Vom Schaben und Kratzen

Winter kann man hören: SZ-Redakteurin Nicole Bastong hat sich mit der speziellen Jahreszeiten-Geräuschkulisse vertraut gemacht.

Meinung:
Vom Schaben und Kratzen

Für die beliebtesten deutschen Wintersportarten hat jetzt das Training endlich begonnen: Schnee- und Eiskratzen. Dass es nachts geschneit hat, entnehmen die wenigsten dem Wetterbericht, sie bemerken auch nicht als erstes die ungewohnte Helligkeit. Nein, denn in jeder Straße gibt es diesen einen Nachbar, der immer der Erste sein will und deshalb spätestens um 4.30 Uhr mit der Schneeschaufel über den Bürgersteig kratzt.

Zu schippen gibt es ja selten etwas, aber auch das kleinste Flöckchen Schnee muss sofort vor dem Haus weggekratzt, nicht etwa gekehrt, werden. Danach wird der Gehweg mit einer dicken Schicht Salz belegt, das sieht dann auch wieder winterlicher aus.

Das Eiskratzen geht meist geräuschvoll über die Bühne: Mit lautem Fluchen und energischem Schaben über alle Scheiben am Auto und - ganz wichtig - alles natürlich bei laufendem Motor kann man in der Nachbarschaft ganz schnell Sympathie-Punkte sammeln.

Wer sich einen Spaß erlauben will, sollte an einem schneefreien Samstagmorgen einfach mal gegen sechs oder sieben Uhr mit der Schneeschippe über den leeren Gehweg kratzen - wie schnell sind da alle Rollläden oben!

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