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„Was sollte ich daheim machen?“

Wilhelm Maas in seinem Rollercenter. Foto: Becker&Bredel
Wilhelm Maas in seinem Rollercenter. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel
Saarbrücken. Wer im Rentenalter ist, mag Ruhe und Fernsehen genießen. Es gibt aber auch Leute jenseits der 60 oder 70, die im Erwerbsleben bleiben. Sie kennen nichts anderes als Arbeit und wüssten nicht, was sie ohne sie tun sollten. In einer Serie erzählen wir Geschichten von interessanten Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen, die im fortgeschrittenen Alter noch arbeiten. Wie der Rollerhändler Willi Maas aus Saarbrücken. Peter Wagner

Wie auch eine zierliche Frau ohne große Kraftanstrengung einen Motorroller auf den Ständer hievt und wieder zurück, das kann sie nicht im Internet lernen, das zeigt ihr Wilhelm "Willi" Maas mit unendlicher Geduld in seinem Geschäft Am Homburg in Saarbrücken. Und wenn mal ein Zeitgenosse eine Panne mit dem Motorrad hat, dann kümmert sich "der Willi" auch nach 18 Uhr darum, dass er nach Hause kommt. Der Feierabend muss dann warten.


"Die Beratung und der Service müssen perfekt sein, im Fachhandel ist das gang und gäbe", erklärt der Betriebsmeister, der seine Firma "Rollercenter Maas" schon seit 1977 führt. Um das Geschäft auch im Winter zu stabilisieren und seinen Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze bieten zu können, hat er immer wieder neue Geschäftsfelder hinzugenommen, etwa Reifenhandel.

69 Jahre ist er alt und hat immer noch Spaß daran, mit Kunden umzugehen. Allerdings macht er keinen Hehl daraus, dass er gern einen Nachfolger einarbeiten würde. Sein ursprünglich dafür vorgesehener Sohn machte ein eigenes Geschäft außerhalb des Saarlandes auf. Und so muss Willi Maas jeden Tag noch selber ran. Was allerdings auch keine unangemessen schwere Last ist: "Was würde ich denn machen, wenn ich daheim bliebe?", fragt er rhetorisch. Das Loslassen fiele ihm schon emotional nicht leicht.



Schließlich wohnt er in Sichtweite der Firma, die derzeit drei Mitarbeiter beschäftigt. "Nach einer Woche Urlaub hätte ich Langeweile." Einfach aufhören geht auch deshalb nicht, weil Maas zusammen mit seiner Frau Monika der vielleicht letzte Kran-Unternehmer in Saarbrücken ist, der sich in Hochhäusern mit Müllschächten um das Herausstellen der großen Tonnen kümmert. Seit 31 Jahren leistet er diese Arbeit, immerhin noch für etwa 30 Häuser.

"Glücklich, zufrieden und altersgemäß gesund", beschreibt der Sohn eines Eisenbahners sein Befinden. Viele Saarbrücker werden den freundlichen, humorvollen Mann von der Fastnacht kennen. Willi Maas ist ihr schier "verfallen", ist Senator bei den Daarler Dabbese und dem Stadtteil St. Arnual auch als Vorstandsmitglied des Fußball-Fördervereins verbunden.