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Tomatenanbau im Warndt
Das Tomaten-Projekt ist jetzt fast reif

Blick übers Karlsbrunner Feld zum alten Warndtschacht. Statt Getreide könnten dort künftig, unter Glas, Tomaten und Paprika wachsen.
Blick übers Karlsbrunner Feld zum alten Warndtschacht. Statt Getreide könnten dort künftig, unter Glas, Tomaten und Paprika wachsen. FOTO: BeckerBredel
Karlsbrunn. Auf dem Karlsbrunner Feld ist ein Riesen-Gewächshaus geplant. Ein Investor stehe parat, sagt Flächen-Eigentümer Albert Winzent. Von Doris Döpke

Vor zwei Jahren war von dem Projekt schon mal die Rede. Öffentlich: Bei einem Bürger-Informationsabend wurde der Plan  ausführlich vorgestellt. Er fand bei den Zuhörern viel Anklang. Doch  erstmal wurde nichts draus; ein potenzieller Partner, der zunächst „vielleicht“ gesagt hatte, entschied sich schließlich gegen ein Engagement im Warndt. Aber Albert Winzent, Chef der Neuen Energie Saar, die sich in Karlsbrunn um die Vermarktung früherer RAG-Flächen müht, ist drangeblieben. Und hat nun, wie er sagt, einen Investor gefunden, der das Vorhaben in die Tat umsetzen will.


Ein ehrgeiziges Projekt: Auf dem Karlsbrunner Feld, direkt angrenzend an die Tagesanlage der ehemaligen Grube Warndt, soll ein riesiges Gewächshaus entstehen. Auf zehn Hektar unter Glas – das sind mehr als 14 Fußballfelder – soll Gemüse wachsen, Tomaten, Paprika, Auberginen. In einer Anbauform, die dank ausgeklügelter Technik Regen- statt Leitungswasser nutzt, wenig Energie verbraucht und ohne chemische Schädlingsbekämpfung auskommt – Nützlinge genügen. 70 Menschen könnten in der Anlage Arbeit finden, ganzjährig, betont Winzent, keine Saisonarbeit, und gerechnet seien Vollzeit-Jobs.

Beim Handel gebe es genug Interesse an Gemüse aus lokaler Produktion, das  frisch und ohne lange, teure Transporte in die Läden kommt; das hatte Winzent bereits vor zwei Jahren ausgelotet. Fehlte nur noch ein Gärtner-Profi, der „die Größenordnung kann“. Erstens fachlich. Zweitens vom Investitionsvolumen her. Das ist beachtlich: Pro Quadratmeter Gewächshausfläche müsse man mittlerweile rund 200 Euro veranschlagen, sagt Winzent, es geht also um etwa 20 Millionen Euro.  Diese Summe wolle sein jetziger Partner, dessen Namen er noch nicht nennen will, hineinstecken in das Projekt. Und der Gärtner habe seinen Finanzierungsplan bereits fertig, „wir könnten morgen zur Bank gehen“. Der Partner werde allerdings erst  zur Tat schreiten, „wenn die Rahmenbedingungen stimmen“. Das betreffe die rechtliche und technische Vorbereitung auf der Fläche – diesem Part widmet sich Winzent als Grundeigentümer.

Was das heißt? Groß-Gewächshäuser seien erst ab zehn Hektar Größe rentabel (wobei da In­frastruktur eingerechnet sei, von Büro- über Sozial- bis zu Kühlräumen). Aus Kostengründen baue man sie in simpler Form, es müsse also ein Zehn-Hektar-Rechteck auf die Fläche passen. Nicht ganz einfach in Karlsbrunn: Die bestehende Hochspannungsleitung dürfe nicht unterbaut werden, „da müssen wir fünf Meter weg bleiben“. Der Westrand des Karlsbrunner Feldes eigne sich  wegen Hanglage nicht fürs Glashaus, das topfebenen Untergrund benötigt. Bei der Positionierung des Neubaus brauche man daher Zusatzfläche, ein Stückchen Saarforst-Wald – und Umweltminister Reinhold Jost (SPD) habe mittlerweile Wald-Verkäufe untersagt. Diese Hürde hofft Winzent mit einem Flächentausch zu überwinden. Zumal Naturschutzfragen keine Rolle spielen: Das neue Naturschutzgebiet Warndt endet am Waldweg, der den bewussten Streifen vom Rest-Warndtwald trennt; die fürs Gemüse benötigte Wald- „Nase“ gehört nicht dazu. In dieser Woche, berichtet Winzent, stehe ein Gespräch mit Minister Jost im Kalender.

Kleinere Flächen des Karlsbrunner Feldes sind außerdem in privater Hand. An ihre Eigentümer, hatte Winzent vor zwei Jahren erklärt, wolle er erst herantreten, wenn das Projekt konkrete Gestalt annehme.  Ist das inzwischen geschehen? Nein, sagt Winzent, da stünden Gespräche noch aus. Es seien wohl auch nicht alle Eigentümer verkaufsbereit. In diesem Fall hofft er, Flächen pachten zu können; langfristige  Verträge, über 20, 25 Jahre, seien für die Verpächter ja durchaus vorteilhaft.



Wenn all das geklärt ist, könnten  Winzent und sein Gärtner-Partner ins Genehmigungsverfahren einsteigen. Sie müssten dabei nicht bei Adam und Eva beginnen, sprich: beim Flächennutzungsplan. Denn dort steht fürs Karlsbrunner Feld ohnehin „Landwirtschaft“, seit jeher. Das einstige Gruben-Betriebsgelände nebenan ist, sozusagen, andere Baustelle.

Aber ehe es losgeht, sagt Winzent, solle es noch einmal ausführliche Bürger-Informationen geben. Dabei werde sich auch der bislang noch unbekannte Gärtner-Investor vorstellen. Und vermutlich wird Winzent auch das spezielle Energie-Konzept präsentieren, das beim Glashaus zum Einsatz kommen soll (siehe „Hintergrund“).

Da soll das Gewächshaus hin (weißes Rechteck). Unterhalb sieht man die Hochspannungsleitung (rot) und den „Schwarzen Weg“ (weiß), oben den Waldweg, der die Grenze zum Naturschutzgebiet Warndt bildet.
Da soll das Gewächshaus hin (weißes Rechteck). Unterhalb sieht man die Hochspannungsleitung (rot) und den „Schwarzen Weg“ (weiß), oben den Waldweg, der die Grenze zum Naturschutzgebiet Warndt bildet. FOTO: Albert Winzent/ NES
Albert Winzent, Eigentümer des Karlsbrunner Geländes.
Albert Winzent, Eigentümer des Karlsbrunner Geländes. FOTO: Lothar Warscheid