Baugenossenschaft will abreißen

Wohnen auf der heutigen Röchlinghöhe ist für viele identisch mit der Baugenossenschaft 04. Doch die Genossenschaft plagt mittlerweile ein Sanierungs-Stau. Deshalb will sie jetzt ein großes Wohnhaus aufgeben.

Seit Mitte der 60er Jahre prägten sie mit das Bild der Röchlinghöhe: Vier markante, würfelförmige Häuser an der Homburger Straße mit jeweils zehn Wohnungen in den jeweils fünf Geschossen. In dieses Bild kommt nun wohl eine Lücke: Das Haus Nummer 38, das zweite in der Reihe von der Trierer Straße aus gesehen, wird voraussichtlich im Jahr 2015 abgerissen. Dies teilte die Allgemeine Baugenossenschaft (ABG) Völklingen 1904 nun auf SZ-Anfrage mit.

ABG-Geschäftsführer Dieter Füchsle ließ ausrichten, die Sanierungskosten für die Bausubstanz seien zu hoch. Das Haus Nr. 38 sei zum Abriss ausersehen worden, weil dort der größte Leerstand geherrscht habe. Die noch verbliebenen Mieter seien inzwischen mit Hilfe der ABG in andere Wohnungen auf der Röchlinghöhe umgesetzt. Die anderen drei Häuser in der Reihe blieben dagegen erhalten und sollten (zu einem noch ungewissen Zeitpunkt) saniert werden. Dementsprechend sind, wie Hinweisschilder auf den Klingeln des Abrissobjektes ausweisen, auch zwei Mieter aus der Nr. 38 bereits ins (baugleiche) Nachbarhaus umgezogen. Ein Dritter fand in der Darmstädter Straße ein neues Domizil. Was das Sanierungsprogramm fürs verbleibende Haus-Trio an der Darmstädter Straße kosten wird, konnte die ABG noch nicht sagen.

Die Häuser, deren weißer Fassadenanstrich sich immer mehr ins Dunkle verfärbt, waren bereits im Juni 2011 beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" der Bewertungskommisssion des Regionalverbandes ins Auge gefallen. Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) gestand damals bei der Ortsbegehung zu, dass es hier einiges zu tun gebe, verwies aber auch darauf, dass ein Gutachten für den Wohnungsbestand der ABG in Arbeit sei. Ortsansässige Kommunalpolitiker zeigten sich nun von der Entmietung von Nr. 38 überrascht. "Nun verfügt der Stadtteil über eine nicht sehr ansehnliche Ruine. Befürchtungen, dass es hier bald so aussieht wie in der Völklinger City, sind für mich nachvollziehbar", meinte Monika Brück (SPD). "Die Leute sind damals gerne in die vier Häuser an der Homburger Straße eingezogen", erinnert sich Norbert Degen (ebenfalls SPD). Doch nun sei bei diesen Häusern eine Kernsanierung fällig. Sie seien "nass von oben", verfügten über keine Aufzüge, seien nicht isoliert und brächten auch wegen der großen Wohnungszuschnitte hohe Nebenkosten mit sich.

Derzeit steht rund jede zehnte Wohnung, die der ABG auf der Röchlinghöhe gehört, leer. Doch Geschäftsführer Füchsle wies weitere Spekulationen zurück. Es handele sich bei dem Abriss der Homburger Straße 38 nicht um einen strategischen Rückzug. "Die Entscheidung für eine Trennung von weiteren Immobilien obliegt der Mitgliederversammlung bzw. dem Aufsichtsrat der Allgemeinen Baugenossenschaft Völklingen 1904 eG", ließ der Geschäftsführer mitteilen.

Bei der Entmietung von Nr. 38 war übrigens wohl eine Panne passiert. Noch vor Tagen verkündete hier ein großes blaues Plakat an einem Fenster: "Wohnung zu vermieten". Die ABG erklärte dies zum "Versehen" und hat das Plakat inzwischen entfernt. Vorerst unberührt bleibt aber offenbar ein Sendemast oben auf dem Haus.

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HintergrundÜber 700 Wohnungen betreut die ABG in Völklingen. Unterm Strich hat sie laut jüngster Hauptversammlung im Jahr 2012 ein positives Jahresergebnis erzielt, und deshalb konnten die Mitglieder mit einer Dividende rechnen. Aufsichtsratsvorsitzender der Baugenossenschaft ist Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU). er