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Tage Alter Musik im Saarland: Mal leise Töne, mal von ganz oben eine „göttliche Stimme“

Tage Alter Musik im Saarland : Mal leise Töne, mal von ganz oben eine „göttliche Stimme“

Die „Tage der Alten Musik im Saarland“ haben einen gelungenen Start erlebt – mit dem Eröffnungskonzert und einem dramatischen Abend in der Ludwigskirche.

Die „Tage Alter Musik im Saarland“ (TAMIS) der Fritz Neumeyer-Akademie für Alte Musik wurden am Freitag in der Musikhochschule eröffnet. Mit dem Abschlusskonzert eines Meisterkurses mit Peter van Heyghen, zu dem drei junge Ensembles eingeladen waren. Musik aus und um die Renaissance war das Thema. Das Konzert war zugleich ein Wettbewerb, drei Preise wurden vergeben. Die Jury erkannte den dritten Platz dem „Ensemble Fabriduen“ zu, einem Trio aus Sopran, Traversflöte und Laute. Die Sängerin gestaltete die Texte um Liebe, Tod und Leidenschaft impulsiv und ausdrucksvoll, so dass die Begleitung mitunter in den Hintergrund trat. Das Publikum jedoch war angetan und verlieh diesem Ensemble den Publikumspreis.

Auf den zweiten Platz kam das fünfköpfige „Vernon Consort“, das mit Blockflöten, Geige und Gamben ein abwechslungsreiches Programm, auch besetzungsmäßig, präsentierte. Die reizvolle Kombination von Bläsern und Streichern sorgte für Farbigkeit, eine kleine theatralische Einlage mit Trommelrhythmen gab das Gefühl, geerdet zu werden.

Erster Preisträger wurde das „ensemble feuervogel“, ein reines Blockflöten-Consort mit vier Spielern, das die ganze Flöten-Familie vom Sopranino bis zum Großbass beherrscht. Das enge dynamische Spektrum der Blockflöte wurde zwar durch Wechsel in der Instrumentierung etwas aufgelockert, aber die vielen kleinen Piècen aus gut 200 Jahren ähnelten sich doch in ihrer getragenen, wenig leidenschaftlichen Diktion bei Liedvorlagen, die den „süßen Tod“, „tiefe Verzweiflung“ oder auch „vergnügungssüchtige Frauen“ beschrieben.

Es war ein Abend der leisen Töne, mit jungen Musikern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Frühformen unserer abendländischen Musik lebendig zu halten und dem kleinen Kreis der historisch Interessierten zugänglich zu machen.

Von Sünde, Schuld, schnödem Mammon und der Hoffnung auf Gott wurde bei Tamis dann am Sonntag in der Ludwigskirche gesungen. Kantor Ulrich Seibert hatte mit seinem Figuralchor ein Programm erarbeitet, das er, mit Unterstützung des Neumeyer-Consorts, temperamentvoll in Szene setzte. Sehr wahrscheinlich hat der Pietist Dietrich Buxtehude für seine kirchlichen Abendmusiken „Das jüngste Gericht“ geschrieben. Da abendfüllend, wurde nur der 2. Akt vorgetragen, in dem eine „göttliche Stimme“, eine „böse“ und eine „gute Seele“ sowie, reflektierend, der Chor zu Wort kommen. Ausgedehnte Aufgaben gab es für das Solisten-Quartett: Cornelia Winter mit beweglichem Sopran, Franz Vitzthum mit schlankem Altus, die beide in tiefer Lage von der fülligen Continuo-Gruppe oft abgedeckt wurden. Tenor Martin Erhard und Bass Antonio di Martino dagegen verschafften sich kraftvoll Gehör. Der Chor hatte nur wenige, sauber gesungene Kommentare abzugeben, bis am Ende Hoffnung auf Erlösung wartete.

Johann Sebastian Bach hatte sich vom Katholiken Giovanni Battista Pergolesi dessen „Stabat mater“ ausgeliehen und mit einem deutschen Text versehen: „Tilge, Höchster, meine Sünden“, 14 Verse im Wechsel und im Duett von Sopran und Altus mit sanfter Streicher-Begleitung und satter Generalbassgrundierung zum Klingen gebracht. Bach gab es zum Abschluss auch im Original: Die frühe Kantate „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“. Nicht nur die kontrapunktische Kunst des Thomaskantors mit Cantus-firmus-Einschüben in die Arien, anspruchsvolle Chorsätze und lebendige Instrumental-Behandlung war zu bewundern, auch deren Umsetzung durch den klangvollen Chor und die professionellen Instrumentalisten.

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