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Millionen für den ländlichen Raum

Saarbrücken. Vier saarländische Regionen erhalten bis 2020 jeweils zwei Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln. Das Besondere: In welche Projekte das Geld fließt, entscheiden nicht Beamte oder Politiker, sondern lokale Akteure. Daniel Kirch

Was haben der Wintringer Hof, der keltische Ringwall von Otzenhausen und das Jagdschloss Karlsbrunn gemeinsam? Sie sind für den ländlichen Raum durchaus bedeutend - und werden oder wurden deshalb von der EU gefördert. Allein im Saarland profitierten in den vergangenen Jahren 140 Einzelprojekte von Zuschüssen aus dem Topf des "Leader"-Programms (siehe Infokasten). Für die neue Förderperiode bis 2020 wählte eine Jury unter Leitung von Umweltminister Reinhold Jost (SPD ) gestern vier Regionen aus, die jeweils zwei Millionen Euro erhalten. Ein Viertel des Geldes steuert das Land bei.

Jost sprach von einer "Chance zur Entwicklung des ländlichen Raumes". Von dieser Chance profitieren künftig das St. Wendeler Land, der Landkreis Merzig-Wadern, die Region Warndt-Saargau und die Biosphäre Bliesgau. In den Gebieten haben sich jeweils lokale Aktionsgruppen (LAG) formiert, die nun über die Verwendung des Geldes entscheiden. Ihr gehören etwa Kreis, Gemeinden, Verbände, Vereine und Initiativen an.

Die LAG mussten jeweils umfangreiche lokale Entwicklungsstrategien für ihr Gebiet erarbeiten. Dabei geht es zum Beispiel um die touristische Entwicklung, die Verbesserung der Infrastruktur, Bildungs- oder Geschichtsprojekte, Dorferneuerung, Klimaschutz oder die Vermarktung regionaler Produkte - alles immer mit dem Ziel, den ländlichen Raum lebendig zu halten.

Neu in der Runde der geförderten Regionen ist der Kreis Merzig-Wadern, dessen LAG nach Josts Ansicht durch "eine besondere Einbindung der jungen Generation" glänzt. Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich (CDU ) sagte, man dürfe den demografischen Wandel nicht nur unter dem Aspekt betrachten, "wie es sich ältere Menschen in unserem Landkreis möglichst gemütlich machen können", sondern auch, wie man junge Menschen im Kreis halte - und auch neue hinzugewinne. Bei der LAG Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land lobte die Jury, dass sie "die jüngsten Entwicklungen zum Nationalpark vorausschauend in die lokale Entwicklungsstrategie aufgenommen hat". Die LAG Warndt-Saargau (bislang nur Warndt) habe "ihr Potenzial mit der Lage an der Grenze und ihrem industriell-kulturellen Erbe erkannt". Bei der LAG Biosphärenreservat Bliesgau habe besonders die starke Bürgerbeteiligung beeindruckt.

Jury-Mitglied Prof. Olaf Kühne, der die Bewerbungen der vier Regionen begutachtet hatte, sagte: "Leader im Saarland hat national, wenn nicht sogar international, einen hervorragenden Ruf." Die Umsetzung sei beispielgebend.



Zum Thema:

Mit dem Leader-Programm unterstützt die Europäische Union seit 1991 innovative Projekte zur Entwicklung des ländlichen Raumes. Voraussetzung ist, dass sich lokale Akteure wie Gemeinden, Vereine oder Initiativen zu lokalen Aktionsgruppen (LAG) zusammenschließen und gemeinsam eine lokale Entwicklungsstrategie (LES) erarbeiten. Auf Basis der LES entscheiden die LAG dann, welche Einzelprojekte gefördert werden. red