Burbach früher, Burbach heute

Was in Burbach über die Jahre geschehen ist, hält Julius Roth in den „Daten zur Burbacher Chronik“ fest. Aber was hat sich wirklich in dem Stadtteil verändert? In einem Gespräch erzählt er von den Unterschieden zwischen früher und heute.

Julius Roth lebt noch heute in dem Haus in der Burbacher Seebohmstraße, in dem er 1936 geboren wurde. "Früher waren die Häuser hier eingeschossig", erzählt er, in seinem Arbeitszimmer sitzend. Der Burbacher kennt viele Geschichten aus seinem Heimatort. Doch von Märchenonkel fehlt hier jede Spur: Auf dem alten Dielenboden steht ein runder Konferenztisch, darauf ein Locher, ein Tacker, Stifte, griffbereit. Kein Ohrensessel mit verzierten Lehnen und hohem Rückenteil rahmt den Mann ein. Er hat es sich auf einem schwarzen Schreibtischstuhl bequem gemacht. Vor ihm liegen zwei Bücher; sein Name steht darauf. Er hat die Geschichte des Stadtteils in zwei Chroniken erfasst.

Burbach damals und Burbach heute - Julius Roth hält fest: Die Sozialstruktur habe sich besonders verändert. "Früher kamen Leute montags von der Eifel und aus dem Hunsrück zum Arbeiten nach Burbach. Das waren für uns ‚die Ausländer'", erzählt er. Als dann tatsächlich Menschen von außerhalb Deutschlands zuzogen, nannten sie sie Gastarbeiter, "aber das waren relativ wenige", erinnert sich Roth.

Viele Jahre später, am Stichtag 31. Dezember 2012, zählte die Stadtverwaltung 2742 Ausländer in Burbach. Das macht fast 19 Prozent der Burbacher Bewohner aus.

Der Burbacher erinnert sich auch noch an Zeiten, in denen im Viertel oberhalb der Bahnschienen niemand die Türen abschloss. Er erzählt von freundschaftlichen Nachbarschaftsverhältnissen, Fremden, die zum Essen kamen, Freiwilligen, die bei Umzügen halfen, von Kehrtagen an Samstagen ab halb zehn Uhr morgens. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich das schlagartig geändert: In zerbombten Häusern suchten Burbacher nach Überlebensnotwendigem wie Holz zum Heizen oder Hasen zum Essen. So sei das Misstrauen gewachsen, erzählt Roth, und als alles wieder aufgebaut war, hätten die Anwohner ihre Türen versperrt.

Er redet vom Kappeseck und vom Hexenhäuschen, schließt zwischendrin kurz die Augen, hebt den rechten Zeigefinger und, als würde sein nächster Satz in der Luft geschrieben stehen, tippt er die Wörter nacheinander an. "Für die alten Häuser sind junge Familien kaum noch zu begeistern", sagt er. Die Räume seien einfach zu klein. Heute bräuchten wir viel mehr Platz für weniger Menschen. Die Statistik der Stadt besagt, dass Ende 2012 durchschnittlich 1,9 Personen auf eine Wohnung kamen. Insgesamt gab es 7867 Wohnungen in Burbach. Früher war das anders: Es gab 6131 Wohnungen und in einer lebten im Durchschnitt 3,2 Personen.

Die Arbeitslosigkeit ist über die Jahre stark gestiegen: 1596 Menschen waren laut Statistik der Stadt Saarbrücken Ende 2012 arbeitslos. Ende 1951 hingegen waren es bei höherer Bevölkerungszahl in Burbach nur 524 Personen in ganz Saarbrücken. Julius Roth hält in seiner Chronik allerdings auch eine sehr hohe Arbeitslosenzahl fest: 1987 habe eine Volkszählung 22,8 Prozent Arbeitslose in Burbach ergeben.

Julius Roth bedauert außerdem sehr, dass die kleinen Geschäfte nicht überlebt haben. Früher habe es sieben Läden oberhalb der Bahnschienen gegeben. Heute fahren Burbacher mit ihren 5975 Autos, die dort laut Stadt-Statistik gemeldet sind, zum Einkaufen woanders hin.

Als Besucher-Magnet sieht Roth die Feste an den Saarterrassen . Doch leider seien die Stände dort nicht mehr von Einwohnern, wie einst auf der Burbacher Kirmes, die von Vereinen organisiert worden sei, sagt er. Roth hat auch eine Erklärung für das Aussterben von Burbacher Tradition. Im Zweiten Weltkrieg seien viele Väter gefallen und mit ihnen viele Traditionen.

Und noch etwas fällt ihm, der seinen Heimatort sehr mag, ein. Burbach, sagt Julius Roth, sei dort attraktiv, "wo sich Privatleute oder Vereine um die Sauberkeit kümmern."

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HintergrundIn Julius Roths "Daten zur Burbacher Chronik" hält der Autor Ereignisse im Stadtteil fest, oft auf den Tag genau:Heute vor 122 Jahren (1893): Die Schwestern beginnen ihr segensreiches Wirken in der Krankenpflege (1. Sozialstation) in Burbach. Sie wohnen in dem kleinen Häuschen in der Bergstraße 6, das die gelähmte Frau Bito ihnen mit der Auflage überlässt, sie lebenslänglich zu betreuen. Heute vor 76 Jahren (1939): Die Statue Bruder Konrad wird in der Herz-Jesu-Kirche aufgestellt.Heute vor 33 Jahren (1982): In der Herz-Jesu-Kirche kommt der Hochaltar aus Kesten an. red