Stadtteil mit dörflichem Charakter

Menschen fühlen sich wohl, wenn es schönen Wohnraum, Naherholung, gute Verkehrsanbindung und Einkaufsmöglichkeiten gibt. All das hat Burbach zu bieten. Und ein Bündnis sorgt seit fünf Jahren dafür, dass dieser Stadtteil noch lebenswerter wird. Doch was es erreichte, das ist jetzt gefährdet.

 Als das BID noch funktionierte, blühten in den Baumscheiben Tulpen. Aber wenn sich niemand kümmert, verwahrlost alles . Fotos: BID
Als das BID noch funktionierte, blühten in den Baumscheiben Tulpen. Aber wenn sich niemand kümmert, verwahrlost alles . Fotos: BID
Stadtteil mit dörflichem Charakter
 Siegfried Graber
Siegfried Graber
Stadtteil mit dörflichem Charakter
 Michael Momber
Michael Momber

Hundekot auf Gehwegen, gelbe Säcke auf Baumscheiben: Diese Bilder sollten der Vergangenheit angehören. Bis vor Kurzem reinigte eine vor fünf Jahren vom Bündnis für Innovation und Dienstleistung (BID) eingestellte Fachkraft das BID-Gebiet: das Ortszentrum aus Burbacher Markt, Bergstraße, Hochstraße und Burbacher Straße.

Doch eine Verlängerung des von Hauseigentümern finanzierten Modellprojektes, das im Februar ausgelaufen ist, hängt derzeit in der Schwebe.

Das Saarländische BID-Gesetz soll erneuert werden, und gleichzeitig klärt das Bundesverwaltungsgericht derzeit ein schwebendes Berufungsverfahren, erklärt BID-Koordinator Michael Momber.

Doch er ist "guter Dinge", dass ein zweites Bündnis entstehen wird. Der derzeitige Zustand lasse jedenfalls zu wünschen übrig. Burbach verfalle zurück in den Zustand, der vor fünf Jahren herrschte.

Michael Momber und seine Mitstreiter des Bündnisses arbeiten tatkräftig daran, dass Burbach lebenswerter wird. Mit 480 000 Euro, die in den fünf Jahren durch Abgaben der Hauseigentümer zusammenkamen, setzten sie vieles in ihrem geliebten Stadtteil in Bewegung.

Doch bereits zuvor gab es schon "sehr viele schöne Sachen hier", sagt Momber, der Burbach "noch aus seiner Blütezeit kennt". Was ihn schon immer fasziniert hat, ist, dass Burbach "ein Stadtteil mit dörflichem Charakter ist", mit regem Vereinsleben, guter Nahversorgung, allen Schulformen, Naherholung am Waldweiher und einer Reihe ausgezeichneter Geschäfte.

BID-Kollege Siegfried Graber ist mit acht Jahren ins Saarland gekommen, hat lange in Burbach gewohnt, lebt heute in Gersweiler, fand dann wiederum einen Geschäftsstandort für seine Firma Bigratec - mitten in Burbach . Einem womöglich schlechten Bild, das Auswärtige haben mögen, wollen sie entgegenwirken, sagen sie und nennen weitere Stärken.

Von den vielen ausländischen Mitbürgern zum Beispiel profitiere Burbach , sagt Graber. "Alle, die ich hier kenne, sind in aller Regel sehr anständig."

Fremdenhass gebe es "relativ wenig", sagt Michael Momber, und er vermutet die Ursache darin, dass durch die Montanindustrie schon viele Jahre zuvor Gastarbeiter zugezogen sind. Bestes Beispiel für die Multikulti-Freundlichkeit sei der Orientalische Markt, der in diesem Jahr in Burbach die sechste Runde geht.

Neue Ziele für das nächste Bündnis sind schon gefasst: Leerstandsverwaltung steht ganz oben. "Viele vermieten unrenovierte Ladenlokale", sagt Momber. Dabei könnten diese aber energetisch saniert und damit zukunftsfähig gemacht werden. Ein Berater soll Hauseigentümern künftig unter die Arme greifen. Die Schwierigkeit, Mieter zu finden, kennt Momber nur zu gut. Er sorgte vor einem Jahr dafür, dass sich der ID-Markt mit seinen Drogerieartikeln ansiedelte. Größere Ketten hätten in der Regel "utopische Standortanforderungen", die Burbach nicht erfüllen könne, sagt Momber.

Ein weiterer Schwerpunkt im neuen Bündnis soll der Umbau von Wohnungen in barrierefreien Wohnraum sein.

Außerdem reden die BIDler von einer Zusammenarbeit mit der Polizei , da die Bevölkerung durch Einbrüche derzeit sehr belastet sei. Und HTW-Studenten sollen in den Stadtteil gelockt werden. Denn die erschwinglichen Mieten und die gute Nahverkehrsanbindung machten Burbach auch für Studenten attraktiv.