Kommissar will sich erklären

Interne Ermittler haben die Untersuchungen nach Foltervorwürfen gegen einen Kommissar ausgedehnt. Es wird geprüft, ob ein Vorgesetzter möglicherweise Hinweisen auf den Übergriff nicht nachgegangen ist.

. Der wegen Foltervorwürfen vom Dienst suspendierte Kommissar der Saarbrücker Polizeiinspektion Karcherstraße hat über seinen Verteidiger eine Erklärung angekündigt. "Wir werden zu den erhobenen Tatvorwürfen gegenüber der Staatsanwaltschaft noch im Ermittlungsverfahren Stellung beziehen. Ich gehe davon aus, dass sich die Foltervorwürfe nicht bestätigen werden", sagte Rechtsanwalt Joachim Giring. Unsere Zeitung hatte gestern exklusiv berichtet, dass dem 29-jährigen Streifenbeamten die Ausübung der Dienstgeschäfte verboten wurde, weil er am 9. Februar einen gefesselten Rumänen auf einem Feldweg in Brebach-Fechingen misshandelt und mit gezogener und durchgeladener Waffe bedroht haben soll. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft haben erste Ermittlungen den Anfangsverdacht der gefährlichen Körperverletzung im Amt, der Freiheitsberaubung und der Bedrohung erhärtet. Nach SZ-Informationen hat der Streifenkollege, der am Steuer des Einsatzfahrzeuges saß, den Kommissar in seiner Vernehmung belastet. Er wurde zwischenzeitlich auf eine andere Dienststelle versetzt. Die Streife hatte an jenem Sonntagmorgen unmittelbar nach Dienstbeginn einen Einsatz an der Diskothek "Unsichtbar" am Saarbrücker Ludwigskreisel. Der Sicherheitsdienst hatte die Polizei alarmiert, weil der polizeibekannte und vorbestrafte Rumäne (26) handgreiflich wurde. Die Beamten nahmen den Mann in Gewahrsam und wollten ihn nach Brebach zu einem Bekannten bringen.

Derweil wurde bekannt, dass die Polizei ihre internen Untersuchungen ausgeweitet hat und jetzt prüft, ob der damals amtierende Dienstgruppenleiter möglicherweise Kenntnis von dem Vorfall hatte, aber keine Konsequenzen zog. In dem Einsatzbericht der Streife soll von einer gewalttätigen Auseinandersetzung und dem Einsatz von Pfefferspray nichts stehen. Sanitäter brachten das 26-jährige Opfer, das flüchten konnte, später in eine Augenklinik. Dort soll der Mann randaliert haben. Derzeit sitzt der Rumäne in Haft, weil er kürzlich zu einer Gerichtsverhandlung wegen Eigentumsdelikten nicht erschienen war.

Rückendeckung bekommt Landespolizeipräsident Norbert Rupp in diesem Fall von den Gewerkschaften. "Einen schlimmeren Vorwurf als den der Folter kann es für die Polizei nicht geben", sagte Ralf Porzel, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei. Die vorläufige Suspendierung des Kommissars sei geboten gewesen. Da sein Streifenpartner "die Mauer des Schweigens" durchbrochen habe und dessen Tatbeitrag unterschiedlich gewichtet werde, sei auch die Versetzung angemessen.

Sascha Alles, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DpolG), befürchtet einen großen Imageschaden für die Saar-Polizei. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnten disziplinarrechtliche Ermittlungen nur mit dem Rauswurf enden. Die Polizei habe Recht und Gesetz zu vertreten und dürfe nicht dagegen verstoßen.