„Sonntags ans Schloss“ im Aufwind

Das neue Konzept der Veranstaltungsreihe „Sonntags ans Schloss“ kommt offenbar gut an. Claude Adam-Brettar, der künstlerische Leiter vom Kulturforum des Regionalverbands, berichtet, dass in diesem Sommer die Soireen beinahe genauso gut besucht sind wie die Matineen.

 Michael van Merwyk überzeugte sein Publikum gestern am Schloss. Foto: Dirk Schelpmeier
Michael van Merwyk überzeugte sein Publikum gestern am Schloss. Foto: Dirk Schelpmeier Foto: Dirk Schelpmeier

Rundum zufrieden ist Claude Adam-Brettar mit dem bisherigen Verlauf von "Sonntags ans Schloss". Die vielen neuen Bands dieser Saison hätten sich "absolut bewährt", so der künstlerische Leiter vom Kulturforum des Regionalverbands; als Paradebeispiel nennt er die Band des jungen Sängers und Gitarristen Marius Tilly. Eine Formation wie "Schwarzbrenner", die Texte des expressionistischen Dichters Georg Heym vertont, habe hingegen erwartungsgemäß "polarisiert". Positiv auch: Die in der Vergangenheit nicht immer überfüllten Soireen seien in diesem Sommer bislang beinahe genauso gut besucht wie die Matineen, vermeldet Adam-Brettar.

Auch gestern morgen präsentierte der Schlossgarten sich erfreulich gut bevölkert, obwohl ein zünftiger Dauerregen für Erfrischung nach der Bullenhitze sorgte. Michael van Merwyk und seine Band Bluesoul, von Adam-Brettar als Tipp dieses Jahres angekündigt, waren das Ausharren unter den großen wasserdichten Sonnenschirmen auch wirklich wert: Ihr Auftritt wurde ein Glanzlicht der Umsonst-und-draußen-Reihe.

So stark sang und musizierte der Zwei-Meter-Hüne aus Nordrhein-Westfalen, dass man ihm auch manche reichlich ausgedehnte Plauderei zwischen den Songs und manche überflüssigen Mitmach- und Mitsing-Spielchen mit dem entzückten Publikum verzieh. Merwyks sonore und intensive Bluesstimme ließ wohlige Schauer rieseln, sein Gitarrenspiel, häufig mit dem Slide-Röhrchen, tat ein Übriges.

Die durchweg gehaltvollen Songs klangen gefühlt und durchlebt und erfreulich abwechslungsreich. Ob dampfender Swing, ob lockerer Funky- oder New-Orleans-Groove, ob rockiger Beat oder flinke Country-Schwingungen, da stimmte alles bis aufs i-Tüpfelchen. Merwyks Begleiter Olli Gee (E-Bass), Bernhardt Weichinger (Schlagzeug) und vorneweg Gitarrist Jochen Bens leisteten vorzügliche Arbeit.

Wer hier wohl besser in die Saiten griff, Merwyk oder Bens - das war letztlich Geschmacksache. Und nicht nur in den wunderschönen Balladen drückte Merwyk mit seiner souveränen und entspannten Art dem Ganzen seinen unverwechselbaren Stempel auf. Sympathisch, dass er für ein Lied den im Auditorium anwesenden, regional bekannten französischen Harp-Spieler Sébastien aufs Podium ließ. Nach zwei Stunden machten die Schlossbesucher mit Ovationen deutlich, dass sie Merwyk und Co. liebend gerne noch einmal bei Sonntags ans Schloss begrüßen würden.