St. Ingberts OB Ulli Meyer geht nach Amtseinführung auf Zuhör-Tour

Nach Amtseinführung : Oberbürgermeister Meyer geht auf „Zuhör“-Tour

Direkt nach seiner Amtseinführung machte sich der CDU-Politiker einen Überblick über die Situation in den verschiedenen Stadtteilen von St. Ingbert.

Ein Zeichen wollte Ulli Meyer setzen. Die zahlreichen Facetten des Kümmerns abdecken. Deswegen hatte St. Ingberts neuer Oberbürgermeister sich an seinem ersten Arbeitstag ein volles Programm vorbereitet. Und im Gegensatz zu seiner feurigen Begrüßungsrede in der Stadthalle (wir berichteten), wo er selbst im Fokus stand, ging er den Rest des Tages auf „Zuhör-Tour“ durch alle Stadtteile. Dabei waren auch jeweils die Ortsvorsteher anwesend.

Die begann bei den ganz Kleinen in der Kita Rentrisch noch vor seiner offiziellen Ernennung. Neben einer kurzen Malstunde mit den Kindern gab es auch einen Rundgang mit der Leiterin der Einrichtung, Tina Okuesa. Diese zeigte sich begeistert von der Zusammenarbeit mit Stadt und Architekturbüro: „Das ist nicht überall so einfach.“ Die ehemalige Schule befindet sich derzeit noch immer im Umbau und soll dann ab Januar 72 Kinder beherbergen. Bis Ende 2020 soll die Zahl auf 97 betreute Kinder anwachsen. Nach der Fertigstellung soll die Turnhalle jeweils ab 16 Uhr immer noch für Vereine zur Verfügung stehen.

Eine Altersstufe höher ging es zur Mittagspause. In der Dependance Hassel der Freiwilligen Ganztagsschule ließ man sich panierten Fisch mit Soße und Karottensalat schmecken. Nadine Müller, Leiterin der Schule in Mutterschutz, und ihre Stellvertreterin Petra Röser informierten darüber, dass man nur zertifiziertes Essen der Saarpfalz-Werkstatt für angepasste Arbeit (SWA) der Lebenshilfe in Blieskastel anbiete. Das Thema Ganztagsbetreuung werde in den kommenden Jahren voraussichtlich weiteren Zulauf mit sich bringen. Bereits jetzt nähmen etwa die Hälfte der Eltern das Angebot wahr. Für die „langen Gruppen“, die bis 15 oder bis 17 Uhr betreut werden, habe man Angebote wie Wanderungen oder Bastelprojekte. „Vieles im musischen und kulturellen Bereich“, wie Nadine Müller erklärte.

In Hassel standen Schulleiterin Nadine Müller (links) und ihre Stellvertreterin Petra Röser (rechts) Rede und Antwort. Foto: Stefan Bohlander

Die Station für die noch Älteren führte den neuen OB ins Caritas-Altenzentrum St. Barbara in St. Ingberts Mitte. Dort habe Ulli Meyer bereits vor einigen Monaten ein „Praktikum“ absolviert, wie sich Heimleiter Paul Lösch schmunzelnd erinnerte. Er wünsche sich von der Verwaltung, dass sie die Belange der Senioren ernst nehme und brachte einen runden Tisch in Spiel, an dem sich auch die anderen stationären Einrichtungen unterschiedlicher Träger beteiligen könnten. Klar sei auch, dass der Bedarf weiter wachse, aber niemand wisse genau, wie hoch er letztendlich sein wird. Stefan Müller, Vertreter der Heimbewohner, kritisierte die Rechtslage, nach der die Dokumentation aller Bewohner viel zu viel Zeit in Anspruch nehme: „Das geht an den Leutchen vorbei“, so Müller, dessen Mutter hier lebt.

Im Caritas-Altenzentrum St. Barbara in St. Ingbert traf man sich zum Kaffee mit dem neuen Oberbürgermeister Meyer (dritter von rechts). Foto: Stefan Bohlander

Bereits bei seiner Ernennung kündigte OB Meyer an, sich auch um Bauruinen in der Region kümmern zu wollen. Dass es ihm damit ernst ist, zeigte er beim Besuch des heruntergekommenen Bahnhofs in Rohrbach. Im Bauzeitenplan der Deutschen Bahn (DB) sei der Abriss der maroden und von Uringeruch durchtränkten Durchgangshalle für 2024/25 vorgesehen, wie Margret Welsch, Leiterin der Bauverwaltung der Stadt St. Ingbert, erläuterte: „Die Situation wird also noch ein wenig andauern.“ Erst einen Tag zuvor habe die Deutsche Bahn die Abfuhr der Schuttreste des abgerissenen Gebäudes neben der Vorhalle umgesetzt. Ulli Meyer regte an, sich mit dem aus Homburg stammenden Bundestagsabgeordneten Markus Uhl (CDU) in Verbindung zu setzen, der Kontakt zum entsprechenden Bahnmitarbeiter herstellen solle. Mit der Stimme des MdB könne eine Priorisierung der Maßnahme erreicht werden.

Rohrbachs Ortsvorsteher Roland Weber (links) im wenig erbaulichen Inneren des dortigen Bahnhofes. Foto: Stefan Bohlander

Als ein Signal in Richtung Ehrenamt sollte dagegen der Besuch bei der Freiwilligen Feuerwehr Oberwürzbach gelten. Löschbezirksführer Marco Schmeltzer und sein Stellvertreter Daniel Wannenmacher erläuterten Meyer den Wunsch, das Feuerwehrgerätehaus zu sanieren und in Teilen etwas zu vergrößern. „Die Duschsituation ist prekär“, sagte etwa Marco Schmeltzer. Zudem sei eine Trennung der Umkleidekabinen nach Geschlechtern dringend erforderlich. Auch vor dem Hintergrund, dass bald neue Kameradinnen begrüßt würden. „Bauen wir neu?“, wollte schließlich ein Kamerad explizit wissen. „Wir haben es vor“, sagte Ulli Meyer. Doch er wolle und könne keine Zusagen machen, da er letztlich an die Weisungen des Stadtrates gebunden sei. Bei einem gemütlichen Zusammensein klang der erste Arbeitstag für St. Ingberts neuen Oberbürgermeister dann aus.

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