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Mit Maske zum Einkaufen - in Homburg halten sich die meisten an die Maskenpflicht

Kostenpflichtiger Inhalt: Maskenpflicht : Ansturm auf Geschäfte in Homburg bleibt aus

Kleineren Händlern in Homburg fehlen weiter die Kunden. Auch die Maskenpflicht verhagelt das Shoppingvergnügen.

Seit Montag heißt es also Einkaufen, Bus- und Bahnfahren nur noch mit Maske. Auch Einrichtungen wie zum Beispiel die Kreisverwaltung haben die „Maskenpflicht“ ausgerufen. Ein Shoppingvergnügen ist das Einkaufen so zwar nicht, „aber man gewöhnt sich dran“ ist der Tenor bei Kunden und Personal. Und die Mehrzahl der Menschen hält sich auch daran, so der Eindruck bei einem Rundgang am Dienstagvormittag in der Stadt.

 Da war Betrieb in den Stoffgeschäften – denn da die Maskenpflicht wohl nicht so schnell beendet sein wird, suchen viele eine dauerhaftere (und vielleicht auch schönere) Alternative zu den Einwegmasken aus Vlies – Baumwollstoffe gibt es in großer Vielfalt. Und eine kleine Auswahl an Masken zu haben, ist schon allein aus reinigungstechnischen Gründen nicht schlecht. Aber bis die Maske zum modischen Statement wird – immerhin fertigt zum Beispiel das italienische Modeunternehmen Prada inzwischen auch Masken – dauert es wohl noch.

In der Buchhandlung von Wolfgang und Pia Welsch in der Talstraße habe man am Montag lediglich zwei Kunden gehabt, die sich nicht daran gehalten hätten. Die wurden dann freundlich, aber bestimmt darauf aufmerksam gemacht, dass man nur mit Maske in den Laden dürfe. Das Personal achte darauf, dass nicht mehr als zehn Leute im Laden seien, maximal sind zwölf zugelassen. Während die Kunden ihre Maske kurz zum Einkaufen aufsetzen, und sie dann wieder abnehmen, muss das Ladenpersonal diese deutlich länger tragen. Pia und Wolfgang Welsch haben die Mitarbeiter mit selbstgenähten Stoffmasken „versorgt“, einige haben auch noch eigene. „Beim Auf- und Absetzen achten wir darauf, dass man die Maske am Gummiband anfasst, jeder reinigt und bügelt seine Maske abends selbst“, sagt Welsch. Bei der Kundenberatung gilt wie sonst auch: Abstand halten. Auch wenn man um die Öffnung froh sei - die Kundenfrequenz insgesamt habe aber schon abgenommen – und ein komplettes Sortiment, die Reiseliteratur, gehe derzeit gar nicht.

Den Verdacht, dass sich die Wiedereröffnung der kleineren Geschäfte bislang in Homburg kaum positiv ausgewirkt hat, nährt auch die Aussage von Axel Ulmcke, der den Elektronikladen Expert im Homburger Talzentrum betreibt: Gerade etwa 20 Prozent der Kunden wie in Normalzeiten kauften aktuell hier ein. „Die Leute sind sehr zurückhaltend“, so Ulmcke. Er habe befürchtet, dass es so kommt: „Das ist keine Überraschung. Da werden wir noch eine Zeitlang dran zu knabbern haben.“ Seiner Schätzung zufolge treffe es Lebensmittel- oder Getränkemärkte kaum: „Das bleibt in der Summe gleich.“ Den Kauf von Dingen, die man aber nicht für den täglichen Bedarf brauche – wie eben Elektroartikel – schiebe man vor sich her. Und „unsere Werkstatt durfte zwar weiterarbeiten. Das wird aber auch weniger.“ Eine Personenbeschränkung in seinem Geschäft mit 390 Quadratmetern Verkaufsfläche sei unnötig: „Da kommt im Moment nur einer rein, vielleicht mal noch ein zweiter, bei der Fläche spielt das keine Rolle.“ Mit der Maskenpflicht – er selbst hat für seine Kunden Gratismasken nebst Desinfektionsmittel am Eingang deponiert – gehen die Leute nach seinem Dafürhalten bisher verantwortungsvoll um, auch Abstand werde gehalten. „Die Maske ist aber für viele grenzwertig, die Brillen beschlagen, manche klagen über mangelnde Luft und allgemeines Unbehagen.“

Während Rosmarie Missy von der Modeboutique de Missy in der Eisenbahnstraße findet, dass die Homburger sich diszipliniert an die Maskenpflicht und Abstandsregelungen halten, hat sie in Sachen Kundenfrequenz ähnliche Erfahrungen gemacht wie Ulmcke. Nur etwa ein Drittel der üblichen Kunden komme im Moment vorbei. Vergangene Woche seien fast nur Stammkunden vorbeigekommen. „Heute gab es einen totalen Einbruch“, sagt sie am Dienstag, nachdem sie am Morgen nur eine zahlende Kundin verbucht hatte. Umsatzbußen habe sie durch die wegfallende Laufkundschaft „definitiv“. Sie appelliert an die Bürger, nicht via Internet zu bestellen.

Ein Punkt, den auch Wirtschaftsförderin Dagmar Pfeiffer aufgreift. Sie habe mit Geschäften gesprochen, die auch Filialen in anderen Bundesländern betrieben. Tenor: Anders als dort sei das Einkaufsverhalten hier sehr verhalten. Es fehle auch den Homburgern die Einsicht, dass es gerade jetzt wichtig sei, die Händler vor Ort zu unterstützen. „Für die Geschäfte ist es natürlich schlimm, wenn pro Stunde nur ein Kunde reinkommt“, sagt sie. Und zielt darauf ab, dass sich kaum Einkaufswillige in der City aufhalten. Mindestabstandsregelungen und geschlossene Gastronomie lüden nicht zum shoppen ein. „Am Anfang dachte man, die Schließung sei die schwierige Phase. Aber die kommt jetzt erst.“ Und was sagt Pfeiffer zur Maskenpflicht? „Es ist besser mit Maske unterwegs zu sein, als gar nicht. Aber es ist nicht das gleiche Einkaufserlebnis wie vorher. Die Unsicherheit läuft mit.“

Positiv ausgewirkt hat sich die Wiedereröffnung indes bei der Schmuckgalerie von Eric Farries am Marktplatz. Dort werden vor allem Schmuckstücke etwa für Hochzeiten, Muttertag oder Geburtstage extra angefertigt. Wie Ramona Farries erklärt, spielten Laufkundschaft und Abverkauf keine große Rolle. Bereits seit der Wiedereröffnung habe man viele Kundentermine eintragen können. Gerade auch dieser Dienstag sei ein „Super-Tag“ gewesen. Farries: „Die Leute sind guter Dinge, dass es bald wieder weitergehen kann.“ Allerdings sei man nicht beim normalen Niveau und Aussagen zum Umsatz könne man erst in zwei bis sechs Wochen treffen, wenn die nun angefertigten Schmuckstücke verkauft seien. „Für uns ist die Wiedereröffnung gut. Ich hätte Angst vor einer erneuten Schließung. Wenn nichts reinkommt, ist das übel.“