Klaus Lorig weist seine Kritiker zurecht: „Christiane Blatt bekommt auch einen Spaten“

Klaus Lorig weist seine Kritiker zurecht : „Christiane Blatt bekommt auch einen Spaten“

Die Amtszeit von Klaus Lorig nähert sich dem Ende. Wir sprachen mit dem Oberbürgermeister darüber, was er noch tun will und was ihn bewegt.

Bald hat er 15 Jahre hinter sich. Und fünf Monate hat er noch vor sich. Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU, 65) geht in den Endspurt. Zum 31. Mai wird er die Amtsgeschäfte an Christiane Blatt (SPD) übergeben. Er hofft, bis dahin noch den ersten Spatenstich zum Bau des Modeparks Röther tun zu können – ein Projekt, bei dem alles plangemäß verläuft, wie Lorig versichert.  Das wäre der krönende Abschluss seiner Amtszeit, nachdem er sich 15 Jahre lang um eine Wiederbelebung des Ex-Kaufhofs bemüht hat. „Christiane Blatt bekommt jedenfalls auch einen Spaten“, sagt Lorig schmunzelnd in einem Gespräch mit der SZ-Redaktion Völklingen.

Nach dem ersten Spatenstich bei Röther wird Blatt sich dann persönlich um dieses Projekt und viele weitere wichtige Dinge in der Stadt kümmern müssen. Und das ohne Bürgermeister Wolfgang Bintz (CDU) an ihrer Seite. Bintz scheidet gleichzeitig mit Lorig aus.

Für die neuen Herausforderungen arbeitet sich die bisherige Ludweiler Ortsvorsteherin und Landtagsabgeordnete bereits ein. Wie Lorig berichtet, haben auf seine Einladung hin schon drei ausführliche Gespräche stattgefunden. Blatt werde über wichtige Dinge auf dem Laufenden gehalten und in die Vorbereitung von Entscheidungen einbezogen, „damit Kontinuität in der Stadt gewährleistet ist“.

Das beginnt mit Personalfragen. Nachdem mit Christina Hennrich und Kurt Kasper zwei Führungskräfte in den Ruhestand gegangen sind, sind Schlüsselpositionen im Rathaus neu zu besetzen. Und es brennt mittlerweile bei der Millionenfrage, ob eine Totalsanierung des Neuen Rathauses oder ein Abriss des Turm-Aufbaus mit Umzug von rund 110 Verwaltungsmitarbeitern inklusive Bürgerbüro in die Rathausstraße günstiger ist. Dort müsste zuvor der von der Stadt erworbene Gebäudekomplex mit Ex-Saarstahl-Casino und Ex-Röchling-Bank teuer saniert werden. Im Kostenvergleich hat laut Lorig nun wieder das Neue Rathaus aufgeholt. In einem neuen Gutachten sei festgestellt worden, dass die Aufhängung der Fassade am Turm wohl noch 15 bis 20 Jahre halte.

Lorig drängt bei der Rathaus-Frage: „Eine Entscheidung muss noch in meiner Amtszeit fallen. Wenn Röther loslegt, müssen wir wissen, was in der Rathausstraße los ist.“ Bei einem Votum des Stadtrates für die Sanierung des Neuen Rathauses müsse man entschlossen daran gehen, Ex-Casino und Ex-Bank anderweitig zu vermarkten.

Für Oberbürgermeister Lorig schien lange die Sonne. 2003 hatte er als CDU-Kandidat überraschend die langjährige rote Mehrheit im Rathaus gekippt und dies 2010 bei seiner Wiederwahl mit fast zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen bestätigt. Aber dann kam die Fischzucht-Affäre.

Die Stadtwerke sind inzwischen unter ihrem neuen Geschäftsführer Michael Böddeker  aus dem Gröbsten raus. Doch auch die eigenen Parteifreunde, darunter Bürgermeister Bintz, distanzieren sich mittlerweile von Lorig. In einer Pressemitteilung des CDU-Stadtverbandes lasteten Vorsitzende Gisela Rink und Stadtrats-Fraktionschef Stefan Rabel Lorig sogar die Pleite des CDU-Kandidaten Kevin Frank bei der Oberbürgermeisterwahl im vergangenen September an. Frank war mit knapp 25 Prozent der Stimmen bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden. Die Parteistrategen hatten Lorig aus dem Wahlkampf herausgehalten. Er tauchte nicht einmal auf den Plakaten auf, auf denen Unterstützer für Frank warben.

Lorig kommentiert die Kritik aus den eigenen Reihen diplomatisch-zurückhaltend. „Die Auseinandersetzung mit dem Stadtoberhaupt ist einfacher und plakativer, als sich kritisch mit den Auseinandersetzungen im Stadtrat zu beschäftigen. Bei einer vernünftigen Wahlanalyse könnte man viel mehr hinterfragen.“ Dann, als es um die jüngste Kritik aus den Reihen der Grünen geht, nimmt Lorig aber wiederholt das Wort „Blödsinn“ in den Mund. Manfred Jost und Gerold Fischer hatten dem Oberbürgermeister unter anderem vorgeworfen, er verhätschele die Fußballvereine zu Lasten anderer, wichtiger Aufgaben wie Schulen und Kindergärten.

Lorig sagt dazu, die Fußballvereine erfüllten eine wichtige soziale Aufgabe und betreuten weit über 600 Kinder. Durch Äußerungen wie denen der Grünen fühle sich „jeder Ehrenamtliche in den Allerwertesten getreten“. Der Stadtrat habe ursprünglich eine 100-prozentige Übernahme der Energiekosten durch die Vereine beschlossen und dies später zurückgenommen. Auf Vorschlag der Verwaltung sei nun beschlossen worden, es bei 50 Prozent zu belassen, aber die Clubheime komplett den Vereinen zu übertragen. Zu diesem Zweck sollten nun eigene Zähler installiert werden.

Auch in der Diskussion um die frühere Mühlgewannschule in der Innenstadt stimmt laut Lorig die Rechnung der Grünen nicht. Bei einem Sanierungsbedarf von über sechs Millionen Euro sei eine Weiternutzung als Schule die teuerste Lösung. Gleichzeitig stünden dann die Schulgebäude auf der Röchlinghöhe leer. Neben dem Umbau in ein Sozialzentrum stünden derzeit für das Mühlgewann auch Alternativen wie ein Lehrerbildungszentrum im Raum. Gespräche mit dem Bildungsministerium seien im Gange. Bis zum 30. Juni laufe die Frist, innerhalb derer die Stadt über eine Rücknahme des Gebäudes vom Regionalverband entscheiden müsse. Im gleichen Zeitraum müsse auch die Entscheidung über die Renovierung und den Ausbau der Grundschule Haydnstraße fallen. „Da wird sich Frau Blatt positionieren müssen“, unterstreicht Lorig.

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