| 20:35 Uhr

Rechtspopulisten in Sulzbach
Droht Sulzbach ein Abend mit Scharfmachern?

Wortführer während der Demonstration gegen eine Moschee in Sulzbach: Am 22. Juli 2017 traten Alexander Flätgen (links) als Sprecher der Bürgerinitiative „Sulzbach wehrt sich“ und Edwin Wagensveld als Vertreter der niederländischen Pegida-Bewegung mit markigen Worten auf.
Wortführer während der Demonstration gegen eine Moschee in Sulzbach: Am 22. Juli 2017 traten Alexander Flätgen (links) als Sprecher der Bürgerinitiative „Sulzbach wehrt sich“ und Edwin Wagensveld als Vertreter der niederländischen Pegida-Bewegung mit markigen Worten auf. FOTO: Matthias Zimmermann
Sulzbach. Vor Wochen schon will der Anführer des rechtsgerichteten Bürgerbündnisses „Sulzbach wehrt sich“ das Konzert angemeldet haben. Doch erst seit Dienstag schrillen die Alarmglocken im Rathaus. Bürgermeister Adam traf sich mit Mitarbeitern zur Krisenrunde. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Die Aufregung in der Stadtverwaltung scheint groß, nachdem die Verantwortlichen offensichtlich erkannten, an wen sie vermietet haben und was für ein Konzert auf sie zukommen könnte. Ausgerechnet an einem der sensibelsten Orte Sulzbachs: im Salzbrunnenhaus. Wo 2002 in unmittelbarer Nähe der Türke Ahmet S. (19) von einem 25 Jahre alten Neonazi niedergestochen wurde. Das Opfer starb einen Tag später, der Täter wurde wegen Totschlags zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt.


Genau in dem Gebäude soll am 6. April die Band Kategorie C/Hungrige Wölfe auftreten. Was der Veranstalter recht harmlos als Balladen-Abend ankündigt, sehen Kritiker ganz anders. Denn die Gruppe macht seit Jahren mit  martialischen Texten auf sich aufmerksam, ist in der rechtsextremen Szene gern gesehener Gast. So heißt es unter anderem im Song Staatsfeind Nr. 1: „Als deutscher Nazi vogelfrei,/mit jedem Schritt bist du das Nazischwein./Ich frag mich, wohin das führt,/wenn man diesen Hass hier spürt.“

Als Veranstalter tritt die Bürgerinitiative „Sulzbach wehrt sich“ auf. Diese Bewegung macht von sich reden, seitdem die Pläne für eine Moschee im ehemaligen Postgebäude spruchreif sind. Dagegen formierte die Gruppe Widerstand, der sich im Juli vergangenen Jahres während einer Demonstration auf dem Marktplatz lautstark Gehör verschaffte.

An ihrer Spitze steht der Sulzbacher Alexander Flätgen. Nach eigenen Angaben war er Mitglied der NPD. „Mittlerweile bin ich überparteilich“, ließ er wissen. So wie es seine Sammelbewegung auch sei. Er charakterisiert sie als einen „Zusammenschluss verschiedener Personen aus Sulzbach, die sich gegen den Moscheebau wehren“, schreibt er auf Anfrage. Ihr sollen sich Mitglieder der AfD „vereinzelt auch der NPD, aber auch der Linksparteien“ angeschlossen haben. Die Mehrzahl sei parteiunabhängig.

Das wirkte im Anschluss an die Kundgebung zum Protestmarsch durch die Innenstadt ganz anders. Hauptsächlich Sympathisanten rechter Organisationen in schwarzer Kluft skandierten lautstark gegen Merkel und linke Gruppen.



Wenn es am 6. April zu der Veranstaltung im Salzbrunnenhaus kommen sollte, dann ist noch einer dabei, der während des Aufmarsches mit markigen Tönen auf sich aufmerksam machte: Edwin Wagensveld, Vertreter der niederländischen Pegida-Bewegung. Er schimpfte wortgewaltig gegen linke Demonstranten und titulierte den muslimischen Propheten Mohammed mit einem Wort aus dem Gossenjargon als Kinderschänder.

Flätgen selbst beteiligte sich zuletzt an rechtsextremen Aufmärschen im pfälzischen Kandel. Im Anschluss daran soll es zu tätlichen Übergriffen während einer Zugfahrt von Landstuhl nach Saarbrücken gekommen sein. Hier bezichtigt ihn ein Mitreisender der Körperverletzung. Dazu wollte sich Flätgen mit Verweis auf ein „laufendes Verfahren“ nicht äußern.

Auf seiner Seite bei Facebook wirbt er unterdessen für einen so genannten Fackelmarsch am heutigen Mittwoch in Zweibrücken. Als Veranstalter tritt der vom rheinland-pfälzischen Verfassungsschutz observierte „Nationale Widerstand Zweibrücken“ auf. Damit wollen die Initiatoren an den „alliierten Bombenholocaust“ erinnern.

Wie indes die Stadt Sulzbach mit dem geplanten Konzert in ihrem an Flätgen vermieteten Salzbrunnenhaus umgeht, dazu herrschte am gestrigen Dienstag Funkstille. Anne Allenbach von der Pressestelle teilte lediglich mit, dass sich Bürgermeister Michael Adam (CDU) mit Mitarbeitern und Rechtsberatern zusammengesetzt habe. In verschiedenen Abteilungen werde nun geprüft, was möglich ist.

Sollten die Angaben des Organisators Alexander Flätgen stimmen, so ließ sich die Sulzbacher Verwaltung geraume Zeit für ihre Krisensitzung am Dienstag. Denn demnach habe er den Veranstaltungsraum bereits „vor ein paar Wochen“ gemietet. Alexander Flätgen droht an: Sollte ihm die Stadt Sulzbach den Mietvertrag für den besagten Tag kündigen, „werden wir den Klageweg bestreiten“.

Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam (CDU).
Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam (CDU). FOTO: BeckerBredel