Wirtschaft Saarstahl tut was für Standort Völklingen

Völklingen · Qualität zählt: Darauf setzt Saarstahl weiterhin, auch mit Investitionen in Völklingen. Aber die EU-Energiepolitik bereitet ernste Sorgen.

 Blick auf die Baustelle: Im Sommer soll die neue Stranggießanlage S1 im Völklinger Stahlwerk fertig sein, im Herbst in Betrieb gehen.

Blick auf die Baustelle: Im Sommer soll die neue Stranggießanlage S1 im Völklinger Stahlwerk fertig sein, im Herbst in Betrieb gehen.

Foto: Saarstahl/Dirk Martin/ Saarstahl

Einem wichtigen Thema ihrer Jahrespressekonferenz haben die Saarstahl-Vorstände einen englischsprachigen Namen gegeben:  „Building One Company“. Unter dieses Motto hat Vorstandsvorsitzender Tim Hartmann die Zusammenarbeit zwischen der Saarstahl AG und der Dillinger Hütte gestellt, die Stück um Stück (noch) enger werden soll. „Synergien heben“, nennt er als Ziel, Doppelstrukturen abbauen, der Kosten wegen. Wobei die beiden Unternehmen aber getrennt bleiben sollen; an den „zwei Marken“, die bei den Kunden bestens eingeführt seien, wolle man festhalten.

Und es sei auch nicht daran gedacht, „in großem Stil“ irgendetwas von Völklingen nach Dillingen zu verlagern. Im Bereich der Produktion, fügt Martin Baues hinzu, der seit kurzem als Technik-Vorstand für beide Unternehmen zuständig ist, sei das ohnehin nicht möglich. Schon rein technisch nicht. Denn Völklingen hat klare Schwerpunkte, die fürs Unternehmen insgesamt eine zentrale Rolle spielen, das Stahlwerk, die beiden Walzstraßen im Nauweiler Gewann, die erst vor ein paar Jahren millionenteuer errichtete Sekundärmetallurgie.

Und gerade in Völklingen arbeitet   die Saarstahl AG derzeit an einem  Großprojekt: Im Stahlwerk wird mit Hochdruck die neue Stranggießanlage S 1 gebaut (wir haben kürzlich berichtet). Im Sommer soll die 100-Millionen-Euro-Investition fertig sein. Dabei kommt auch „Big Data“ ins Spiel: Sensoren werden die vielfältigsten  Parameter der Produktion aufzeichnen, künstliche Intelligenz soll ab Herbst, wenn der Betrieb beginnt, den Gießprozess steuern helfen. „Dann können wir 180-Millimeter-Knüppel als unseren neuen Standard fertigen“, sagt Baues dazu mit zufriedener Miene: Die Völklinger Investition soll dafür sorgen, dass die Saarstahl-Spezialisierung auf Stähle besonders hoher Güte weiter funktioniert.

Keine Sorge um den Standort Völklingen also. Wohl aber, auf längere Sicht, Sorge um die regionale Stahlindustrie insgesamt – wegen der EU-Energiepolitik, die CO2-intensive Produktion hierzulande zu verteuern droht. Stephan Ahr, der Betriebsratsvorsitzende, hatte  jüngst, wie berichtet, in einer Rede ein düsteres Deindustrialisierungs-Szenario gemalt und leidenschaftlich aufgefordert, dagegen zu kämpfen. Bei den Vorständen klingt das gelassener – aber das, sagt Tim Hartmann, sei ein Missverständnis: Es möge Unterschiede in der Sprache geben, aber nicht in der Sache, die sehe er ebenso dringlich wie „Kollege Ahr“. Man sei ja besten Willens, Techniken zur Stahlherstellung zu entwickeln, deren ökologischer Fußabdruck kleiner sei als heute. Aber das benötige Zeit.  Viel Zeit, ergänzt Baues: „Die Hochofen-Technik mit Kohle hat 150 Jahre gebraucht bis zum heutigen Stand.“