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Grubenwasserflutung
Quierschieder sehen geplanten Grubenwasseranstieg skeptisch

Merchweiler. Von Patric Cordier

Die Verunsicherung der über 830 Besucherinnen und Besucher der Informationsveranstaltung zum Thema Grubenflutung am vorigen Montagabend in der Allenbachhalle in Merchweiler war förmlich greifbar (die SZ berichtete). Die in den letzten Wochen die Runde machenden Horrorszenarien haben Spuren hinterlassen, Ängste geschürt. „Die Menschen sind verunsichert“, sagte Udo Schneider von der SPD aus Fischbach. Er war einer von zahlreichen Quierschiederinnen und Quierschiedern, die den Weg nach Merchweiler auf sich genommen hatten, um sich möglichst weitreichend zu informieren. „Man hat von der Landesregierung leider wenig bis gar nichts zu diesem Thema erfahren“, so Schneider weiter. Gemeinderatskollege Udo Gröner war früher selbst Bergmann. „Dennoch habe ich das vorliegende Gutachten nicht in Gänze verstanden“, sagte der Göttelborner, „wichtig ist mir die Frage, wie künftig mit möglichen Schäden umgegangen wird. Fallen sie unter das Bergrecht? Und wer trägt die Beweispflicht?“


Die Fragen anderer Besucher gingen noch deutlich weiter. Neben den Sorgen um Hab und Gut bestanden ernstzunehmende Ängste um Leib und Leben. Gerade vor dem Hintergrund einer möglichen verstärkten Ausgasung des explosiven Methangases erhoffte man sich eine realistische Einschätzung des Gefahrenpotenziales.

Experte Professor Dr. Jürgen Wagner bemühte sich dann auch nach Kräften, seine 440 Seiten starke Studie allgemein verständlich zusammenzufassen. Das gelang jedoch nur teilweise. Zu komplex ist die Thematik, zu schwer nachvollziehbar für den Laien die Zusammenhänge zwischen verringerter Spannung in feuchten Spalten, Fließgeschwindigkeit von Teilchen, des Auswirkungen von Brüchen. „Es war sehr anstrengend“, sagte Sabine Kugler aus Camphausen nach dem gut 75 minütigen Vortrag, „man kann als Laie nicht alles verstehen, aber ich bin jetzt schon schlauer als vorher.“

Wagner konnte und wollte die Frage nach der Flutung nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten, er wollte Entscheidungshilfen geben. „Der Vortrag hat für mich gezeigt, dass es kein einfaches „Richtig“ oder „Falsch“ bei der Bewertung über eine mögliche Genehmigung der Grubenflutung gibt“, sagte Timo Flätgen von der Quierschieder CDU, „es gibt Risiken bei einem Grubenwasseranstieg, es gibt aber auch Risiken zum Beispiel hinsichtlich möglicher Erschütterungen, wenn alles so bleibt wie es ist“.

Ein großes Problem stelle nach Ansicht vieler Anwesender dar, dass Wagners Gutachten lediglich die Auswirkungen eines Grubenwasseranstiegs auf -320m NN untersucht. Denn während die Auswirkungen der ersten Flutungsphase wahrscheinlich noch verhältnismäßig gering sind, könnte ein völliges Abschalten der Pumpen weitaus schwerwiegender sein. „Die sogenannte Phase zwei ist eine ganz andere Hausnummer“, sagte der Experte und forderte darum: „Man muss nach Phase eins auch aufhören können.“ Zumal ein erneutes Anwerfen der Pumpen zwar wohl mit einer gewissen Verzögerung wieder zur Herstellung des Jetzt-Zustandes führt, entstandene Schäden aber nicht ungeschehen macht.



Schon jetzt werden täglich über 60 Tonnen Salze über das Grubenwasser in die Saar geleitet. Auch über den Fischbach. Dass diese künftig verstärkt mit weitaus schlimmeren Giftstoffen wie PCB, Asbest oder Formaldehyd belastet wären, scheint nur in Phase eins unwahrscheinlich. „Darum war die Entscheidung des Gemeinderates, kein Einvernehmen zur Grubenflutung herzustellen nachvollziehbar und richtig“, sagte Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer, „die Landesregierung wird nun den vorgelegten Einsprüchen nachgehen müssen“. Die Diskussion um die Folgen einer möglichen Grubenflutung werden auch nach Ende der Einspruchsfrist am 15. Januar weitergehen.