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Ein Vulkan bescherte den 103ern ein unvergessliches Erlebnis

Saarbrücker auf abenteuerlicher Reise : Als ein Vulkan die 103er herausforderte

Eine Naturgewalt schweißte vor zehn Jahren drei Saarbrücker Kriminalbeamte, die einen Club gegründet haben, zusammen.

Damit, dass ihn die Aschewolke eines isländischen Vulkans ins Leben osteuropäischer Lkw-Fahrer wirft, hat Jürgen Friedrich nicht gerechnet. Zumal alles begann wie geplant für ihn und die anderen beiden Männer vom Club 103. Peter Weyand, Helmut Degen und Jürgen Friedrich brachen am 103. Tag des Jahres 2010 in Richtung Riga auf. Es war der 13. April, das Ritual hatte begonnen.

Es war noch nicht lange her, seit die drei saarländischen Kriminalbeamten den Club 103 gegründet hatten. Die 103 war Zufall, sagt Jürgen Friedrich. Die Summe stand auf der Rechnung nach ihrem ersten Treffen. Seitdem gilt: 103er treffen sich einmal im Monat zu Essen und Trinken für circa 103 Euro.103er zahlen monatlich 103 Euo in eine gemeinsame Kasse ein.  103er fahren gemeinsam jedes Jahr am oder nach dem 103. Tag des Jahres mindestens 103 Kilometer von zu Hause weg.  103er sind dann mindestens 103 Stunden unterwegs und trinken dabei etwa 103 Gläser Bier. Wobei die 103 Bier von den drei Clubmitgliedern zusammen getrunken werden.

Soweit lief alles nach Plan in Lettland. Bis zum Abend vor dem Tag, an dem die drei Freunde zurück nach Deutschland fliegen wollte. Im Hotel in Riga lief auf einem Fernseher eine englischsprachige Nachrichtensendung. Da war die Rede davon, dass der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull wohl Auswirkungen auf den europäischen Flugverkehr haben könnte. „Offizielle Informationen gab es nicht“, erinnert sich Jürgen Friedrich. Am nächsten Tag auf dem Flughafen: Chaos. Alle Flüge gestrichen. Keine verlässlichen Informationen zu Flügen in den kommenden Tagen. Überlandbusse in Richtung Westen waren über Tage hinaus ausgebucht. Züge gab es nur in Richtung Russland. Es gelang den Männern immerhin ein Dreibett-Zimmer in einem Hotel zu bekommen. Und drei Tickets für eine Lkw-Fähre von einem 280 Kilometer von Riga entfernten Hafen über die Ostsee nach Lübeck.

Mit einem Mietwagen erreichten die drei 103er mitten in der Nacht die Fähre. „Einen Eingang für Passagiere gab es nicht, wir mussten zwischen den einfahrenden Lastern über eine große Rampe ins Schiff klettern. Dort wurden uns als erstes unsere Personaldokumente abgenommen“, erinnert Jürgen Friedrich. Die nächsten 28 Stunden verbrachten er und deine Kollegen mit Lkw-Fahrern. „Alle aus Osteuropa, verwegene Ritter der Landstraße, viele von ihnen alkoholisiert“, erzählt Friedrich. Es sei „wahrlich kein Vergnügen“ gewesen. Der kleine Laden an Bord öffnete während der ganzen Fahrt drei Mal. „Es gab dort nur Wodka, Bier und Zigaretten, die hygienischen Verhältnisse beschreibt man besser nicht. Immerhin wurden zwischendurch einfache Mahlzeiten gereicht“, erinnert sich der 103er. Im einzigen Aufenthaltsraum an Deck liefen Tag und Nacht russische Kriegsfilme in voller Lautstärke.  Und, sagt Friedrich: „Die Mitpassagiere machten einen absolut unberechenbaren Eindruck.“ Ein Skatspiel half den Deutschen, die Zeit totzuschlagen.

Dieses Foto entstand im Saarbrücker Bahnhof am Ende der  Reise der 103er. Von links: Helmut Degen, Peter Weyand und Jürgen Friedrich. Foto: Friedrich

Von Lübeck mit dem Zug nach Hamburg, von dort nach Saarbrücken. 80 Stunden später als geplant,waren die 103er zuhause. Die Reise habe ihre Frundschaft vertieft. „Viele schöne Ausflüge in Deutschland folgten in den nächsten zehn Jahren, aber nie mehr haben wir dabei das Verkehrsmittel Flugzeug  benutzt“, sagt der heute 70-Jährige.