„Glotzt nicht so romantisch!“

Mit Liedern von Autoren, von denen ihr junges Publikum wahrscheinlich noch nie was gehört hat, wollen zwei alte Theaterrecken im Theater Überzwerg punkten. Jürgen Kirchhoff und Uli Schreiber haben größtes Vertrauen und Hollaender, Brecht und Co. Premiere ist am Freitag.

Zwei alte Hasen im Theatergeschäft machen einen Liederabend für die Jungen: Jürgen Kirchhoff führt Regie, Kollege Uli Schreiber hat die musikalische Leitung. Foto: Krämer. Foto: Krämer

. "Soll ich in den Sündenfall reinkommen?" Pianist Uli Schreiber blickt nicht mehr durch, wo sein Einsatz ist. Und auch sonst muss noch einiges im Ablauf geklärt werden - der ganz normale Feinschliff im Premierenfieber halt. Im Theater Überzwerg laufen die Endproben für den nostalgischen Liederabend "Kann denn Liebe Sünde sein?", eingerichtet von Jürgen Kirchhoff und Uli Schreiber.

Kirchhoff, ab 1981 Schauspieler und Regisseur am Saarländischen Staatstheater (SST), inszenierte schon die Kabarett-Revue "Von Kopf bis Fuß auf Deutschland eingestellt", mit der im Januar 1982 die Alte Feuerwache als SST-Spielstätte öffnete. Nach seiner Pensionierung 2007 ließ er sich dazu überreden, als Gast am Überzwerg mitzuwirken, und war hier als Schauspieler in "Am Horizont", "Das Herz eines Boxers" und "35 Kilo Hoffnung" zu sehen. "Die Auseinandersetzung mit jungen Leuten hat mir immer Spaß gemacht", sagt Kirchhoff.

Mit "Kann denn Liebe Sünde sein?" gibt er nun sein Regie-Debüt am Überzwerg und hat als musikalischen Leiter seinen früheren SST-Kollegen Uli Schreiber mit im Boot, ebenfalls gern gesehener Gast bei den Überzwergen: Schreiber ist ehemaliger Leiter der Schauspielmusik am SST und griff etwa bei "Sekretärinnen" im Theater Arnual und "Männer" in der Alten Feuerwache in die Tasten; fürs Überzwerg saß er beim Liederabend "Mütter" und dem Kinderstück "Alle Kühe fliegen hoch" am Klavier. Und er war auch dabei, als Kirchhoff 2002 mit dem Liederabend "Spötterdämmerung" im Theater Arnual den Kollegen Gunter Cremer verabschiedete.

Ein erprobtes Team also, das zunächst über Georg Kreislers "Heute Abend: Lola Blau" oder eine Erich-Kästner-Revue nachdachte und beides als historisch zu belastet verwarf. "Wir wollten etwas machen, was uns Spaß macht", erklärt Kirchhoff - Liebe also. Die beiden nähern sich dem facettenreichen Thema aber nicht nur musikalisch, sondern schieben nachdenkliche Gedichte als Überleitung und Auffangebene dazwischen. "Es soll ja kein rein witziges Unterhaltungsniveau haben", ergänzt Schreiber. Oder, wie Kirchhoff es mit einem Brecht-Zitat formuliert: "Glotzt nicht so romantisch!"

Apropos Brecht: Bei Lied wie Lyrik setzen die beiden überwiegend auf ältere Autoren, von Shakespeare und Brecht über Friedrich Hollaender, Joachim Ringelnatz , Georg Kreisler und Pablo Neruda bis F.W. Bernstein. Dass viele der jungen Zuschauer ab 16 die meisten dieser Texte vermutlich nicht kennen, sehen die beiden nicht als Hindernis, im Gegenteil: Sie vertrauen darauf, dass gerade die alten Chansons noch Geschichten erzählen und geeignet sind, die Doppelbödigkeit zwischen Text und Musik freizulegen.

Es spielen Sabine Merziger und Nicolas Bertholet; die Ausstattung übernimmt die Illustratorin Dorota Wünsch, deren Zeichnungen von Diplom-Künstler Philipp Neumann animiert und auf Stellwände projiziert werden.

Uraufführung: Freitag, 26. Juni, 19.30 Uhr, Theater Überzwerg am Kästnerplatz in St. Arnual. Wieder: 28. Juni und 3./4. Juli. Karten: Tel. (06 81) 95 82 83-0; Infos: www.ueberzwerg.de

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