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Basketball
Wie gut, dass Williams auf die Mama hört

Xavier Williams (Mitte) feierte in Speyer trotz der Niederlage einen gelungenen Einstand bei den Sunkings. Der Neuzugang war mit 21 Punkten bester Werfer. Der 27-jährige US-Amerikaner soll Kapitän Ricky Easterling entlasten.
Xavier Williams (Mitte) feierte in Speyer trotz der Niederlage einen gelungenen Einstand bei den Sunkings. Der Neuzugang war mit 21 Punkten bester Werfer. Der 27-jährige US-Amerikaner soll Kapitän Ricky Easterling entlasten. FOTO: Foto: Stefan Pirron
SAARLOUIS. Die Saarlouis Sunkings empfangen am Samstag Gießen zum Heimauftakt in der Basketball-Regional-liga. Es ist auch der erste Auftritt für Neuzugang Xavier Williams vor heimischem Publikum. Von David Benedyczuk

Aller Anfang ist schwer. Zum Saisonstart in der 1. Regionalliga ging es für die Basketballer der Saarlouis Sunkings direkt zum Titelfavoriten Baskets Speyer. Noch dazu mit einem runderneuerten Team mit vielen jungen, unerfahrenen Spielern. Trotz „Schockstarre am Anfang“, die zu einem 17:45-Rückstand führte, hielt Trainer Dennis Mouget nach dem 73:95 fest: „Die Jungs haben sich insgesamt gut behauptet.“ Zumal Kapitän Ricky Easterling nach fünf Fouls bereits früh vom Feld musste.


Für einen war es eine Gelegenheit, sich noch mehr an jene Rolle heranzutasten, die er beim Saarlouiser Neuaufbau spielen soll: Neuzugang Xavier Dante Williams. „Er hat die Aufgabe, Last von Rickys Schultern zu nehmen“, sagt Mouget über seinen erfahrensten Akteur neben Easterling und dem Bulgaren Filip Kamenov.

Mit 21 Punkten und neun Rebounds deutete der 27-jährige US-Amerikaner an, dass er für die „Sonnenkönige“ die erhoffte Verstärkung sein kann. Williams, der seit sechs Wochen in Saarlouis ist, sah sein Debüt gemischt: „Es war okay, ich kann aber vieles noch viel besser machen. Sieben Ballverluste sind verrückt“, gab sich der nahe Philadelphia aufgewachsene Neuzugang selbstkritisch.



Dass er inzwischen in Deutschland spielt, liegt nicht zuletzt an seiner aus Paderborn stammenden Mutter. Sie hatte Williams‘ Vater beim Militär kennengelernt und war später ausgewandert. Anders als sein älterer Bruder ist Xavier nicht in Deutschland geboren, besitzt aber den deutschen Pass.

Vergangene Saison spielte er bei Nord-Regionalligist Neustadt Shooters, wobei in der Nähe von Hannover nicht alles rund für ihn lief. Trotz einiger Angebote aus Ostdeutschland entschied er sich nun für die Sunkings: „Meine Mutter erzählte mir, wie gut es hier in der Region ist. Auch, dass das Wetter besser ist“, sagt Williams und grinst.

Den Schritt hat er bislang nicht bereut: „Ich mag es hier. Wir haben ein cooles Team, viele junge Spieler mit viel Energie. Es macht Spaß“, betont Williams. Letzteres ist für ihn sowieso der Hauptaspekt in Sachen Basketball: „Ich will aufs Feld und Spaß haben – das ist das Wichtigste. Gewinnen ist auch wichtig, aber für mich führt das eine erst zum anderen.“

Die Einstellung hängt wohl auch mit den harten Zeiten zusammen, die er durchmachen musste. So unterbrach er für längere Zeit seine Schulausbildung: „Wir hatten finanzielle Probleme. Ich ging arbeiten, um beim Zahlen der Rechnungen zu helfen“, erläutert Williams: „Ich hatte auch mit mir selbst zu kämpfen, habe Freunde verloren, die Noten gingen in den Keller. Da half es auch nicht, dass ich gut Basketball spielte.“ Deutschland sei eine Art persönlicher Neuanfang. Das erste Jahr habe ihm geholfen, die Mentalität und den Basketballstil kennenzulernen. Inzwischen sagt Williams: „Ich bin glücklich hier.“

Glück soll sich an diesem Samstag auch in der Stadtgartenhalle einstellen, wenn um 19 Uhr das Heimdebüt gegen Aufsteiger Gießen Pointers wartet. „Ich werde alles dafür tun, dass das Team gewinnt“, sagt Williams. Er scheut sich nicht, mit Easterling die Führungsrolle zu übernehmen: „Ricky ist der Anführer, aber wir können den Jungs auch zusammen zeigen, worauf es ankommt, um sich zu verbessern. Hier ist viel Potenzial, das gilt es zu entwickeln – dann werden wir richtig gut sein“, glaubt Williams. Sogar eine Wiederholung der Vorsaison mit Rang vier hält er für möglich – auch wenn aller Anfang schwer ist.