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Die große Ohnmacht des Müllwerkers

Die große Ohnmacht des Müllwerkers

Hühnerfeld/Altenwald. Gelegentlich trifft Andreas Klein auch nette Menschen. Das geschah beispielsweise gestern Vormittag in der Hühnerfelder Schachtstraße. Der 25-jährige Müllwerker - Mitarbeiter des Friedrichsthaler Entsorgungsunternehmens Paulus - und Fahrer Ralf hatten eigentlich fest vor, hier die Biotonnen zu entleeren. Das aber erwies sich als völlig aussichtslos

Hühnerfeld/Altenwald. Gelegentlich trifft Andreas Klein auch nette Menschen. Das geschah beispielsweise gestern Vormittag in der Hühnerfelder Schachtstraße. Der 25-jährige Müllwerker - Mitarbeiter des Friedrichsthaler Entsorgungsunternehmens Paulus - und Fahrer Ralf hatten eigentlich fest vor, hier die Biotonnen zu entleeren. Das aber erwies sich als völlig aussichtslos. Die Straße war nicht gestreut und deshalb sehr glatt. Das Müllauto streikte schon auf ebener Strecke, die Reifen drehten durch. Da kam Unterstützung aus einem der Häuser in Form von Schaufel und Salz. Andreas Klein und sein Kollege schaffen es schließlich nach zwölf Minuten, mithilfe der zur Verfügung gestellten Utensilien, das Fahrzeug wieder freizubekommen. Die Fahrt geht also ein paar Meter weiter, runter in Richtung Brefelder Straße.Doch auch dort winkt Fahrer Ralf entschlossen ab: zu glatt und damit viel zu gefährlich. Zu diesem Zeitpunkt hat der Wagen schon sieben Tonnen Biomüll an Bord. Damit ist er halb voll. Insgesamt wiegt das Fahrzeug jetzt 20 Tonnen. Und die hält niemand mehr auf abschüssiger glatter Fahrbahn. Das bestätigt auch Firmenchef Josef Paulus. Er spricht von einem enormen Risiko für seine Mitarbeiter, wenn die Straßen von Eis bedeckt sind. Zwei seiner Fahrzeuge landeten neulich noch im Straßengraben, zwei seiner Männer ("Wir haben richtig gute Leute") mussten ins Krankenhaus.

In der Schachtstraße beobachtet eine ältere Dame die Schwerstarbeit von Fahrer und Müllwerker. "Wir ersticken da unten im Müll", sagt sie, die in der Brefelder Straße wohnt. "Gelbe Säcke, Restmüll, alles noch da", fügt sie hinzu. Und doch zeigt sie Verständnis für die Entsorger, denen das Leben zurzeit sehr schwer gemacht wird.

Keine Chance hat das Müllkommando, die eisglatte Straße Am Kezebuckel zu befahren.
Das Fahrzeug steckt fest. Hier helfen nur noch Salz und Schaufel.
Auch diese Bio-Gefäße in der Sulzbachtalstraße sollten gestern noch geleert werden.

Andreas Klein verspürt keine Kälte. Er schafft im Laufschritt. Das geht nun ohne große Schwierigkeiten in der Hühnerfelder Ziegelstraße. Tonne links, Tonne rechts, schnell hin, teils über Schneehaufen ans Fahrzeug bugsieren, ausleeren - und rasch wieder zurück. Der zweifache Familienvater aus Sulzbach hat seine Schicht um 5.30 Uhr begonnen, heute wird sie sich arg hinziehen. Denn die nächste Hürde lauert schon auf ihn und den Kollegen hinterm Lenkrad. Am Ende der Straße parken rechts und links Autos. Das heißt für Fahrer Ralf: Millimeterarbeit, um das Fahrzeug unbeschadet durchzumanövrieren. Aber es klappt, da hilft sicherlich die Routine. Ganz krass wird's für das Paulus-Team schließlich in Altenwald, an der Ecke Bergstraße/Am Kezebuckel. Dort geht nun gar nichts mehr. Das Biotonnen-Kommando muss umkehren. Keine Chance, hier ein Gefäß abzufahren. Die Männer müssen die Tonnen nicht nur rechts, sondern auch - im wahrsten Sinne des Wortes - links liegen lassen. Manchmal, sagt Fahrer Ralf, schimpfen die Bürger ganz fürchterlich. Wie der Mann im Bliesgau, der sagte, dass er das Trinkgeld, das er immer zum Ende des Jahres gebe, sofort streiche, wenn sein Müll nicht gleich verschwindet. Keine Spur von Verständnis für die schwer schuftenden Männer rund um den Unrat.