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Grubenwasser
Räte beschäftigen sich mit Grubenwasser

Quierschied/Sulzbach/Saarbrücken. Der Quierschieder Gemeinderat ist gegen die geplante Grubenflutung. Sulzbach tut sich schwer. Von Patric Cordier und Michèle Hartmann

Der vom Bergbaukonzern RAG gewünschte Anstieg des Grubenwassers beschäftigt zurzeit die politischen Gremien im Saarland. Die Beschlussfassung des Gemeinderates Quierschied war einstimmig: Er spricht sich gegen einen vorgesehenen Grubenwasseranstieg auf 320 Meter unter Meeresniveau aus. „Aufgrund der vielen Unwägbarkeiten, die für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Quierschied eine Gefahr für Gesundheit und Eigentum darstellen können, werden wir als Gemeinde Quierschied das Einvernehmen zum Abschlussbetriebsplan unter Tage – zentrale Wasserhaltung Reden, Duhamel inklusive Nordschacht – nicht herstellen“, formulierte Bürgermeister Lutz Maurer offiziell.



Der Verwaltungschef hatte zuvor verschiedene Punkte zusammengetragen – auch von insgesamt acht Quierschiederinnen und Quierschiedern, die ihre Bedenken und Sorgen der Gemeinde vorgelegt hatten. Es geht um Bodenbewegungen an der Oberfläche, um Beeinträchtigung der Grund- und Trinkwasserqualität oder um den Austritt von verschiedenen Gasen. Das von der RAG vorgelegte Gutachten bestätige die Bedenken mehr, als dass es sie zerstreue. „Professor Wagner belegt Befürchtungen, dass es infolge des Grubenwasseranstiegs zu erneuten Bergschäden kommen kann, einmal durch die Erschütterungen“, zitierte Gernot Abrahams (Freie Wähler) sowohl aus dem Gutachten als auch aus einer Info-Veranstaltung zum Thema, die er in Völklingen besucht habe: „Diese Erschütterungen werden definitiv häufiger auftreten als ohne Grubenwasseranstieg.“ Der Sachverständige rechne mit einer Hebung zwischen 3 und über 16 Zentimetern. Abrahams: „Wagner sagte wörtlich: Hebungen werden kommen! Einen Hüpfball drücken Sie auch nicht unter Wasser.“

Eine weitere Umweltgefahr gehe vom enormen Salzeintrag in die Saar aus. Man erwarte bis zu 60 Tonnen täglich. Abrahams, selbst früher Bergmann und Rettungsassistent, warnte vor dem vermehrten Austritt von Methangas und Radon: „Radon gilt als ein Verursacher von Lungenkrebs. Bei einer Methangasexplosion in Saarbrücken gab es vor ein paar Jahren Verletzte. Niemand kann sagen, wo diese Gase zu Tage treten werden. Wir sind hier nicht das Versuchskaninchen der RAG.“ So eindeutig das Abstimmungsergebniss am Ende, so differenziert war die Diskussion im Rat. „Man kann Teile des Gutachtens durchaus positiv interpretieren“, meinte Stephan Schmidt von der SPD, „gewisse Stoffe sind schwerer als Wasser. Bei einer Anhebung der Wasserhöhe würden sie absinken. Das bedeutet, das Wasser wäre sauberer als bisher.“ Schmidt verwies darauf, dass schon heute etwa 1,7 Millionen Liter Grubenwasser ungeklärt in den Fischbach gepumpt würden. „Schon das derzeitige Abpumpen bringt Giftstoffe an die Oberfläche. Deren Konzentrationen sind bekannt.“ Der breiten Öffentlichkeit aber nicht.

Auch der Saarbrücker Stadtrat hatte in einer Sitzung Anfang Dezember auf Antrag der Grünen einstimmig gegen die Grubenflutung gestimmt. Er schätzt den geplanten Anstieg als Gefährdung für Mensch und Umwelt ein.

In seiner letzten Sitzung diskutierte ebenfalls der Sulzbacher Stadtrat das Thema. Steffen Banuat, Leiter des Bauamtes stellte voran, dass das Thema sehr komplex sei und man profunder Kenner dessen sein müsse, was sich im Untergrund abspielt, um die Materie gänzlich zu verstehen. Bedenken äußerte Banuat in Bezug auf möglicherweise zu erwartende, nicht gleichmäßige Hebungen – und zwar in Hinblick auf Gebäudeschäden. Viele Privatleute hätten seinerzeit auf Bergschadensersatz verzichtet, diesbezüglich verlange die Stadt Sulzbach von der RAG eine klare Stellungnahme, ob und wie künftig auftretende Schäden beglichen werden. Bürgermeister Michael Adam meinte, dass es nicht sinnvoll sei, Ängste hinsichtlich des Themas Grubenflutung zu schüren. Er wies deutlich darauf hin, dass das Saar-Wirtschaftsministerium, dem das Oberbergamt in Reden unterstellt ist, dem Ansinnen des RAG-Konzern niemals stattgeben werde, wenn Gefahr für Leib und Leben zu erwarten sei.

Zum Hintergrund: Der Bergbaukonzern RAG stellte beim Oberbergamt Landsweiler-Reden einen Antrag, die Gruben in Dehamel und Reden auf -320 Meter vollaufen zu lassen. Betroffen von dem Vorhaben wären rund 600 000 Saarländer in 30 Kommunen (wir berichteten überregional). Noch bis 15. Januar kann jeder Bürger, der durch das Vorhaben betroffen sein könnte, Bedenken beim Oberbergamt vorbringen.