Max Ophüls statt Mathe

Sie haben eine Woche schulfrei – aber viel zu tun. Fünf Schülerinnen und Schüler gehören zur Jugendjury. Diesen Samstag vergeben sie ihren Preis.

. Wenn diesen Samstagabend die Preisverleihung des Max-Ophüls-Festivals ansteht, wird auch der Preis der Jugendjury verliehen. Seit 2003 gibt es diese eigens einberufende Jury, die aus fünf Schülerinnen und Schülern besteht. Und genau wie die große Hauptjury bestimmen auch sie einen Sieger aus den Wettbewerbsfilmen. Das Preisgeld beträgt 2500 Euro, gestiftet von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Landeszentrale für politische Bildung Saarland. "Das Besondere an unserer Jugendjury ist, dass sie gleichberechtigt ist, sie bewertet die Hauptfilme. Und sie wird auch zu allen Empfängen und anderen Veranstaltungen eingeladen", erklärt Gerhard Rouget, Leiter der Abteilung Medien und Film in der Volkshochschule Saarbrücken . Er betreut die Jugendjury vor Ort.

Die Teilnahmebedingungen für die Jugendjury sind klar und einfach. Die Schüler müssen zwischen 16 und 19 Jahren alt sein und ihre Schule muss sie für die Zeit des Festivals vom Unterricht freistellen. Jedes Jahr wird die Jury neu besetzt, dieses Mal bewarben sich 20 Schüler . "Isabelle Haag, Programmassistentin des Festivals, und ich haben die Jurymitglieder ausgesucht. Dabei soll es einigermaßen ausgewogen sein, Mädchen und Jungen, verschiedene Schulen und gerne auch deutsch-französisch", erklärt Gerhard Rouget.

Das große Los gezogen haben dieses Jahr Sebastian Dörr (Deutsch-Französisches-Gymnasium), Mattea Klostermann (Montessori-Zentrum Saarbrücken ), Lorenz Röttig (Willi-Graf-Gymnasium), Emma Völker (Lycée Jean de Pange, Saargemünd) und Maximilian Weiand (Wirtschaftswissenschaftliches Gymnasium). Denn für die fünf Schüler , die alle 16 Jahre alt sind, ist das eine aufregende Woche. "Wir schauen uns jeden Tag vier Filme an, und in den Pausen besprechen wir, wie sie uns gefallen haben", erzählt Lorenz Röttig. Bis heute Abend müssen sich die Fünf auf einen Sieger geeinigt haben. "Das kann lustig werden", meint Maximilian Weiand. Denn wie in jeder anderen Jury, ist man auch hier nicht immer einer Meinung.

Alle sechs sind schön länger Filmfans und generell an Kultur interessiert. Mattea Klostermann war öfter schon beim Max-Ophüls-Festival - "da aber noch mit meinen Eltern". Emma Völker aus Saargemünd schreibt eigene Geschichten und Szenarios, und Lorenz Röttig hat sogar schon in einem Kurzfilm mitgespielt. Maximilian Weiand mag das Theater, und Sebastian Dörr sammelte im Unterricht seiner Schule Erfahrungen. Er wollte auch schon lange in die Jugendjury. "Ein Freund von mir hat mal mitgemacht. Und was er erzählt hat, hat mich so begeistert, dass ich es gar nicht abwarten konnte, sechzehn Jahre alt zu sein, um mich auch zu bewerben."

Und es scheint wirklich Spaß zu machen. Die Stimmung beim SZ-Besuch in einer der knappen Pausen ist jedenfalls prima. Trotz Schlafmangels. Denn die Jugendlichen sitzen nicht nur den ganzen Tag bis spät in die Nacht im Kino, anschließend geht es schon auch mal zum Mitternachtstalk in Lolas Bistro. Von dort nach Hause ist dann gerne der elterliche Fahrdienst gefragt. Ein bisschen mulmig wird den Schülerinnen und Schülern nur, wenn sie an nächste Woche denken. "Nicht nur, dass dann wieder Schule ist, wir müssen auch den Unterricht nachholen, den wir verpasst haben", sagt Emma Völker.