Der Sommer fährt Achterbahn

Quierschied · Der Quierschieder Hobby-Wetterkundler Dominik Eder, hauptberuflich Chemie-Techniker bei einem Göttelborner Unternehmen, hat sich Gedanken über unsere Sommer gemacht. Nachfolgend seine Betrachtungen, die ganz erstaunlich sind.

 Ein Sonnenuntergang bei herrlichem Wetter bleibt in der Erinnerung. Foto: Dominik Eder

Ein Sonnenuntergang bei herrlichem Wetter bleibt in der Erinnerung. Foto: Dominik Eder

Foto: Dominik Eder

,,Wann wird's mal wieder richtig Sommer? Rudi Carrell stellte schon 1975 in dem gleichnamigen Lied die Frage, die ganze Generationen jedes Jahr auf ein Neues beschäftigt.

Anfang Juni war es teilweise sogar über 30 Grad heiß. Es war ein regelrechter Startschuss, um die Erwartungen an den Sommer 2014 nach oben zu schrauben. Nun, wo die Sommerferien im Saarland begonnen haben, trifft viele die Ernüchterung. Erwarten wir zu viel?

Dem Deutschen Wetterdienst liegen Messreihen ab dem 18. Jahrhundert vor. Damals endete gerade die ,,Kleine Eiszeit". Die Jahres-Durchschnittstemperaturen stiegen langsam bis 1940 an, dann folgte nochmals eine leichte Abkühlung bis 1970 und in den letzten 40 Jahren eine besonders kräftige Erwärmung. Mit Sicherheit lässt sich also sagen, dass es in Deutschland im Durchschnitt seit Beginn der Wettermessungen noch nie so warm war wie in den letzten Jahren.

Betrachten man nur die einzelnen Sommermittelwerte der Monate Juni bis August in Deutschland, können wir folgendes feststellen: Die Jahre 1826 und 1834 erreichten eine durchschnittliche Temperatur von je 18,4 Grad Celsius und waren daher besonders warm. Im Jahr 1816 wurde mit nur 14,1° C im Mittel der kälteste Sommer der vorliegenden Messreihe registriert. Dieses Jahr ist auch als ,,Jahr ohne Sommer" bekannt geworden. Aufgrund eines Vulkanausbruchs (Tambora auf Java im heutigen Indonesien) wurden große Staubmengen in die Stratosphäre befördert, die die Sonneneinstrahlung über viele Monate verringerten. 1947 gab es mit einer Mitteltemperatur von 18,5 ° C den zweitwärmsten Sommer seit Beginn der Wettermessung. Damals gab es, bedingt durch seine große Trockenheit, Probleme in der Landwirtschaft und mit der Wasserversorgung in großen Teilen Deutschlands.

Betrachtet man die Jahrzehnte ab 1960, so kann man feststellen, dass der Temperatur-Mittelwert des Sommers stetig angestiegen ist und wir heute bereits 1,1 Grad über dem damaligen Durchschnitt liegen. 2003 übertraf der Jahrhundertsommer mit seiner extremen Hitzewelle bei einer Mitteltemperatur von 19,7° C alle bisherigen Sommer der Zeitreihe bei Weitem. Schaut man sich die bisherigen Monate dieses Jahres an, fällt wirklich jeder Monat eindeutig zu warm aus. Im Schnitt liegen wir bisher 2,3° C über dem langzeitigen Mittelwert. Besonders die ersten Monate des Jahres waren mit rund drei Grad über dem Mittelwert eindeutig zu warm. Was den Regen betrifft liegen wir im Saarland bisher immer noch unter dem Sollwert. Dies liegt vor allem an den Monaten März, April und Juni, die nicht einmal die Hälfte des jeweiligen langjährigen Mittels geschafft haben.

Doch gerade die letzten Monate haben gezeigt, dass wir wettertechnisch Achterbahn fahren. Trockenheit und Hitzeperioden, gefolgt von Starkniederschlag und kräftigen Abkühlungen. Die Klimaforscher schlagen schon lange Alarm und auch der Weltklimarat geht davon aus, dass die Temperaturen häufiger extrem ausfallen werden als zuvor. Starkregenereignisse und schwere Gewitter, sogar mit der Bildung von Tornados , nehmen in ihrer Häufigkeit zu. Bisher gab es in Deutschland alleine dieses Jahr 16 bestätigte Tornados und 129 Verdachtsfälle. Der letzte uns bekannte Tornadofall im Saarland wurde im Jahr 2010 in Losheim registriert. Dem Wetterbericht an sich und der Verbreitung von Informationen über Wettergefahren kommt eine eine immer größere Bedeutung zu. Dabei kann jeder Saarländer für sich selbst den besten Wetterdienst aussuchen - dann wird auch dieser Sommer in guter Erinnerung bleiben.

wetterstation-Saar.de