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Städte und Gemeinden im Kreis kämpfen mit Auswirkungen des Hitze-Sommers

Auswirkungen des Hitzesommers : Trockenheit treibt die Kosten der Kommunen in die Höhe

Fast überall steigen der Wasserbedarf sowie der Personaleinsatz. Ausnahmen sind Wallerfangen und Wadgassen.

Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen machen Mensch und Natur zu schaffen. Für die Kommunen wird die Situation ebenfalls zu einer Belastung, treiben doch der Wasserbedarf und der damit verbundenen Personaleinsatz bei der Pflege der kommunalen Grünanlagen die Kosten nach oben.

Ein erhöhtes Bruchrisiko und das vermehrte Absterben älterer Bäume und Sträucher hat die Kreisstadt Saarlouis festgestellt. „Das kann selbst an gesunden Bäumen zum Abbrechen von Kronenteilen führen“, berichtet Sprecherin Petra Molitor. Um die Schäden gering zu halten, bringe die Stadt an Stämmen Bewässerungssäcke an, die mit je 60 Liter Wasser befüllt sind. Zudem würden zwei Lastwagen mit Wassertanks eingesetzt und eine Bewässerung mit Rasensprengern beziehungsweise eine Handwässerung sensibler Bereiche vorgenommen. Bei extremer Trockenheit sind vier Arbeitskräfte an sechs Tagen in der Woche unterwegs. „Der Wasserbedarf hat sich in den letzten Jahren um 50 bis 100 Prozent erhöht“, sagt Molitor. Auch die Personalkosten seien deutlich gestiegen.

In Dillingen werden drei Mitarbeiter zum Wässern der Sommerbepflanzung eingesetzt. Zusätzlich ist täglich ein Bediensteter mit Traktor und Wassertank unterwegs, um die übrigen Pflanzenbeete zu bewässern, teilt Stadtsprecherin Heike Theobald mit. Wie hoch die zusätzlichen Kosten sind, sei noch nicht absehbar.

In Bous sind im Sommer ein bis zwei Mitarbeiter des Betriebshofes mit der Bewässerung beschäftigt, berichtet Bürgermeister Stefan Louis. Dafür stehen zwei Tanks mit je 1000 Litern Volumen, zur Verfügung. „Diese Container können auf Autos montiert werden, sind flexibel einsetzbar.“ Vor allem die Sportplatzbewässerung sei mit einem erhöhten Bedarf verbunden. Zahlen nennt Louis nicht. „Aber auch in Bous haben die Kosten sich erhöht“, sagt er.

In Schwalbach „werden innerorts im Schnitt 7500 Liter Wasser täglich verbraucht“, berichtet Gerhard Rupp von der Verwaltung – die dreifache Menge eines normalen Sommers. Die zusätzlichen Wasser-Kosten beliefen sich täglich auf 7,50 Euro netto.

In Saarwellingen sind hingegen „verlässliche Angaben über die verbrauchte Wassermenge derzeit nicht möglich“, sagt Hans Conrad. Der Bedarf sei im Vergleich zu normalen Sommern aber „zweifellos höher“. Bewässert wird täglich acht Stunden lang, von einem Mitarbeiter im Unimog mit Tank sowie drei weiteren Beschäftigten, die mit Gießkannen tätig sind. Dafür hat der Bauhof eigens einen Bewässerungsplan erstellt. „Wir werden aber sicher einige große Straßenbäume durch die Trockenheit verlieren“, klagt Conrad.

In Ensdorf (> Seite B 1) werden pro Einsatztag 1000 Liter Wasser zusätzlich benötigt, je nach Wetterlage sind bis zu vier Mitarbeiter im Einsatz. In Schmelz werden Neuanpflanzungen der letzten drei Jahre bewässert sowie Bäume in der City, welche nur wenig Wurzelwerk haben. Der Wasserbedarf beträgt 3000 bis 5000 Liter am Tag. Zudem hätten auch die Kosten für das Entsorgen von abgefallenen Ästen und die Bekämpfung von Schädlingen zugenommen.

Auch in Nalbach ist seit drei Jahren „wegen der heißen und trockenen Sommer ein wesentlich gestiegener Bedarf an Bewässerung festzustellen“, teilt Martin Wörner mit.

Besonders prekär ist die Lage in Rehlingen-Siersburg, das zuletzt über einen „dramatischen Wassermangel“ klagte. Hier wurde im kommunalen Bereich die Bewässerung „stark zurückgefahren oder teilweise gar komplett eingestellt“, erklärt der Beigeordnete Joshua Pawlak: „Eine gesicherte Wasserversorgung der Bürger stand im Vordergrund.“ Dies habe gerade bei jungen Pflanzen zu Schäden geführt, bei älteren Pflanzen und Flächen bleibe abzuwarten, inwieweit die Natur sich erholt.

„In Wallerfangen arbeiten die Mitarbeiter des Bauhofes im Sommer schon ab 6 Uhr, um Parks, Friedhöfe und Grünanlagen effektiv zu bewässern“, berichtet Hauptamtsleiter Volker Bauer. Auf die Friedhöfe, vor allem die Berieselung der Rasengräber, werde verstärkt Augenmerk gelegt. Gegenüber den schon zuletzt trockenen Sommern sei dieses Jahr aber kein erhöhter personeller Aufwand zu verzeichnen, auch der Wasser-Verbrauch sei nicht gestiegen. Man profitiere von einem regenreichen Winter und den zahlreichen Niederschlägen im Frühjahr. „Indikator hierfür sind die Bäume auf den Streuobstwiesen des Saargaues, die mit Früchten aller Art voll behangen sind wie lange nicht mehr.“

Weniger problematisch ist auch die Lage in Wadgassen. „Derzeit wird nur minimal zusätzlich bewässert, besonders Neupflanzungen auf den Friedhöfen“, sagt Patrik Feltes.

So gut scheint es aber nicht überall zu laufen. Andere Kommunen berichten nicht nur von steigenden Kosten, sondern auch von den Gefahren durch die starke Trockenheit: umkippende Bäume, Astbruchgefahr, schlechter Ablauf von Wasser auf den ausgetrockneten Böden sowie erhöhte Waldbrandgefahr werden genannt. „Das Grünflächenamt der Stadt Dillingen verzeichnet vor allem in Waldgebieten durch die Trockenheit starke Schäden“, berichtet Heike Theobald – und auch „die Lage im Wald der Gemeinde Nalbach ist nicht zu beschönigen“, sagt Martin Wörner.

Bürgerschaftliches Engagement in Form von Baumpatenschaften oder Mithilfe von Vereinen beim Bewässern ist dabei im Kreis selten. „Diese Strukturen sind in Bous derzeit nicht vorhanden“, beobachtet nicht nur Bürgermeister Louis, auch in den übrigen Kommunen gibt es kaum Baumpatenschaften. Ausnahmen bilden Saarwellingen, Nalbach und Wallerfangen, dessen Bürgermeister Horst Trenz feststellt, „dass auch Bürger gemeindliche Beete, die oft auch von diesen bepflanzt wurden, bewässern.“ In Nalbach konnten für Ortseingangsbereiche oder ortsbildprägende Details Patenschaften gefunden werden. In Saarwellingen gibt es Baumpaten, die in der Bahnhofstraße im Zuge der Neugestaltung angelegte Beete wässern. „Sicher wird es künftig ein Thema sein, weitere Menschen zu finden, die bereit sind mitzuhelfen“, meint Hans Conrad.

Von der Gemeinde Überherrn gab es krankheitsbedingt ebenso keine Stellungnahme wie aus Lebach.