Musik bis weit nach Mitternacht

Zwei St. Ingberter Gotteshäuser haben am Pfingstsonntag an der „Nacht der Kirchen“ teilgenommen und stellten die Gästen vor eine schwierige Wahl: Denn sowohl die Christus- als auch die Martin-Luther-Kirche lockte mit reichhaltigem Programm.

. Am Pfingstsonntag fand die zweite saarlandweite Nacht der Kirchen statt, die um 18 Uhr mit einem Gottesdienst in der Ludwigskirche in Saarbrücken eröffnet wurde. Von dort wurde das "Pfingstfeuer" in alle teilnehmenden 50 Gotteshäuser getragen, in denen die Türen für die Besucher ab 20 Uhr offen standen. Zwei davon waren die Martin-Luther-Kirche und die Christuskirche in St. Ingbert.

Die "Nacht der Kirchen" soll Menschen die Möglichkeit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen, die Kirchenräume einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, aber auch verschiedene Kunstgenüsse zu erleben. Und das zum Teil bis weit nach Mitternacht. Es fiel schwer, die Entscheidung zu treffen, welchen der zwei Kirchen man einen Besuch abstatten sollte. Interessant war das Programm in beiden allemal. In den kühlen Mauern der Martin-Luther-Kirche läutete die Evangelische Kantorei mit geistlichen und weltlichen Chören quer durch die Jahrhunderte die Kirchennacht ein. Musik wie gemacht für einen noch recht warmen Sommerabend, begleitet von den Vogelstimmen vor dem offenen Portal. Man hätte der weißen, schlanken Kirche in der Josefstaler Straße mehr Besucher gewünscht, doch diejenigen, die da waren, kamen auf ihre Kosten. Das Zupforchester 78 aus St. Ingbert kam mit einem Ausschnitt aus seinem Programm "Saitenweise Mozart" und freute sich über die Einladung, die das Ensemble erstmalig in diesen Raum führte. Märchenhaftes, Nächtliches und Klangvolles ließ die Zuhörer verschiedene Stimmungen zwischen Orgel, Klarinette, Flöte, Gesang und Meditation nachspüren.

Währenddessen versuchten die Gäste und Musiker in der Christuskirche, einen kühlen Kopf zu bewahren. Nicht, weil das Konzertprogramm so anstrengend war, sondern weil tropische Temperaturen und eine ebensolche Luftfeuchte das Atmen zunehmend erschwerte. Dass so viele Besucher mehr als vier Stunden die Stellung hielten, war dem anspruchsvollen Programm zu verdanken, das hochkarätige Künstler an Flöte, Gitarre, Klavier und Violine erleben ließ. Wer sich bei gefühlten 50 Grad Celsius, mit dem Programmflyer Luft zufächelnd, der Kunst hingeben konnte, war ein wahrer Musikliebhaber. Als besondere Höhepunkte in der Wolfshohlstraße werden wohl die jazzige Kirchenführung von Saxofonist Oleg Berlin, der zu Bildanimationen der Kirchenfenster improvisierte, sowie Jens Bunge und Uli Wagner mit ihren Eigenkompositionen an Mundharmonika und Gitarre in Erinnerung bleiben.

Klassisches, Lateinamerikanisches, Balladen und swingender Jazz waren aber noch nicht alles, was das Programm so hörenswert machte. Die gebürtige St. Ingberterin Lisa Marie Neumann bildete mit ihrem Gitarristen Johann den Abschluss, der gefühlvoller kaum sein konnte. Die Sängerin hatte sich die Christuskirche als Testfeld für ihre neuen Eigenkompositionen ausgesucht, von denen man nicht genug bekommen konnte. "Vielleicht weht der Geist Gottes nirgendwo so intensiv wie in der Musik, da wo sie uns ergreift, wo sie uns das Herz aufgehen lässt, da geht uns auch Gott auf, dort wird sie zur Transzendenzerfahrung", sagte Pfarrer Fred Schneider-Mohr zu Beginn. Nach diesem Erlebnis in St. Ingbert an Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes, konnte man ihm da nur zustimmen.

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