Andreas Windhuis spielt nicht nur bei ARD, ZDF und RTL

Saarbrücker Schauspielschule : „In den 90ern wurde gedreht wie verrückt“

Andreas Windhuis spielt nicht nur Film, Fernsehen und Theater. Er hat auch eine Schauspielagentur und kommt regelmäßig zum Ophüls-Preis.

So stramm hat man sich den Arbeitsalltag eines Schauspielers irgendwie nicht vorgestellt. Wie immer sitze er schon seit halb acht Uhr im Büro, um erste Anfragen zu beantworten und Flüge zu organisieren, sagt Andreas Windhuis am Telefon. Gleich müsse er zur Kostümprobe für einen Film, den er im September drehe, und danach noch bei einem Dreh vorbeischauen, bei dem einer seiner Klienten heute verprügelt werde. Klienten?

Er arbeite nicht nur als Schauspieler, er betreibe auch eine eigene Schauspieler-Agentur, mit 50 Klienten von Jochen Busse bis Michael Schmitter und Mehmed Yilmaz, die er betreue, klärt Windhuis auf. „So kann ich immer auch ein bisschen von außen auf die Branche gucken, ich habe ständig mit Castern, Autoren und Regisseuren Kontakt“, erklärt der 57-Jährige, warum ihm diese Kombination gefällt.

Eigentlich wollte Windhuis, der aus dem kleinen Ort Alpen am Niederrhein stammt, Krankenpfleger werden. Als er während der Ausbildung in Düsseldorf anfing, abends ins Theater zu gehen, tat sich eine ganz neue Welt auf. Die Folge: Windhuis sagte der Klinik Ade und ging auf die klassische Schauspielschulen-Vorsprechtour.

Man wollte ihn sogar in Zürich, aber weil er im Ausland kein Bafög bekommen hätte, nahm er das Angebot aus Saarbrücken an. Ja sicher, die Schule war klein, hatte nicht den besten Ruf, und weil in Saarbrücken nicht viel los war, fuhr man in den Semesterferien oft nach Hamburg, Köln und Frankfurt, um den Theaterhorizont zu erweitern und Kontakte für später zu knüpfen.

Doch Windhuis verbindet auch viele positive Erinnerungen mit den Studienjahre 1984 bis 1988: Der Schauspielstudent verliebte sich in eine Musikstudentin, wurde in Saarbrücken zum ersten Mal Vater, fand Freunde fürs Leben und erhielt hier auch seine erste kleine Filmrolle. „Im Tatort mit Jochen Senf war ich Polizist, man bekam dafür 500 Mark pro Drehtag, das war viel Geld“, sagt Windhuis.

Polizisten, Kriminalkommissare hat der Schauspieler seitdem noch sehr häufig gespielt. Nach drei Jahren Anfänger-Engagement am Theater Augsburg entschied sich Windhuis fürs freie Arbeiten und zog bald nach Köln. Dort besetzte der bekannte iranische Theatermann Ali Jalaly 1996 Windhuis in seiner freien Produktion „Barfuß, Nackt, Herz in der Hand“ als Gastarbeiter Ali, dessen Familie Opfer des Solinger Brandanschlags wurde. Es wurde ein Riesenerfolg. „Es war schrecklich absurd, je mehr Asylantenheime angesteckt wurden, desto häufiger haben wir das Stück gespielt und auch in andere Städte verkaufen können“, erinnert sich Windhuis.

Das brachte den Schauspieler auf die Idee, nebenbei eine Theatergastspiel-Agentur zu eröffnen. Das erwies sich zwar als „Schnapsidee“, doch dafür wurde er in der Schauspiel-Agentur, in der er sich ein Büro untergemietet hatte, schon bald unentbehrlich. „In Köln wurde in den 90ern gedreht wie verrückt, das Telefon klingelte pausenlos“.

Auch als Schauspieler war Windhuis da in der Kölner Medienhochburg schon ziemlich gut im Geschäft, hatte bei ARD, ZDF, RTL pro Jahr an die acht bis 13 Filmdrehs. Hinzu kamen jede Menge (Krimi-)Serien, wie „Der Fahnder“, „Countdown“, „Die Camper“ und „Die Anrheiner“, in denen er über Jahre in Hauptrollen mitwirkte, dazu Episodenrollen in Tatorten, Sokos, Wilsberg, Bella Block und hin und wieder Kinofilme.

2002 startete Windhuis parallel dazu seine eigene Schauspieler-Agentur. Dann begegnete er der Frau seines Lebens, zu zweit gründeten sie 2008 ihre heutige Agentur Windhuis und wagten 2011 den Umzug nach Hamburg. „Es hätte auch schief gehen können“, sagt Windhuis zu dem Standortwechsel. Doch nun, wo die Kinder hier zur Schule gingen, wolle man nicht wieder weg.

Nach Saarbrücken kommt der Agent Windhuis regelmäßig jedes Jahr einmal: um „seine“ Schauspielerinnen und Schauspieler zu ihren Filmen beim Festival Max Ophüls Preis zu begleiten, die Branche zu treffen und vor allem Henk Nuwenhoud, seinen früheren Dozenten aus der Schauspielschule, der ihm einer seiner liebsten Freunde geworden sei.