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Kolumne
Mamas Zuhause aus dem Ramschregal

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Ein Füllhorn von Nutzlosigkeiten – und das Ganze auch noch käuflich zu erwerben. Ein Spaß für die ganze Familie. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Kennen Sie auch diese Läden? Rappelvoll bis unter die Decke – mit nichts. Und davon jede Menge. In solch einen Markt mit lauter Firlefanz habe ich mich treiben lassen. Ganz gegen meine Gewohnheiten. Doch bunte Plakate zogen mich wie magisch an. Dann stand ich mittendrin: umgeben von Nippes, so weit das Auge reicht.


In einem Regal stapelten sich Schachteln mit starren Hartplastik-Trinkhalmen. Jeder von ihnen zu einem Herz verdreht. Nur wofür sind sie nütze? Die deformierten Knickstellen waren so eng, dass dort im Leben kein Tropfen durchläuft. Mag der Nutzer auch noch so kräftig nuckeln.

In einer anderen Ecke entdeckte ich ein aufblasbares Plantschbecken, die Grundfläche so groß wie eine Zeitungsseite. Im Pappkarton beigelegt: drei hölzerne Fischlein,  jeweils mit Magnet versehen, und eine mickrige Angelrute. Was ich damit anfange? Das zeigt mir das Foto auf der Schachtel: Sollte ich mal länger am stillen Örtchen auf der Keramik verweilen, kann ich mir damit die Zeit vertreiben.



Während ich mich so umschaute und staunte, kicherte hinter mir hyänengleich ein Kerl wie ein Baum. Er malträtierte mit seiner Faust bestialisch einen Quetschball. Dabei traten winzige blutunterlaufene Augen aus der Oberfläche des Spielzeugs. „Wieso sollte man so was Hässliches in die Hand nehmen?“, fragte er seine Angetraute und wieherte immer noch vor Lachen. Mit süffisantem Lächeln antwortete sie: „Das weiß ich auch nicht“ – und packte mit Leibeskräften seine Schulter.

An anderer Stelle mit allerlei Krimskrams hielt ein Teenager eine Plastikvase. Darauf stand in geschwungenen Lettern der Aufdruck Urne. Das Mädchen schritt forsch zu seiner Mutter, just als sie stirnrunzelnd fransige Staubwisch-Pantoffeln begutachtete. Lauthals brüllte der Nachwuchs, die Urne haltend, durchs Geschäft: „Schau mal, Mama, dein neues Zuhause.“