1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Püttlingen

Wechsel in Püttlingen – Denise Klein (SPD) wird Bürgermeisterin

SPD verdrängt CDU von der Rathausspitze : Wechsel in Püttlingen – Denise Klein (SPD) wird Bürgermeisterin

Die Rathausspitze wird erstmal sozialdemokratisch und weiblich. Denise Klein erhielt 53,7 Prozent der Stimmen.

Der Wahlkrimi blieb aus – aber vielleicht auf andere Art, als von manchen vermutet. Denise Klein (SPD) erzielte bei der Bürgermeister-Stichwahl in Püttlingen einen klaren Start-Ziel-Punktsieg gegenüber dem CDU-Bewerber Edmund Altmeyer.

Pfingstsonntag, 18 Uhr: Die CDU-Sympathisanten sitzen im Mehrgenerationenhaus, die SPD-Anhänger 100 Meter daneben in ihrem Zukunftsladen. Seit Johann Pickard (1868) hat es in Püttlingen nur männliche Bürgermeister gegeben, noch nie eine Frau und ebensowenig jemanden von der Sozialdemokratie.  Das Prickeln, eine Viertelstunde vor Schließung der Wahllokale, war mit Händen zu greifen. Klein: „War mit den Hunden spazieren, dann beim Edelweißfest, hab den Nachmittag mit der Familie verbracht. Natürlich bin ich aufgeregt“, sagt Denise Klein

Das ist auch Altmeyer. Auch er suchte beim Edelweiß den Bürgerkontakt, und die Ruhe im Kreis der Familie. Gegen 18.10 Uhr wird es ernst. Das Wahllokal Kita Schlösschen zählt am schnellsten von allen 21 Püttlinger Wahlbezirken die Stimmen aus – 48,5 Prozent entfallen auf  Altmeyer, 51.5 Prozent auf Klein. Verhaltener Jubel bei den Roten,  bedenkliche Mienen bei den Schwarzen. Der Trend setzt sich fort, positiv für Klein, negativ für Altmeyer.

Nach 17 ausgezählten Stimmlokalen liegt, um 18.24 Uhr, die SPD-Kandidatin mit über 17 Prozentpunkten vorne. „Muss noch nichts heißen“, verbreiten die CDU’ler letzte Hoffnung, „es folgen noch vier Briefwahlbezirke.“ Dazu muss man zweierlei wissen: Noch selten haben bei vergangenen Wahlen so viele Menschen von der Briefwahl Gebrauch gemacht; gestern waren es beinahe genau die Hälfte der Wählerschaft. Und in den Vergangenheit hat die CDU Püttlingen in Briefwahlbezirken meistens Mehrheiten erhalten. So auch dieses Mal, indes: Den großen Vorsprung der SPD-Bewerberin konnte auch diese Tatsache nicht mehr erschüttern.

Am Ende erhielt Edmund Altmeyer 4109 gültige Stimmen von insgesamt 15 737 Wahlberechtigten. Dies entspricht einem Stimmenanteil von 46,3 Prozent. Denise Klein gaben 4759 Bürger ihre Stimme, in Prozenten sind dies 53,7. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,8 Prozent, im Vergleich zur Landeshauptstadt Saarbrücken ein durchaus akzeptables Ergebnis.

„Edmund, du hast alles richtig gemacht. Wenn der Bürger die Entscheidung so will, muss man es  akzeptieren“, tröstet Norbert Rupp, Weggefährte von Altmeyer. Der gibt sich als fairer Verlierer, eilt unverzüglich zur SPD-Zentrale und gratuliert der künftigen Verwaltungschefin mit den Worten: „Ich wünsche dir eine glückliche Hand bei der zukünftigen Gestaltung von Püttlingen.“

Denise Klein gibt sich diplomatisch: „Die gestalten wir gemeinsam.“ Und freut sich, mit großem Anhang, riesig: „Tolles Ergebnis, jetzt kann ich meine Visionen von einer lebens- und liebenswerten Stadt verwirklichen.“ Ihr Mann Michael freut sich auch: „Wir sind im Wahlkampf dreihundertausend Schritte von Haus zu Haus gelaufen. Ich bedanke mich bei allen Helfern in der Partei, die dieses tolle Ergebnis mit ermöglicht haben.“

Wenn, wie erwähnt, die zukünftige Bürgermeisterin der Köllertalstadt an die Teamfähigkeit ihres Konkurrenten appelliert, dürfte dies auch mit den Mehrheitsverhältnissen im kürzlich gewählte Stadtrat zu tun haben. Dort verfügt die CDU-Fraktion nach wie vor über 15 Sitze, während die SPD lediglich elf Vertreter in den Rat schickt.  Hinzu kommen je zwei Sitze für die Fraktionen  der Linken, der Grünen und der AfD“ (mit der die SPD erklärtermaßen nicht zusammenarbeiten will)   sowie einen weiteren Platz für Marc Oehlenschläger von der Freien Wählergemeinschaft.

Für Edmund Altmeyer (CDU) hat es nicht für den Chefsessel im Rathaus gereicht. Foto: Andreas Engel

Das Fazit des langen Wahlabends zog schließlich Tanja Friedrich, Stadtverbandsvorsitzende der SPD: „Mir honns geschaffd. Jetzt wird erst mal gefeiert.“ Trotz Niederlage gab sich auch Edmund Altmeyer gelassen: „Wir befinden uns seit Monaten im Wahlkampfmodus. Damit ist heut’ Abend erst mal Schluss. Danach schauen wir, was die Zukunft bringt.“