Bubble Soccer in Jägersfreude: Heiko Lehmann rollt mit

Selbstversuch : Als großer, bunter Ball im Schleudergang

Ein Selbstversuch beim Bubble Soccer. Der TuS Jägersfreude lud am Samstag zum zweiten Mal zum Turnier mit den bunten Riesenbällen. Unser Autor spielte mit und fühlte den deutlichen Unterschied zum Fußball.

Wer wissen will, wie es sich mitten in einer Waschmaschine im Schleudergang anfühlt, der sollte unbedingt einmal Bubble Soccer spielen. Kleinfeld-Kunstrasen, vier gegen vier inklusive Tormann, ein Schiedsrichter, zwei Tore und ein Ball – im Prinzip genau wie Fußball, wären da nicht die luftgefüllten Bubbel mit etwa einem Meter Durchmesser, in die man reinschlüpfen muss.

Im Inneren, wo bei einer Außentemperatur von 30 Grad gefühlte 45 Grad herrschen, zieht man die Bubbel an wie einen Rucksack und hält sich mit den Händen vor dem Körper an zwei Griffen fest.

Der TuS Jägersfreude lud am Samstag zum zweiten Mal zu seinem Bubble Soccer-Turnier ein. 14 Mannschaften hatten sich gemeldet, etwa 200 Zuschauer kamen und ließen sich das Spektakel nicht entgehen. „Ich habe Bubble Soccer vor ein paar Jahren mal im TV gesehen und war begeistert. Wir haben im vergangenen Jahr ein Testturnier gestartet und alle hatten großen Spaß“, sagt Sebastian Hoffmann vom TuS, der das Turnier federführend organisierte. Die Hälfte der Bubble wurde geliehen, die andere Hälfte hatte sich der TuS selber zugelegt. Um die 100 Euro kostet so ein Teil.

Nur über das Turnier zu berichten, wäre ja zu einfach. Also machte die Saarbrücker Zeitung mit, als Gastspieler bei der Mannschaft die TuS-Aktiven. Mit 43 Jahren bin ich mittlerweile zwar ein paar Kilometer hinter der Ronaldo-Fitness zurück, aber als ehemaliger Oberligaspieler sollte die Technik und vor allem die Erfahrung reichen, um den jungen Hüpfern in ihren Luftblasen zu zeigen, wo der Hase läuft.

Etwa zehn Kilogramm wiegt so ein Teil, die Bewegungen sind selbstverständlich ungewohnt, aber die Sicht durch die Bubbles ist in Ordnung. Bereits der Anstoß ist ein Spektakel. Auf Pfiff des Schiris rennen alle von ihren jeweiligen Torlinien los und versuchen als erster an der Mittellinie zu sein, denn dort liegt der Ball. Bereits nach fünf Sekunden rasseln die ersten gegeneinander und fliegen gleich im hohen Bogen und mit Überschlag durch die Gegend. Von hinten rempeln und am Boden Liegende zu rempeln ist verboten. Ansonsten ist fast alles erlaubt – sogar das Vorrempeln, um dem Ballführenden Platz zu machen.

Und dann kam es zum ersten Ballkontakt für die SZ. Freie Sicht zum Mitspieler, ein akkurater Pass und die erste Erkenntnis: Da geht was. Sekundenbruchteile später war Waschmaschine angesagt. Von der Seite kam ein Gegenspieler mit ordentlich Schmackes, und es folgte ein doppelter Rittberger mit zweieinhalbfacher Schraube.

Nach einer kurzen Phase der Orientierungsfindung kam es zur nächsten Erkenntnis: Aufstehen ohne Hände und mit einer Monster Gummiblase um den Oberkörper ist alles andere als einfach. Wieder auf den Beinen kam die Kampfansage mit dem Wissen, dass ein gepflegter Doppelpass so gut wie immer zum Erfolg führt. Pass zum Mitspieler, zwei schnelle Schritte in die Mitte und . . . doing . . . Waschmaschine die zweite.

„Das ist hier nicht pitschi patschi. Du musst voll durchziehen und drauf. Das ist wie beim Pressball, wer zurückzieht, verliert“, sagt Tobias Konsdorf vom SC Heidenpils aus dem Sulzbachthal. Seine Mannschaft ist der Titelverteidiger und hat in der Vorrunde alle Spiele ohne Gegentor gewonnen. „Wir wiegen fast alle zwischen 100 und 120 Kilo und wir springen auf alles, was sich bewegt. Wer soll uns schlagen“, sagt Heiko Edelmann, ebenfalls vom SC Heidenpils und lacht.

In der anderen Vorrundengruppe dominierten Muay Thai, eine Kampfsporttruppe aus Jägersfreude und der FC Bubbelona aus Neuweiler, ebenfalls ohne aktive Fußballspieler. Mit Fußball haben die Jungs nicht besonders viel am Hut, dafür aber mit Power, Fitness und Sprungkraft. Dennoch war gegen die Kolosse des SC Heidenpils kein Kraut gewachsen. Mit 4:0 gewannen die Sulzbacher das Finale gegen den Fc Bubbelona und holten sich mit einem Torverhältnis von 36:0 zum wiederholten Male den Titel im Bubble Soccer.

Für mich war nach der Vorrunde Schluss, obwohl die TuS-Aktiven noch um das Halbfinale kämpften. Zweimal Waschmaschine und ein Gefühl wie auf einer Achterbahn haben völlig ausgereicht, um zu wissen, was Bubble Soccer ist. Die letzte Erkenntnis: Lasst die Jungen einfach ihre Spiele spielen, zumal zuschauen ohne Schleudergang mindestens genau so lustig ist.

Mehr von Saarbrücker Zeitung