Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten

Wer schon einmal etwas verloren hat in Saarbrücken, geht zum Fundbüro. Aber was passiert mit den Sachen, die niemand abholt? Die Stadt hat sich eine unterhaltsame Lösung ausgedacht: die Fundsachenversteigerung.

Auch ein Kuschelhase samt Rucksack fand einen neuen Besitzer.

Wozu braucht man zehn Regenschirme? Eine kleine Menschentraube hat sich vor dem Ordnungsamt versammelt. Vorne steht Hans Jürgen Braun. Er hält zehn Taschenregenschirme in die Höhe. "Die kann man auch wieder liegen lassen", preist er sie an. Mehrere Hände gehen hoch. "Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten." Für acht Euro hat eine junge Frau die Schirme aus der Fundsachenversteigerung ergattert. Und sie ist nicht die Einzige an diesem Morgen. "Vielleicht steht sie oft im Regen?", vermutet mein direkter Nebenmann. Oder hat sie ein Regenschirmgeschäft? Die Spekulationen sind wild. Aber jetzt ist Konzentration gefragt, es geht rasend schnell weiter mit der Versteigerung, und man will ja kein Schnäppchen verpassen. Ein Fahrrad für 40 Euro, Schmuck für 14, ein Rucksack mit Inhalt für 18, zehn Sonnenbrillen, eine Digitalkamera… Ein BMX-Rad geht für gerade mal zwei Euro weg. Und ein Camcorder, den anscheinend niemand will, wechselt für sechs Euro seinen Besitzer. Vergeblich versucht eine Frau, sich ein Fahrrad zu ersteigern, immer wieder wird sie überboten. Als es ihr endlich gelingt, ist die Freude umso größer. Die Sachen müssen sofort abgeholt werden, da sieht man dann auch, wenn das Fahrrad gar nicht mehr so neu ist, wie es von Weitem aussah.

Auch für den kleinteiligen Schmuck sollte man sich einen Platz in der ersten Reihe sichern. Aber zurück zu der Frau mit den zehn Regenschirmen. Ihre Freundin hat gerade noch ein Fahrrad ersteigern können. Jetzt steht die Regenschirmbesitzerin da und weiß selbst nicht so recht, ob sie sich über ihre Beute freuen soll. "Eigentlich wollte ich nur einen Schirm, jetzt sind es halt zehn. Aber wir haben eine große Familie, und man lässt den ja auch gerne mal liegen." Hätte ich mal lieber nicht gefragt.

Die Stadt versteigert Fundsachen zweimal im Jahr, um die vollen Regale zu leeren. Typischerweise verlieren die Bürger ihre Sachen in der Saarbahn, in Geschäften oder auf der Straße, sagt Edgar Weller, der Leiter des Fundbüros. So sammeln sich im Jahr 3500 bis 4000 Artikel. Nach der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist von einem halben Jahr verkauft die Stadt die Artikel höchstbietend. Die Gebote beginnen bei zwei Euro. Und wer Glück hat, kriegt für 80 Cent einen Schirm - wenn er den Zehnerpack bekommt.

Die nächste Versteigerung gibt es am 27. September im Fundbüro im Ordnungsamt, Großherzog-Friedrich-Straße 111. Wer etwas verloren hat, kann auf der Internetseite der Stadt unter der Stichwortsuche "Fundsachen" verlorene Gegenstände suchen.

saarbruecken.de