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Der Weiße Ring half 2018 im Regionalverband 127 Verbrechensopfern

Verbrechensopfer im Regionalverband : Hilfe für Betrogene, Beraubte, Misshandelte

2018 stand der Weiße Ring im Regionalverband 127 Verbrechensopfern bei. Gerade dort, wo der Staat sie noch immer im Stich lässt.

Die Familienfeier im Mai 2018 endet mit einem Blutbad. Zwei Tote, zwei Verletzte. Zurück bleiben von weit her angereiste Angehörige, wie gelähmt vor Entsetzen. Der Weiße Ring hilft ihnen. Nicht nur kurz nach dem Drama, sondern noch lange danach können diese Menschen auf die Opferhilfsorganisation zählen.

Anderes Schicksal, neue Herausforderung aus dem Regionalverband. Die Opfer: zwei junge Männer. Am Bahnhof Kleinblittersdorf fallen zwei Angreifer über sie her. Einer ist mit einem Schlagring bewaffnet. Die Verbrecher treten und prügeln auf die 18-Jährigen ein. Die brauchen nun Hilfe von Psychologen, das Erlittene zu verarbeiten. Sie werden diese Hilfe bekommen.

Darum kümmert sich der Weiße Ring. Die Hilfsorganisation für Verbrechensopfer hat eine Außenstelle im Regionalverband. Werner Kaspar leitet sie.

Gerhard Ruloff kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit und wie weitere Helfer um Verbrechensopfer im Regionalverband. Die komplette Mannschaft arbeitet ehrenamtlich. Die Polizei informiert den Verein immer, wenn sie von einer gravierenden Straftat erfährt und falls das Opfer damit einverstanden ist. Natürlich können Betroffene sich selbst in der Halbergstraße melden. „Sobald wir von einer Straftat erfahren, setzen wir uns binnen 24 Stunden mit dem Opfer in Verbindung“, sagt Ruloff.

Einsatzschwerpunkte sind Saarbrücken, gefolgt von Völklingen und Sulzbach, während Hilfe-Ersuchen aus dem Köllertal oder von der Oberen Saar selten sind.

Oft wirken schon die ersten Worte, welche Verbrechensopfer mit den Helfern wechseln, wie Balsam für die Seele. „Das ist für viele die erste Gelegenheit, frei über das zu reden, was ihnen passiert ist“, sagt Werner Kaspar. Niemandem sei nach einem Diebstahl mit der Frage gedient, warum denn die Wertsachen nicht besser geschützt waren. Stattdessen gebe es Tipps, die Bestohlenen wirklich etwas bringen.

Weitere Hilfsmöglichkeiten sind Beratungsschecks für anwaltliche oder psychologische Beratung, nicht zu vergessen die Soforthilfen.

Der Bedarf ist groß. Vorn in der Statistik waren voriges Jahr 37 Körperverletzungen, gefolgt von 25 Diebstählen, 20 Sexualstraftaten und 13 Raubdelikten. Vielfältig wie die Verbrechen sind die Folgen für die Geschlagenen, Beraubten, Vergewaltigten. Der jeweilige Opferbetreuer vom Weißen Ring kennt viele Möglichkeiten zu helfen.

„Wir sind ja Teil eines großen Netzwerkes, zu dem etwa die Trauma-Ambulanz in Berus gehört“, sagt Kaspar. Zu den Hilfsangeboten gehören auch der Verein Aldona mit seinen Beratungsangeboten für Migrantinnen und Prostituierte und die Interventionsstelle der Caritas für Opfer häuslicher Gewalt.

Um die erste Not zu lindern, heißt es zuzuhören, vielleicht Soforthilfen auszuzahlen und dann Kontakt mit der Mainzer Bundesgeschäftsstelle des Weißen Rings aufzunehmen.

Mit 12 394 Euro waren die Ausgaben für die Opferhilfe im vorigen Jahr um rund 16 600 Euro niedriger als im Jahr 2017. Damals musste die Außenstelle Regionalverband aber auch einen besonders großen Aufwand betreiben, um Betroffenen einen Ausweg zu bieten.

Zwei Umzüge waren im Regionalverband zu organisieren, weil Angehörige von Getöteten einfach nicht mehr dort wohnen konnten, wo das Verbrechen passiert war.

All das zu finanzieren kostet Geld. Deshalb ist Werner Kaspar froh über das Vertrauen in den Weißen Ring: Aus dem Regionalverband seien im vorigen Jahr Spenden in Höhe von 24 826 Euro an die Bundesgeschäftsstelle der Hilfsorganisation geflossen. Hinzu kamen Mitgliedsbeiträge in Höhe von 9828.

Doch das Wichtigste sind die Menschen, die sich im Weißen Ring für Verbrechensopfer einsetzen. Um die ganze Bandbreite von Unterstützungsangeboten zu kennen und bei Gesetzen auf dem Laufenden zu bleiben, bilden die Helfer sich fort. Dafür unterhält der Weiße Ring eine Akademie an seinem Hauptsitz in Mainz. Wer zum Beispiel Betroffenen von Cybermobbing helfen will, hält sich in Kommunikationstechnik und Schutzmaßnahmen fit.

Für Kaspar gibt es viele Gründe, in der Hilfsorganisation mitzumachen. „Es ist ein angenehmes Gefühl, dass man jemandem geholfen hat. Außerdem kann ich mich weiterentwickeln. Diese Arbeit macht frisch im Kopf, denn jede Situation ist anders. Deswegen sind wir nicht in ein Zeitkorsett gezwängt. Wenn es sein muss, helfen wir Menschen, die sich an uns gewandt haben, auch am Wochenende.“

Das Helferteam der Außenstelle für den Regionalverband tut all das, damit Verbrechensopfer irgendwann wieder ein normales Leben führen können. Werner Kaspar und die anderen spornt bei ihren Einsätzen für Verletzte, Betrogene und Traumatisierte eine Gewissheit immer wieder an: „Wir würden eine große Lücke hinterlassen, wenn es uns nicht gäbe.“