realschule besuchte.

Was dem Shanty-Chor noch fehlt sei jedoch ein weiterer Akkordeonspieler, denn für die Musik zum Gesang sorgen derzeit zwei Gitarrenspieler und ein Akkordeonist. „Da hat sich mal ein Russe mit Akkordeon angeboten, doch der wollte 500 Euro pro Konzert. Doch das gibt es bei uns nicht“, betont Mögling. Auch beim Sängernachwuchs gebe es „Hemmschwellen“. „Wir singen unsere 70 Lieder alle auswendig“, sagt Mögling. Das sei für Neuankömmlinge eine Hürde, obwohl es viele Interessenten gebe.

Der nächste große Auftritt der „Bisttalmöwen“ als musikalische Saarland-Botschafter steht an Ostersamstag im Großen Sendesaal des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) an, wo die Saarländer zum dritten Mal beim Berliner Shanty-Festival vertreten sind, zusammen mit Chören aus Halle, Berlin und Oldenburg. Doch besonders freuen sich die „Bisttalmöwen“ auf ihr „Heimspiel“ am 11. Mai um 18 Uhr (Einlass: 17.30 Uhr) im Bürgerhaus in Saarbrücken-Burbach. „Das ist das zehnte Shanty-Festival in Saarbrücken, das wir ausrichten. Und wir konnten unseren Ministerpräsidenten Tobias Hans als Schirmherrn gewinnen“, sagt Mögling. In Burbach treten neben den Lokal-Matadoren der Shanty-Chor Berlin und der Shanty-Chor „De Windjammers“ aus dem niedersächsischen Neu-Wulmsdorf, direkt an der Grenze zu Hamburg, auf. Moderiert wird das Festival von der ehemaligen SR-„Anchorwoman“ Marie-Elisabeth Denzer, heute Sprecherin des Energieversorgers VSE. Beim Festival werde mit Sammelbüchsen für die SZ-Aktion „Hilf mit“ um Spenden gebeten. Im vergangenen Jahr kamen so 900 Euro für Bedürftige zusammen, sagt Mögling.

„Zum zehnten Mal sind wir auch Gast in der Staatskanzlei am Festivaltag. Das ist eine besondere Ehre und Auszeichnung für uns“, betont Mögling. Dem Chef der Staatskanzlei, Jürgen Lennartz (CDU), werden die „Bisttalmöwen“ in der Regierungszentrale ein Ständchen bringen. Auch die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD), seit 2015 „Ehrenbisttalmöwe“, helfe dem Chor immer bei Veranstaltungen. So seien die „Bisttalmöwen“ dieses Jahr im Sommer zum 21. Mal beim Saar-Spektakel dabei. „Wir sind ein Geburtshelfer des Saar-Spektakels“, sagt Mögling und schmunzelt dabei in seinen Bart.

Am Samstag, 3. August, um 10.30 Uhr werde der Chor mit zwei Gastchören in der katholischen Basilika St. Johann auftreten. Der Chef der Musikfestspiele Saar, Bernhard Leonardy, werde die Seemannslieder auf der Orgel begleiten. „Das ist immer ein Vergnügen für Leonardy“, erklärt Mögling, der seit 22 Jahren Sprecher des Chors ist.

Doch nicht nur Festivals und Spektakel stehen auf dem Chor-Kalender. „Wir singen auch öfters bei Beerdigungen, wenn der Verstorbene maritime Bezüge hatte“, sagt Mögling. Wenn das „Rolling home“ erklinge, sei die Abschiedsstimmung stets voller Herzenswärme.