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Sendehalle Europe 1
„Ernüchterung liegt bei mir nicht vor – ganz im Gegenteil“

Bernd Gillo, Bürgermeister von Überherrn
Bernd Gillo, Bürgermeister von Überherrn FOTO: rup
Überherrns Bürgermeister Bernd Gillo muss sich langsam an die Zukunft der Sendehalle in Berus als europäisches Projekt herantasten.

Herr Gillo, was genau ist unter der „Entwicklungsvariante“ für die Sendehalle zu versehen, der der Gemeinderat grünes Licht gegeben hat?


Bernd Gillo Die Entwicklungsvariante basiert auf einer mietbasierten Finanzierung durch Nutzereinnahmen und einer dauerhaften öffentlichen Förderung. Voraussetzung ist ein zukunftsfähiges Geschäftskonzept, das über die lokale und regionale Wirtschaftsförderung angeschoben wird und ein Bekenntnis des Saarlandes und der Großregion zu einer dauerhaften Förderung zur Unterstützung der europäischen Nutzungsidee. Die Vermietung und Verpachtung der Gebäude an Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie an ein Gastronomieunternehmen ermöglichen Einnahmen zur Finanzierung der laufenden Aufwendungen. Die investiven Ausgaben für die Sanierung des Gebäudes und die Maßnahmen für Brandschutz, die Ertüchtigung der Heizungsanlage und der Ausbau von Sanitäranlagen sowie Küche sind mit Einnahmen durch Fördermittel verbunden.

Sie gründen ihr Engagement auf die Einzigartigkeit des Gebäudes. Worin liegt die?



Gillo Verglichen mit Gebäuden in Karlsruhe (Schwarzwaldhalle) und in Berlin („Schwangere Auster“) unterscheidet sich der Europasender 1 von diesen Gebäuden durch seine Besonderheit der Einmaligkeit und besitzt Alleistellungsmerkmale:  Erstens, der Sender zählt zu den herausragenden technischen Gebäuden und Denkmälern, nicht nur im Saarland, sondern bundes-, sogar weltweit, denn es ist das einzige Gebäude dieser Art. Zweitens, es ist eine architektonische Meisterleistung vollbracht worden, die zu diesem Zeitpunkt sehr außergewöhnlich und auch wegweisend war, ja heute noch ist. Drittens, das Gebäude hat nur eine Symmetrieachse, eine bautechnische Besonderheit. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Vergangenheit und die Verbundenheit mit unseren französischen/lothringischen Nachbarn an dieser Stelle: die Grenzlage neben einem Alleistellungsmerkmal, die Zweisprachigkeit und die Besonderheit des bilateralen Einzugsgebietes.

Der Weg führt nun zur Landesregierung. Was genau haben Sie dort wann vor? Mit welchem Ergebnis möchten Sie aus diesen Gesprächen herauskommen?

Gillo Zur Zeit erstellen wir ein Konzept mit dem Landesdenkmalamt und dem Kultusministerium, wie wir am besten vorgehen. Als nächstes folgt eine Präsentation im Wirtschafts-, Innen- und Umweltministerium sowie der Staatskanzlei. Ziel ist es, in Richtung Kommunikationsdesign/Medientechnik als Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft zu gehen, um es auf europäischer Basis in Verbindung mit der Großregion zu bringen. Sozusagen das „Kulturzentrum der Grande Région“.

Wann wird der Gemeinderat wieder mit der Sendehalle befasst?

Gillo Nach Erarbeitung des Nutzungskonzeptes und den Gesprächen mit den Ministerien werden die Ergebnisse im Gemeinderat präsentiert. Für die Finanzierung der Investitionen werden dann Fördermittel beantragt. Hierzu gehört auch die Beantragung von Mitteln des Bundes im Rahmen der Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus. Mit dem Beschluss des Gemeinderates vom Donnerstag wird die vorgenannte Entwicklungsvariante angestrebt und die Verwaltung beauftragt, Fördermittel einzuwerben. Sobald das Nutzungskonzeptes vorliegt, werden die Investitionen ermittelt und dem Gemeinderat erneut vorgelegt.

Das Institut INIK hat präzis den 9. Mai 2023 als Eröffnungstag der erneuerten Sendehalle angegeben. Realistisch?

Gillo Bereits heute wird die Sendehalle für kleinere Veranstaltungen genutzt. Die Ausrichtung der Sendehalle auf eine neue Nutzung im Rahmen der Kultur- und Kreativwirtschaft ist mit Datum 9. Mai 2023 vorstellbar, jedoch müssen hierzu Abstimmungsprozesse mit Akteuren und Entscheidungsträgern auf Landes-/Bundes- und europäischer Ebene konkretisiert werden. Die Zielankündigung von INIK ist anspruchsvoll und nicht nur von der Gemeinde beeinflussbar.

Sie selbst waren und sind elektrisiert von den Möglichkeiten, die das Bauwerk in Überherrn eröffnen könnte. Das Ganze ist erkennbar kompliziert. Sind Sie ernüchtert?

Gillo Mit der Beschlussfassung hat die Gemeindeverwaltung den beabsichtigten Auftrag erhalten. Der  Planungsstand ist eingehalten. Wie schon zuvor erwähnt, erfolgen nun die weiteren Gespräche. Dies ist ein anspruchsvolles Projekt, es braucht weitere Akteure. Hierfür werben wir. Ernüchterung liegt bei mir nicht vor – ganz im Gegenteil.