Eine Siedlung im Wandel der Zeit

Arbeiten und Wohnen waren in der Kolonie am Burbacher Eisenbahn-Ausbesserungswerk einst eng verzahnt. Aber auch mehr als 15 Jahre nach der Werksschließung scheint die Siedlung für viele attraktiv.

Mit ihren Klinkerfassaden und kleinen Gassen wirkt die Kolonie noch heute ein bisschen wie aus einer anderen Zeit. Die Kolonie, so nannten Burbacher die 1906 entstandene Siedlung am ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerk. Heute ist sie auch als Pfaffenkopfsiedlung oder Siedlung am Füllengarten bekannt. Die Bahn baute die Häuser für ihre Mitarbeiter, die somit nur wenige Gehminuten von ihrer Arbeit entfernt waren. 28 Häuser umfasste die Wohnsiedlung von der Direktorenvilla bis hin zum 16-Familien-Haus für Arbeiter. Das geht aus einer Broschüre des damaligen Stadtverbandes hervor.

Karl Heinz Maas ist einer der wenigen ehemaligen Eisenbahner , die noch heute in der Siedlung wohnen. Mit seinen 80 Jahren kann er aus eigener Erfahrung vom Leben in der Kolonie erzählen.

"Zu der Zeit, als alles eins war", beschreibt Maas die damalige Gemeinschaft, "hat jeder seinen Garten bestellt, es war ganz ruhig, und die Kinder konnten auf der Straße spielen". Die Gärten seien für jedermann offen gewesen und als Abkürzungen genutzt worden - man habe sich ja gekannt. Noch heute sei die Wohnanlage schön. "Nur die Gemeinschaft fehlt", sagt Maas.

"Es war eine große Familie", beschreibt Günther Walter, der 1959 mit zehn Jahren in die Kolonie gezogen war, das Leben in der Siedlung. "Wir waren alle Eisenbahner . Jeder hat das gleiche Geld verdient." Die Häuser der Kolonie seien damals schon besonders gewesen und "für uns auch preisgünstig", sagt Walter. Doch jeder, der einziehen wollte, habe in die Werksfeuerwehr eintreten müssen, erzählt er.

Am 31. Oktober 1997 war dann Schluss im Burbacher Werk der Deutschen Bahn AG. Nach und nach verkaufte das Unternehmen seine Häuser . Vorrang galt den Mietern der Werkswohnungen, den ehemaligen Bahn-Beschäftigten. Karl Heinz Maas nahm das Angebot an. Er hatte bereits viel Geld in das Haus gesteckt, etwa ein Bad eingerichtet, sodass er es letztlich behalten wollte.

Günther Walter hätte sein einstiges Mietshaus für 40 000 Markt kaufen können, lehnte jedoch ab. 1996 wurde die gesamte Anlage des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerkes als Ensemble in die saarländische Denkmalliste eingetragen, sagt Presse-Referentin Marija Herceg vom Ministerium für Bildung und Kultur. Bei den Siedlungsbauten handle es sich um Mitglieder eines Ensembles. Demnach sollte das Aussehen der Häuser nach historischem Vorbild erhalten bleiben.

Ganz anders sehen hingegen die Häuser aus, die gleich an die Kolonie angrenzen. Moderne, kastenförmige Neubauten sind dort entstanden. Die ruhige Lage und das angrenzende Grün hat mittlerweile weitere Anwohner angelockt. Vor etwa zehn Jahren hat die städtische Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU) das Neubaugebiet erschlossen. Die Gesellschaft wirbt mit den Worten: "Ein kleines, modernes Wohnquartier mit freistehenden Einfamilien- und Doppelhäusern oder kleinen, kompakten Zeilen." Das Interesse sei jedoch von Anfang bei denjenigen größer gewesen, die schon vorher eine Verbindung zu Burbach hatten, die Burbach lebenswert finden, erzählt Christoph Vogt, Bereichsleiter Wohnen und Stadtentwicklung der GIU: "Burbach ist kein Standort, der sich selbst vermarktet." Doch durch eine günstige Marktsituation sei das Gebiet schnell interessanter geworden.

Die Schließung des Ausbesserungswerks war also nicht das Ende der Siedlung. Zwischen Klinkersteinen und Glasfassaden hat sie sich weiterentwickelt - mit Alteingesessenen und Zugezogenen.Die Bürgerinitiative "Sauberes Burbach " veranstaltet an diesem Samstag, 25. April, einen Kehrtag. Rund 20 Freiwillige haben sich bisher angemeldet, um ab 8 Uhr das Zentrum von Burbach zu reinigen. Der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) unterstützt die Aktion: Er stattet die freiwilligen Müllsammler mit Tüten, Zangen und Handschuhen aus und entsorgt den Müll. Gegen Mittag soll der Kehrtag dann in der Gaststätte "Haltestelle" ausklingen.

Wer helfen möchte, kann sich bei Johanna Biermeier melden, E-Mail: jomei@t-online.de, oder kommt einfach am Samstag zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr zum Treffpunkt vor der Gaststätte "Haltestelle" in der Bergstraße 6.