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Burbach in der Bundesliga

 Michael Schmeer und Thomas Frank trainieren für den TFC Braddock Burbach im Vereinslokal Check Point (v.l.). Foto: rich Serra
Michael Schmeer und Thomas Frank trainieren für den TFC Braddock Burbach im Vereinslokal Check Point (v.l.). Foto: rich Serra FOTO: rich Serra
Burbach. Ihr Fußball braucht kein Stadion, sondern stählerne Stangen, an denen knallharte Typen winzige Kugeln auf Hochgeschwindigkeiten bringen. Ein deutscher Topverein hat dicke Wurzeln in Burbach. Und ist stolz darauf. Patricia Müller

Elf Männer richten ihren Blick in eine Richtung elf weiteren Männern entgegen. Ihre muskulösen Oberkörper sind blau und rot bemalt. Mit geschlossenen Beinen stoppen sie immer wieder einen kleinen weißen Ball, tippen ihn mit ihren dicken Metallhacken fest an und schicken ihn dann über den verblassten mintgrünen Boden, über verbleichte weiße Linien, vorbei an anderen Männchen, so schnell, dass das bloße Auge ihn kaum noch sieht. Es knallt. Tor.

Einer der Spieler, die sich schon eine ganze Weile über den Tisch beugen, lässt die Griffe kurz los, wischt sich die Hände an seiner Jeans ab und fragt dann "Ja?". "Ja, fertig", sagt ein anderer, dann rollt der Ball wieder ins Feld des 1800 Euro teuren Tischkickers, der für seine drei oder vier Jahre schon viel älter aussieht, als er ist. Alle Hände sind zurück an den Griffen. Es ist kein dahinplätscherndes Spielchen. Es ist ein forderndes Training, zu dem sich die Männer und Frauen des Tischfußballclubs (TFC) Braddock Burbach getroffen haben. Der Verein spielt in der Bundesliga, war schon sechs Mal deutscher Meister und ist damit der bislang erfolgreichste saarländische Tischfußballverein.

Das, was viele als Zeitvertreib in Gaststätten kennen, zu dem viel Bier fließt, ist offiziell als Sport anerkannt, leistungsorientiert, mit Regeln, Schiedsrichtern und Spielerpässen. Etwa 7000 Saarländer besitzen laut Mitglied Thomas Frank einen solchen Pass. Zwischen 2500 und 3000 spielen aktiv. Nicht um reich zu werden. Frank Thomas hat, wie alle anderen auch, noch einen Brotberuf. Noch ist der Sport nicht bekannt genug, gibt es nicht genügend Sponsoren. In den USA könne man bereits als Profi nichts anderes tun als Kickern, sagt Frank. Derzeit untersuche sogar das Olympische Komitee, ob es Tischfußball als Disziplin aufnehmen wird.

Obwohl die Spieler des TFC Braddock Burbach schon länger nicht mehr in Burbach trainieren, tragen sie weiterhin den Namen ihrer Gründungsstätte in die weite Welt hinaus. Im Gasthaus Braddock trafen sich 1986 die ersten Begeisterten, die sich zusammenschlossen, besser wurden und heute sogar Gastspieler aus Holland und Luxemburg empfangen.

1988 wechselte der TFC Braddock Burbach den Trainingsort, spielte bis 2007 im Gasthaus Kunzler, das auch heute noch existiert, und zog schließlich mit Sack und Pack ins Gasthaus Check Point nach Altenkessel. Ein Spieler des TFC hatte sich dort als Wirt selbstständig gemacht.

Thomas Frank, der viele Jahre in Burbach gelebt hat, startete seine Tischfußball-Karriere in Ludweiler, bevor er zum TFC Braddock Burbach wechselte. Er erzählt, dass die Saarländer eine ganz besondere Schusstechnik anwenden, die neben "Jet" oder "Schieber" noch keinen Namen habe. Der 35-Jährige bestellt Kaffee statt Bier: "An einem Freitagabend übersteigt mein Deckel keine fünf Euro." Und der Kaffee werde oft kalt, wenn er erst mal am Kicker steht. Sechs bis sieben Frauen spielen auch bei Braddock. Sie sind "auf Augenhöhe", sagt Frank. Doch die Herren setzten sich oft durch, fährt er fort, weil man schon etwas Kraft brauche. Muskelkater nach einem anstrengenden Spieltag ist für Frank normal. So wie man das von Sport eben kennt.