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Corona hat Floristen das Ostergeschäft kaputt gemacht

Schwierige Zeiten für Floristen : Freude an Blumen soll wiederkommen

Für die Floristen ist mit dem ausgefallenen Frühlings- und Ostergeschäft ein wichtiger Teil des Jahresumsatzes weggebrochen. Sie hoffen jetzt auf treue Kunden, Muttertag und Sommerflor für Balkon und Garten.

Die Hochzeiten sind gestrichen, Kommunion und Konfirmation nicht gefeiert worden. Ostern ist vorbei, und nicht nur die Schoko-Hasen stehen noch in den Regalen, auch Blumensträuße sind kaum geordert worden. Im Saarland waren alle Blumen-Geschäfte zu. Immerhin hatten einige Blumengeschäfte einen Lieferservice, andere durften noch nicht einmal die Sträuße vor die Tür legen und das Geld in einem Korb deponieren lassen.

Das hat Ilona Slot-Reiher vom Blumengeschäft Rosella geärgert. Trotz Anfrage im Bexbacher Rathaus sei ihr das nicht gestattet worden, „ich hätte es ja noch eingesehen, wenn dieses Verbot überall gegolten hätte, aber in den Nachbarorten ist es möglich gewesen, ohne Kundenkontakt Blumensträuße zu verkaufen.“ Überhaupt empfinden viele Inhaber-geführte Blumengeschäfte die Ungerechtigkeit im Handel besonders stark.

So sei es den Lebensmittel-Discountern möglich gewesen, ganze Paletten mit Pflanzen vor den Eingängen zu deponieren, während die kleinen Blumengeschäfte dicht hatten. „Das ist wirklich ärgerlich. Diese Verluste lassen sich nicht mehr wettmachen“, sagt Marko Schwamberger, der eine Gärtnerei in Kirkel betreibt, „und wir haben noch Glück, weil wir neben Blumen auch Gemüsesetzlinge und Kräuter vertreiben, unser Betrieb war nie ganz geschlossen.“ Damit ist er auch in St. Ingbert auf dem Markt gewesen, „das hat sich nicht unbedingt finanziell gelohnt, aber wir haben eigene Gewächshäuser und mussten dann wenigstens nicht die viele Arbeit abschreiben, die wir in die Anzucht unserer Gemüse- und Kräuterpflanzen gesteckt haben.“

Also nicht wie in Holland, wo tonnenweise frische Blumen vernichtet werden mussten, weil sich keine Abnehmer fanden. „Das war einfach furchtbar, wer Blumen liebt, dem hat das Herz geblutet bei dem Anblick“, sagt Kim Stößer vom Homburger Blumengeschäft Wachter. Auch dort spürt man den Wegfall sämtlicher Veranstaltungen stark: „Nicht nur bei Privatleuten, auch in den Restaurants läuft ja nichts mehr. Kein Mensch ordert derzeit Blumen für die Tischdekoration.“

Jetzt bleibe als Hoffnung noch der Muttertag und der Sommerflor für Balkon und Garten, der traditionell nach den Eisheiligen verkauft wird, „aber das gleicht die Verluste nicht aus“. Zumal viele Paare schon signalisiert hätten, die Hochzeit aufs nächste Jahr verschieben zu wollen, so dass für den Herbst kein großer Schub an Bestellungen mehr zu erwarten sei. Auf den Herbst, sagt auch Schwamberger, „auf den braucht man nicht zu hoffen, da läuft nicht mehr viel.“ Man müsse durch die schwierigen Zeiten irgendwie hindurchkommen, „wir hoffen, dass unsere Kunden uns treu bleiben und uns kleine Betriebe vor Ort unterstützen. Die Discounter verdienen eh genug an der Krise, die müssen uns nicht noch das Blumengeschäft wegnehmen.“

Auch Manuela Keller vom Blumengeschäft Stielwerk in St. Ingbert baut auf die Treue der Kunden: „Die Kunden haben jetzt wieder Lust auf Blumen. Sie waren so lange quasi eingesperrt, da hat man den Wunsch, sich oder anderen eine Freude zu machen.“ Sie hat ihre Auslagen sorgfältig arrangiert, alles mühevoll aufgebaut, „wir Floristen sind der Fachhandel, wir können uns nach den Wünschen der Kunden richten, die Discounter nicht“.

In der ersten Woche, in der sie nun wieder öffnen durfte, kamen auch viele Leute zu ihr, „natürlich mit gebührendem Abstand und einer nach dem anderen, wie es vorgeschrieben ist. Es ist schön, dass die Freude an den Blumen wieder da ist.“ Auch sie hatte kaum mitansehen können, wie großflächig in Holland Blumen vernichtet wurden, „und die Folgen spüren wir jetzt, wo das Blumengeschäft wieder anzieht, alles wird nämlich extrem teuer.“

Ihr werde ganz schwindlig, wenn sie die Einkaufspreise sehe. Was nütze es da, wieder gute Umsätze zu erzielen, wenn am Schluss kaum etwas an Gewinn übrig bleibe? Doch es seien nicht nur die knappen Blumen aus Holland, die alles verteuerten, auch aus Italien, aus Afrika oder Südamerika komme nichts mehr an. Auch wenn sich die Inhaber-geführten Blumengeschäfte – im Gegensatz zu den Ketten – bemühten, möglichst in der Nähe einzukaufen, spüre man die derzeitige Knappheit eben auch am Preis.

Nun hoffen die Blumengeschäfte, dass wenigstens die kommenden Tage wieder etwas Umsatz bringen mögen, „die Ausgangssperre ist im Saarland jetzt ja aufgehoben“, sagt Ilona Slot-Reiher, „das könnte wieder ein paar Menschen in die Stadt bringen. Aber zu viele dürfen es auch wieder nicht sein“.

Vielen, so hat Manuela Keller festgestellt, gefalle es einfach nicht, mit dem Mundschutz herumzulaufen: „Gerade Frauen fühlen sich nicht wohl damit, sie sagen, das sehe einfach blöd aus. Deshalb gehen sie gar nicht gerne in die Stadt. Aber das ist für mich kein Problem, dann bekommen sie Blumen eben geliefert.“

Sie gehörte auch zu denjenigen, bei denen das Ostergeschäft dank Lieferservice nicht gänzlich ins Wasser gefallen ist: „Ich will mich nicht beklagen. Manche Kollegen hatten es da deutlich schwerer als ich.“ Aber generell sei es einfach ein Risiko, mit frischen Waren zu handeln, „nichts ist enttäuschender als ein Blumenstrauß, bei dem schon bald die Köpfe herunterhängen“, betont auch Schwamberger, „so etwas wollen wir nicht verkaufen. Dann lieber gar nichts“.

Mit einer geschmackvollen Außendekoration versuchen viele Inhaber-geführten Geschäfte, den Kunden wieder Freude an Blumen zu vermitteln, wie hier die Floristin Manuela Keller vom Stielwerk in St.Ingbert. Foto: Manuela Keller
Vor zwei Wochen wurden in Holland tonnenwiese Blumen vernichtet, jetzt werden die Blumen teurer, weil Lieferungen ausbleiben. Foto: Manuela Keller
Muttertag Das Bild zeigt die sechsjährige Franka, die ihrer Mutter Antje Knappe ein großes Herz schenken möchte, das sie noch hinter ihrem Rücken versteckt hält, gestelltes Illustrationsfoto vom 08.05.2007. Am zweiten Mai-Sonntag (13.05.2007) werden nach einem seit 100 Jahren existierenden Brauch Frauen zum Muttertag mit Blumen oder kleinen Geschenken geehrt. Foto: Patrick Pleul dpa/lbn +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: picture-alliance/ dpa/Patrick Pleul

Aber die Zeiten mit „gar nichts“ seien jetzt zum Glück vorbei. Und zum Glück, sagt Kim Stößer, „da gehören Blumen einfach dazu.“