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Chronik
Ein Buch gegen das Vergessen und als Mahnung

Lisdorf. 383 Seiten umfasst die Chronik von Agnes Groß über die Opfer der beiden Weltkriege in ihrem Heimatort Lisdorf. Von Erhard Grein

„Gegen das Vergessen und Mahnung für den Frieden“ ist der Tenor eines außergewöhnlichen dokumentarisch und literarisch gestalteten 383 Seiten umfassenden Werkes von Agnes Groß über die Kriegsopfer der beiden Weltkriege aus ihrem Heimatort Lisdorf. Die Autorin, seit Jahren engagiertes Vorstandsmitglied im Verein für Heimatkunde Lisdorf, verlor im Zweiten Weltkrieg am 5. Mai 1945, wenige Tage vor Kriegsende, in einem russischem Kriegsgefangenenlager im Ural ihren Vater. Groß, damals neun Jahre alt, sah es als eine besondere Aufgabe an, allen Lisdorfer Kriegstoten ein dokumentarisches Denkmal zu setzen. Sie sammelte nicht nur die damals üblichen Totenbildchen und Fotos der Toten, sie forschte auch bei Angehörigen und Behörden nach.


Aus vielen Feldpostbriefen der Soldaten klingt immer wieder die Sehnsucht nach einer glücklichen Heimkehr, aber auch die Sorge, wie es den Lieben in der Heimat geht. Erschütternd aber dann die Nachrichten der Truppenführer aus den vielen Kriegsschauplätzen über den „Heldentod“ der Soldaten. Dieser Ausdruck wird zur Farce, wenn beispielsweise an die Großfamilie Caspar Lonsdorfer und Anna Maria geb. Willkomm erinnert wird, von deren sechs Söhnen drei Opfer der Weltkriege wurden.

Allein im Ersten Weltkrieg (1914–1918) opferten 108 Lisdorfer ihr Leben, davon 22 schon im ersten Kriegsjahr. Groß geht in ihrer historischen Arbeit zeitlich noch weiter zurück. Sie erinnert an den 14. Oktober 1849, als im Saarlouiser Fort Rauch drei Landwehrsoldaten erschossen wurden, die in den Revolutionsjahren 1848/49 für Reformen in Deutschland eintraten.



Der Schwerpunkt bildet der Zweite Weltkrieg (1939–1945). Auf dem Lisdorfer Ehrenmal sind 243 Kriegsopfer verzeichnet. Sie erinnern alle an ein sinnloses Sterben, dem Millionen Menschen, unschuldige Männer, Frauen und Kinder, zum Opfer fielen. Darunter sind auch die Opfer, die in Lisdorf durch Bombenangriffe, Tod in den Stollen und Minenunfälle um das Leben kamen. Sehr informativ ist die Chronik der nationalsozialistischen Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges im Zeitraum bis 1945 aus Lisdorfer Sicht.

Eine beachtenswerte literarische Auslese zu der Thematik trägt wesentlich zu der Bedeutung der Arbeit von Agnes Groß bei. Da fehlen beispielsweise weder die Ansprache des Bundespräsidenten Dr. Richard von Weizsäcker zum 8. Mai 1945 noch die weltberühmte Lithographie von Käthe Kollwitz aus dem Jahre 1924 mit dem Aufschrei „Nie wieder Krieg“. Mehrere Geleitworte, darunter von Ministerpräsident Tobias Hans, würdigen die bedeutsame Aufarbeitung eines Zeitraumes unserer Geschichte.

Das Buch wird am Mittwoch, 28. November., 19 Uhr, in der Stadtbibliothek Saarlouis im Theater am Ring vorgestellt. Danach ist es in den Buchhandlungen für 19,50 Euro erhältlich.