Bauern protestieren gegen Naturlandstiftung

Landwirte fühlen sich durch die Naturlandstiftung in ihrer Existenz bedroht. Diese kaufe ihnen Land weg. Aus Protest blockierten sie am Freitag die B 269 zwischen Ittersdorf und der Saarlouiser Innenstadt.

"Wir haben die Naturlandstiftung satt!" Ein Plakat auf einem der Traktoren bringt den Unmut der Bauern auf den Punkt. Gut 40 Landwirte aus den Kreisen Saarlouis und St. Wendel haben am Freitag die B 269 zwischen Ittersdorf und Saarlouis blockiert, um abermals ihrem Ärger über die Naturlandstiftung Saar (NLS) Luft zu machen.

"Es geht um die Existenz heimischer Landwirtschaft", erklärte Erhard Ecker aus Niedaltdorf. "Die Naturlandstiftung nimmt uns zum Teil mit öffentlichen Geldern unser Land weg." Daher haben sich Betroffene zusammengeschlossen. "Der Gedanke der Naturlandstiftung ist ja nicht verkehrt, brachliegende Stücke aufzukaufen und zu renaturieren. Aber das hat hier ungeheure Ausmaße angenommen", sagte Martin Müller aus Selbach.

Seit 1998 ist im Saarland der ökologische Ausgleich von Bauprojekten über ein Ökokonto möglich. Die 100-prozentige Tochterfirma der NLS, die Ökoflächen-Management gGmbH (ÖFM), war bundesweit Vorreiter bei der professionellen Vermarktung von Ökopunkten. Sie kauft Grundstücke, wertet sie ökologisch auf und erhält dafür Ökopunkte. Bauherren können diese Punkte kaufen und so Eingriffe in die Natur ausgleichen - wie es das Naturschutzgesetz vorschreibt. Schon mehrfach sah sich die NLS mit Vorwürfen von Naturschützern und Bauern konfrontiert, wirtschaftliche Eigeninteressen über ökologische Grundsätze zu stellen. Die Bauern stört vor allem, dass die ÖFM in großem Stil Ackerland aufkauft. Denn dieses ist günstig und leicht aufzuwerten. Sie ärgert es auch, wenn durch Kauf einzelner Flurstücke ihre Felder zerstückelt werden. Obwohl das "Grundstücksverkehrsgesetz" sie genau davor schützen sollte. Und das Umweltministerium gleichzeitig die Zusammenlegung landwirtschaftlicher Flächen fördert.

Die Bauern verlieren indes an Ackerfläche. Im Saarland habe der durchschnittliche Flächenverlust zwischen 2008 bis 2011 rund 7000 Quadratmeter pro Tag beragen, so Umweltminister Reinhol Jost (SPD ).

Einen "aggressiven Preiskampf" der gemeinnützigen Ökoflächenmanagement Gesellschaft mit beschränkter Haftung um das verbliebene Land beklagt der Bauernverband seit Jahren.

Nach eigenen Angaben ist die Stiftung mit rund 1800 Hektarn bereits der größte Landeigner an der Saar. Die Grundstückskäufe werden vom Umweltministerium bezuschusst - mit bis zu 90 Prozent. Minister Jost, qua Amt Vorstandsvorsitzender der NLS, wollte zu den Protesten keine Stellung beziehen und verwies an Eberhard Veith, Geschäftsführer der Stiftung und der ÖFM. Der war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Vorwürfe der Bauern wehrte er bereits zuvor ab: "Wir nehmen den Landwirten nichts weg."