Alle Augen auf Franziskus

Saarlouis. Papst Franziskus winkt dem Betrachter genau aus der Mitte des Gemäldes zu. Wie eine Hommage an den neuen Papst sieht das zehn Meter lange neue Werk von Aktionsmaler Mike Mathes aus. Aber es soll keine Lobpreisung des Papstes sein, sondern ein Appell an ihn. Weshalb ein Papst-Bild? Ein religiöser Fanatiker ist Mathes nämlich nicht

Saarlouis. Papst Franziskus winkt dem Betrachter genau aus der Mitte des Gemäldes zu. Wie eine Hommage an den neuen Papst sieht das zehn Meter lange neue Werk von Aktionsmaler Mike Mathes aus. Aber es soll keine Lobpreisung des Papstes sein, sondern ein Appell an ihn.

Weshalb ein Papst-Bild? Ein religiöser Fanatiker ist Mathes nämlich nicht. "Einerseits ist ein neuer Papst imposant", sagt Mathes. Andererseits sei damit auch Zeit für einen Aufruf an den Papst, die Versprechungen, die er etwa mit seinem Namen Franziskus gibt, auch einzuhalten. Dass der neue Papst sich bereits abfällig gegen Homosexuelle geäußert hat, hat Mathes als offen Schwulen von seinem Vorhaben nicht abgehalten. "Ich möchte ihm die Aufgaben vor Augen führen, die er jetzt hat und ihn am Namen messen, den er sich selbst gegeben hat", sagt er. Es sei etwa undenkbar, dass der heilige Franz von Assisi, dessen Name der Papst sich leiht, anderen vorgeschrieben hätte, wie sie sich sexuell orientieren müssten. Aber genau das tue Jorge Mario Bergoglio, wenn er die Homo-Ehe als "Teufelswerk" bezeichnet. Mike Mathes gibt ihm als Papst dennoch eine Chance. "Ich war immer gegen Schubladen-Denken", sagt er, "darunter habe ich selbst gelitten."

Auf Augenhöhe

Sein Gemälde soll aber ebendiese Aspekte vereinen, die ihm wichtig sind und die Papst Franziskus während seiner Amtszeit beschäftigen sollten. Ein Porträt von Rock Hudson im Gemälde etwa steht für die Krankheit Aids. Der homosexuelle amerikanische Schauspieler ist als einer der ersten Prominenten an den Folgen von Aids gestorben. Mathes selbst ist seit fast 30 Jahren HIV-positiv. Andere Themen im Gemälde sind etwa Jugend und Frauen in der Kirche. Für letzteres hat Mathes eine überlebensgroße Frau links neben den grüßenden Papst gemalt. Sie ist Franziskus zugewandt, hat die Hände zum Gebet gefaltet, ist im Gemälde aber klar auf Augenhöhe mit dem Papst.

Die Kirche toleranter machen

"Er ist ein Mensch - und damit fehlbar", sagt Mike Mathes. "Das Bild soll ihm zeigen, dass es Dinge gibt, die er alleine nicht kompetent entscheiden kann, etwa Frauen in der Kirche, Homosexualität oder auch den Gebrauch von Kondomen. Er hat jetzt die Chance, die Kirche ein bisschen toleranter zu machen."

Dazu zeigt das Gemälde Porträts von Bergoglio, vor seinem Amtsantritt als Papst. Etwa während einer Fahrt in der U-Bahn. "Dieses Bild soll auch für Armut und Bescheidenheit stehen", sagt Mathes.

Der Maler sucht noch nach weiteren Aspekten, die er in seinem Gemälde ansprechen kann. "Wer gerne Gesicht zeigen möchte, kann sich gern beteiligen", ruft er auf. "Gesicht zeigen" heißt beim tausend-Augen-Maler selbstverständlich Auge zeigen: Das eigene Auge im Bild kostet 250 Euro - inklusive einer Reproduktion für den Käufer. Die Augen im Bild sollen heißen: Wir zeigen Gesicht für eine bessere Kirche, und wir beobachten dich, Franziskus.

Mathes' Wunsch ist es, das Gemälde als Reproduktion dem Papst zukommen zu lassen, per Post an seine Adresse in Vatikanstadt. Jedoch nicht als schwärmerische Fanpost, sondern als Debatte. "Ich traue ihm so viel Menschlichkeit zu, dass ich denke, er wird sich wohlwollend mit dem Bild befassen", sagt Mathes. Dazu legen möchte er eine Erläuterung zum Gemälde und auch die Daten zu seiner Person, in denen er nicht verheimlichen will, dass er homosexuell ist.

Präsentieren will er sein Gemälde in Schulen, Gefängnissen, an ungewöhnlichen Orten - gemeinsam mit einem eigens für die Präsentation komponierten Stück von Musiker Roland Kunz. In zwei Monaten will er das Gemälde vollendet haben.

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