Abenteuerlust bis ins hohe Alter

Sulzbach. Der Sulzbacher Metzgermeister Karl Kahl ist mit seinen fast 88 Jahren über den Kreis seiner Wanderreiterfreunde hinaus bekannt für seine Abenteuerlust und Lebensfreude

Sulzbach. Der Sulzbacher Metzgermeister Karl Kahl ist mit seinen fast 88 Jahren über den Kreis seiner Wanderreiterfreunde hinaus bekannt für seine Abenteuerlust und Lebensfreude. Stets zu Pferd war er bis Ende vergangenen Jahres mit seinen Reiterfreunden unter anderem in Österreich, Ungarn, Lothringen, in den Vogesen, im Schwarzwald und zur internationalen Reitermesse in Offenburg unterwegs. Am 4. April 2004 bekam er als ältester Reiter des Saarlandes eine Ehrenmedaille und ist auch der älteste Wanderreiter in Südwestdeutschland.Mit jetzt fast 88 Jahren gab er das Wanderreiten Ende 2010 auf. "Man wird ja auch nicht jünger", betont er lächelnd. Zudem starb letztes Jahr sein langjähriger Weggefährte, sein Pferd Charly, was ihn sehr traurig machte. "Aber das ist halt der Lauf der Dinge", sagt Kahl. Seine Pferde sind Norweger aus eigener Zucht, seinem "Ponyhof". Aber das ist noch lange nicht alles. Karl Kahl hat zweieinhalb Jahre an seinem Haus, einem bayrisch aussehenden Hof gebaut. Und das mit Erfolg, alle Schnitzereien und Schmiedearbeiten sind sein handwerkliches Können, zum Beispiel die schön gearbeitete Holzbank auf der Veranda.

Sein Wissen erwarb er sich in seiner fünfjährigen Kriegsgefangenschaft in Russland, wo er zum Brückenbau eingesetzt war. Bereits seinen ersten Kontakt mit Pferden machte er beim Militär, bei der Hot (mit Pferden bespannte Einheit): "Es kamen damals 200 Pferde aus Belgien, und keiner kannte sich damit aus. Da habe ich es versucht." Als zweifacher Familienvater kaufte er seinen Kindern später zwei Pferde. Und so begann Kahl mit damals 40 Jahren das Wanderreiten.

Und darin war er richtig gut. "Ich war ein Draufgänger. Je steiler ein Berg war, desto lieber war er mir", erzählt der Pensionär mit blitzenden Augen. Gerade für seinen Wagemut und sein Temperament zu Pferd ist er bei seinen Reiterfreunden berühmt-berüchtigt. Stets nach Kahls Motto "Mit Schwung rein, mit Schwung raus", ritt der passionierte Reiter nach eigenen Aussagen "wie der Teufel" immer im Galopp.

Karl Kahls Wagemut bewies sich aber auch mit großer Tapferkeit in riskanten Situationen, wie er sich gerne erinnert: "In der Eifel ritten wir mit unserer Gruppe einen 30 bis 40 Meter hohen Berg hoch, es war sehr gefährlich und niemand traute sich, vorzureiten", erzählt er. "Also tat ich es. Die Frauen der Gruppe bildeten hinter mir eine Reihe, indem sie sich an dem Schweif meines Pferdes festhielten, und so kamen wir sicher an." Auch viele andere schöne Erlebnisse sind ihm stets gegenwärtig, dass er mit seinen Pferden einfach so in Seen schwimmen ging, oder sich einmal einen Wagen mit Küche baute und sich damit mit seinen Pferden nach Bingen aufmachte.

Aber nicht nur als Reiter war der gebürtige Sulzbacher ein Ass: aktiv und sportlich bis ins hohe Alter spielte er Volleyball, ging Surfen und Ski fahren, wurde Saarlandmeister im Ski-Langlauf und 1963 in Kuba zum besten deutschen Tänzer gekürt. "Ich habe viel Tolles erleben dürfen", schwärmt Karl Kahl. Besonders bedankt er sich bei seiner Frau Hildegard: "Ohne meine Frau, die daheim blieb und auf Haus und Metzgerei achtete, wären meine Touren nie möglich gewesen." "Ich war ein Draufgänger. Je steiler ein Berg war, desto lieber war er mir."

Wanderreiter Karl Kahl

aus Sulzbach