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Radelnder Affe lässt Bananen explodieren

Saarbrücken. Am Sonntag luden die Macher des Festivals „Loopingstar“ zur Abschlussfete in die Brasserie Terminus in Saargemünd. Schlagzeuger Martial Frenzel untermalte die vier Siegerstreifen als „Stummfilm-Musiker“. Kerstin Krämer

"Jeder hat tausend andere Sachen zu erledigen", seufzt Patricia Raven. Und doch haben Raven und ihre Mitstreiter Véronique Verdet, Volker Schütz und Frank Krämer es auch diesmal wieder geschafft, das grenzüberschreitende Videokunstfestival "Loopingstar" auf die Beine zu stellen: Vom 13. bis zum 22. März waren insgesamt 27 Videoarbeiten in Schaufenstern von Geschäften und Galerien in Saarbrücken, Forbach, Saargemünd und Luxemburg zu sehen. Filme im Schaufenster ? Entstanden sei das Festival zum einen vor dem Hintergrund, dass das Filmfestival Max-Ophüls-Preis, kurz MOP, vor einigen Jahren seine Sparte für Experimentalfilm und Videokunst abgeschafft habe, erzählt Schütz. Diese Lücke will der Loopingstar füllen. Zum anderen wirbt MOP bekanntlich mit dekorierten Schaufenstern, und diese Idee griffen die beiden Festivalgründer Patricia Raven und Alexander Karle 2011 auf, um Experimentelles in die Schaufenster und somit alternative Videokunst quasi auf die Straße zu bringen. Bedingung: Die Filme müssen kurz und - mangels geeigneter Beschallungsmöglichkeiten vom Schaufenster nach draußen - tonlos sein. Am Sonntag luden die Festivalmacher nun zur Abschlussfete der vierten Ausgabe in die Brasserie Terminus in Saargemünd. Wo auch gleich die Preisverleihung stattfand, denn dank einer kleinen Förderung der Saarland Medien GmbH konnte jetzt zum ersten Mal ein Wettbewerb integriert werden.

Im Vorfeld wurden rund 200 Bewerbungen gesichtet, in den Wettbewerb schafften es 24 Beiträge - drei Streifen der Festivalmacher liefen außer Konkurrenz. Die Jury kürte vier Arbeiten in vier Kategorien, die hier in familiärer Atmosphäre über eine kleine Leinwand vor der gemusterten 70er-Jahre-Tapete flimmerten: Im Bereich Animation gewann Albin Hodza mit dem Video "Plongoen artistique", das eine zarte Figur vor weißem Hintergrund schwebend zeigt. Der Preis in der Sparte Ganzkurzfilm ging an Baris Eviz, der mit "Western Union " in nur 14 Sekunden die unerwartet ertragreiche Begegnung eines Jungen mit einem Geldautomaten schildert. Für ihre Projektion "Fremdkörper", die eine projizierte Frau auf einer realen Schaukel zeigt, wurde im Bereich Videoinstallation Françoise Fournelle ausgezeichnet. Und in der Kategorie Heimatliebe siegte Philipp Majer mit dem Video "Der ungeheure Alltag": Es schildert einen Tag im Leben eines Affen, der durch Saarbrücken radelt und statt Bomben Bananen wirft, die jedoch ebenfalls detonierende Wirkung haben. Explosiv waren auch die Improvisationen von Schlagzeuger Martial Frenzel, der als "Stummfilm-Musiker" die Streifen akustisch illustrierte.

Rückblickend können die Veranstalter lachen über unerwartete Probleme, die sich aus unterschiedlichen deutsch-französischen Mentalitäten ergeben. Wegen des Organisations-Stresses denken die Vier darüber nach, das Festival nur noch alle zwei Jahre zu machen. Und es außerdem in den Herbst zu verlegen, weil die blendende Frühjahrssonne den Sehgenuss tagsüber mitunter vereitele.